Aktualisiert 30.05.2017 08:30

Brötchen inklusive Schnur

«Jemand von Burger King muss den Kopf hinhalten»

Das Bild eines Ekel-Burgers von Burger King gibt zu reden. Kommunikationsexperten sprechen von einem GAU für die Fast-Food-Kette. Das Unternehmen reagiert wortkarg.

von
vb
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So präsentierte sich die Unterseite des Burgers, die ein 20-Minuten-Leser in Biel essen wollte.

So präsentierte sich die Unterseite des Burgers, die ein 20-Minuten-Leser in Biel essen wollte.

Leser-Reporter
Auch dieser Burger - dieses Mal von McDonald's - sieht nicht gerade appetitlich aus. Ein 20-Minuten-Leser bekam seinen Burger in Vevey im Jahr 2014 mit grünem und blauem Schimmel serviert.

Auch dieser Burger - dieses Mal von McDonald's - sieht nicht gerade appetitlich aus. Ein 20-Minuten-Leser bekam seinen Burger in Vevey im Jahr 2014 mit grünem und blauem Schimmel serviert.

Schimmel ist noch nicht eklig genug? Dann nehmen Sie das: In Chile fand ein Mann im Jahr 2014 einen Mäuseschwanz in seinem Cheeseburger von McDonald's. Ein Foto davon gibts leider nicht. Das Fast-Food-Unternehmen musste dem Mann rund 2600 Euro Schadenersatz bezahlen. Im Bild: Ein fertig zubereiteter Cheeseburger in einer Schweizer Filiale.

Schimmel ist noch nicht eklig genug? Dann nehmen Sie das: In Chile fand ein Mann im Jahr 2014 einen Mäuseschwanz in seinem Cheeseburger von McDonald's. Ein Foto davon gibts leider nicht. Das Fast-Food-Unternehmen musste dem Mann rund 2600 Euro Schadenersatz bezahlen. Im Bild: Ein fertig zubereiteter Cheeseburger in einer Schweizer Filiale.

Keystone/Gaetan Bally

Ein schmieriger, grauer Fleck, aus dem etwas Undefinierbares herausquillt: So präsentierte sich die Unterseite des Brötchens eines Burger-King-Hamburgers in der Filiale am Bahnhof Biel. 20-Minuten-Leser Raphael Friederich hatte den Big King bestellt. Auch er kann nur raten, was genau vor ihm lag: «Es sah aus, als wären dreckige Schnüre und Karton im Brötchen verbacken worden.»

Fast einen ganzen Arbeitstag lang versuchte 20 Minuten, Burger King Schweiz zu einer Stellungnahme zu bewegen. Am späten Nachmittag teilte das Unternehmen schliesslich mit: «Burger King verpflichtet sich zu hohen Standards der Lebensmittelsicherheit. Wir haben unseren Lieferanten aufgefordert, eine Untersuchung durchzuführen.» Zudem würde Burger King auch beim selbstständigen Bieler Franchisenehmer nachhaken, damit die Standards eingehalten würden.

Auf der Facebook-Seite von Burger King Schweiz postete ein User das Bild des betroffenen Brötchens – inklusive Beschimpfung des Unternehmens. Der Post wurde vom Fast-Food-Riesen nicht kommentiert.

«Jemand sollte den Kopf hinhalten»

Burger King Schweiz wird von einer PR-Agentur in München vertreten. Im Fall eines Skandals wie dem Gammel-Brötchen aus Biel sei diese Strategie problematisch, sagt Krisenkommunikationsexperte Roger Huber zu 20 Minuten: «Burger King betreibt keine eigene Ländergesellschaft für die Schweiz – doch gerade bei Skandalen wäre es wichtig, dass sich jemand aus dem betroffenen Land hinstellt, sich entschuldigt und den Kopf hinhält.»

Das Bild des Burgers mit den herausquellenden Schnüren wurde in den vergangenen Tagen fleissig auf den sozialen Medien geteilt und kommentiert. Das hätte das Unternehmen innert kürzester Zeit merken müssen, so Huber. Für so etwas gebe es professionelle Instrumente, die quasi Alarm schlügen. «Spätestens dann hätte Burger King sich entschuldigen und eine Entschädigung anbieten müssen.»

«So etwas bedient die Vorurteile»

Reputationsexperte Bernhard Bauhofer spricht derweil von einem GAU für Burger King: «Ein Bild von einem ekligen Brötchen bedient genau das Vorurteil, das die Fast-Food-Ketten loszuwerden versuchen – nämlich das vom Junk Food.» Ein solcher Fall sei extrem schlecht für die Reputation eines Unternehmens: «Die Konsumenten sind heute sehr gesundheitsbewusst – einen solchen Fall speichern viele ab und werden Burger King meiden, wenn auch vielleicht nur für eine gewisse Zeit.» Auch Kommunikationsexperte Andreas Bantel warnt vor den finanziellen Folgen: «Solche Fälle auf die leichte Schulter zu nehmen, kann für ein Unternehmen teuer werden.»

Viele weitere Fälle

Internationale Fast-Food-Ketten machen immer wieder mit Skandalen von sich reden. Burger King war 2014 wegen Hygienemängeln eines grossen Franchisenehmers in der Bredouille. 89 Filialen in Deutschland mussten schliessen, der Ruf litt erheblich. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Forsa ergab damals: 36 Prozent der Befragten, die gelegentlich bei Burger King essen, wollten die Kette vorerst nicht mehr besuchen.

Über weitere eklige Funde in Fast-Food-Essen lesen Sie in der Bildstrecke – etwa über das frittierte Gschirrtüechli bei KFC.

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