Wechsel beim Internetriesen : Jeff Bezos gibt Amazon-Leitung ab
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Wechsel beim Internetriesen Jeff Bezos gibt Amazon-Leitung ab

Jeff Bezos tritt als Amazon-Chef zurück, dürfte aber im Verwaltungsrat weiter einige Strippen ziehen. Der Neue ist bereits bekannt.

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Jeff Bezos tritt als Amazon-Chef zurück.

Jeff Bezos tritt als Amazon-Chef zurück.

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Bezos wird den Vorstandsvorsitz im dritten Quartal 2021 an Andy Jassy abgeben.

Bezos wird den Vorstandsvorsitz im dritten Quartal 2021 an Andy Jassy abgeben.

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Bezos dürfte danach aber als geschäftsführender Vorsitzender des dem Vorstand übergeordneten Verwaltungsrats weiterhin grossen Einfluss ausüben.

Bezos dürfte danach aber als geschäftsführender Vorsitzender des dem Vorstand übergeordneten Verwaltungsrats weiterhin grossen Einfluss ausüben.

AFP

Darum gehts

  • Der Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt den Posten des Vorstandsvorsitzenden des Internetriesen ab.

  • Bezos übergibt das Amt des CEO im dritten Quartal an den Amazon-Cloud-Computing-Chef Andy Jassy.

  • Bezos wird aber als sogenannter Executive Chair weiterhin eine wichtige Rolle bei Amazon spielen.

Amazon-Gründer Jeff Bezos gibt nach fast 30 Jahren an der Spitze des weltgrössten Onlinehändlers seinen Posten als Vorstandsvorsitzender auf. Neuer Chef werde ab dem kommenden Herbst Andy Jassy, der derzeit das Cloud-Geschäft des Unternehmens leitet, teilte Amazon am Dienstag mit.

Bezos dürfte als geschäftsführender Vorsitzender des dem Vorstand übergeordneten Verwaltungsrats auch nach seinem Rücktritt weiterhin grossen Einfluss beim Konzern ausüben. Der 57-jährige Top-Manager gründete Amazon 1994 und baute das Unternehmen vom Online-Buchladen zum Billionen-Konzern auf. Mit einem geschätzten Vermögen von 188 Milliarden Dollar (169 Mrd Franken) ist Bezos derzeit dem «Bloomberg Billionaires Index» zufolge der zweitreichste Mensch der Welt.

«Es geht nicht darum, in Rente zu gehen»

Im Verwaltungsrat wolle er seine Energie in neue Produkte und Initiativen stecken und sich gleichzeitig auf andere Projekte wie seinen Klimafonds, die Weltraumfirma Blue Origin und die Zeitung «Washington Post» konzentrieren, schrieb Bezos in einer E-Mail an die Amazon-Angestellten. Ruhiger angehen lassen wolle er es jedenfalls nicht. «Ich hatte nie mehr Energie und es geht hier nicht darum, in Rente zu gehen», schrieb er.

Amazon ist eines der wenigen grossen US-Technologieunternehmen, in denen der Gründer auch noch der Vorstandsvorsitzende ist. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin gaben ihre Führungsposten beim Mutterkonzern Alphabet 2019 auf, Oracle-Gründer Larry Ellison zog sich 2014 aus der Konzernführung zurück und Bill Gates ist seit 2000 nicht mehr CEO von Microsoft. Bis 2008 mischte er allerdings noch im Tagesgeschäft mit und war bis 2014 Vorsitzender des Verwaltungsrates. Im vergangenen Jahr zog er sich ganz zurück, um sich seinen wohltätigen Projekten zu widmen.

Nach dem Start im Juli 1995 verkaufte Amazon von Bezos’ Garage aus zunächst Bücher, doch mittlerweile gibt es kaum etwas, das bei Amazon nicht erhältlich ist. Die Firma brachte ausserdem den ersten von einem breiten Publikum genutzten E-Reader und zahlreiche andere technische Neuerungen auf den Markt. Bezos selbst wurde dadurch zu einem der reichsten Menschen der Welt.

Weltweit 1,3 Millionen Angestellte

Schon als Kind war Bezos ein Tüftler. Später machte er einen Abschluss als Elektroingenieur und Computerwissenschaftler an der Princeton University und arbeitete in der Folge für mehrere Wall-Street-Firmen. Seinen letzten Angestelltenjob bei D.E. Shaw kündigte er schliesslich, um einen Online-Versandhandel aufzubauen. Zunächst wusste er nicht, was er verkaufen sollte, legte sich dann aber auf Bücher fest und zog mit seiner Frau MacKenzie nach Seattle an der US-Westküste, weil dort viele Technologie-Experten verfügbar waren und in der Nähe in Oregon auch ein grosser Buchhändler seinen Sitz hatte. MacKenzie, die er bei D.E. Shaw kennengelernt und 1993 geheiratet hatte, fuhr nach Seattle und Bezos schrieb auf dem Beifahrersitz seinen Businessplan, mit dem er seine Eltern und einige Freunde dazu brachte, in seine Idee zu investieren.

Bezos schrieb an seine Angestellten, die Amazon-Reise habe mit einer Idee und noch ohne Namen vor 27 Jahren begonnen, im Jahr 1994. Ein Jahr später war dann der Verkaufsstart. Mittlerweile hat das Unternehmen 1,3 Millionen Angestellte weltweit.

Riesiger Umsatz in der Corona-Krise

In den drei Monaten bis Ende Dezember knackte Amazon beim Umsatz dank des Bestell-Booms in der Corona-Krise und eines starken Weihnachtsgeschäfts erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten die Erlöse um 44 Prozent auf 125,6 Milliarden Dollar zu. Den Nettogewinn konnte Amazon auf 7,2 Milliarden Dollar deutlich mehr als verdoppeln. Im Geschäftsjahr 2020 verdiente der Konzern 21,3 Milliarden Dollar, was einem Anstieg um 84 Prozent und einer neuen Bestmarke entspricht.

Der Online-Gigant profitierte abermals stark von seinem Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet. Die vom zukünftigen Vorstandschef Jassy geführte AWS-Plattform, die von vielen Unternehmen und Apps genutzt wird, erhöhte den Quartalsumsatz um 28 Prozent 12,7 Milliarden Dollar und blieb damit etwas unter den Erwartungen. Das Betriebsergebnis kletterte derweil um 37 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar, woran klar zu erkennen ist, was für ein attraktiver Gewinnbringer Amazons Cloud-Flaggschiff weiterhin ist.

(DPA/kle/chk)

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