Aktualisiert 27.12.2016 09:38

Weinfelden TG«Jemand wollte uns nach dem Brand bestehlen»

Nachdem das Haus der Familie Mente abgebrannt ist, spendet die halbe Gemeinde Geld und Güter. Doch offenbar machten sich Fremde in der Brandruine zu schaffen.

von
nab

Rund hundert Feuerwehrmänner standen am Donnerstagabend im Einsatz. Quelle: Leser-Reporter

«Mit solch einer Solidarität haben wir nicht gerechnet», sagt Michael Mente (40) , der älteste Sohn der Schuhmacherfamilie aus Weinfelden TG. Am Donnerstagabend schlugen meterhohe Flammen aus der Liegenschaft, in der die italienischstämmige Familie wohnte und arbeitete. Über 100 Feuerwehrmänner standen im Einsatz, trotzdem brannte das rund 200 Jahre alte Gebäude kurz vor Heiligabend komplett aus. Bereits während der Löscharbeiten war die Solidarität in der Gemeinde zu spüren, schreibt «Toponline». So wurden die Feuerwehrmänner gratis verpflegt.

Als sein Vater in der Werkstatt an einer Maschine arbeitete, sei diese plötzlich in Flammen gestanden, so der 40-Jährige. Warum, ist noch unklar. Anfänglich habe er den Brand selbst löschen wollen, dann aber schnell feststellen müssen, dass dies zwecklos war. Darauf habe sein Vater sich, seine Frau und die Enkel in Sicherheit gebracht. Gerade noch rechtzeitig: «Die Flammen frassen sich innert Minuten von der Werkstatt bis zum Dach», so Mente. «Von der Zahnbürste bis zur Kreditkarte – wir fangen bei null an.»

Improvisierte Weihnachten

Umso dankbarer seien er und seine Familie über die grosse Anteilnahme der Menschen. Nachdem er auf Facebook einen Aufruf gestartet hat, ist ein Spendenkonto eröffnet worden, und auch die Gemeinde hat zu Spenden aufgerufen. «Mein Telefon klingelte ununterbrochen», so Mente. Hunderte Anrufe habe er noch nicht einmal beantworten können.

Die Übersicht über die unzähligen Spenden habe er mittlerweile verloren. «Sogar Kinder beschenkten uns mit ihrem Weihnachts- oder Taschengeld», sagt Michael Mente gerührt. Neben Einladungen zum Essen, verschiedenen Gutscheinen und Möbeln sei ihnen auch ein Christbaum zur Verfügung gestellt worden. «So konnten wir bei mir zu Hause doch noch eine Weihnachtsfeier improvisieren.»

Auch wenn die Dankbarkeit bei weitem überwiege, zeigt sich Mente dennoch ein wenig verärgert. Als seine Familie am Montag in der Brandruine nach unbeschädigten Gegenständen suchte, hätte sie bemerkt, dass vorher jemand da war und ein Möbel aus dem obersten Stock runter getragen, dann jedoch stehen gelassen hatte. «Man wollte uns bestehlen», ist Mente sicher. Und fügt hinzu: «Denn die Feuerwehrmänner waren das ganz bestimmt nicht.» Ob weitere Gegenstände fehlen, könne er derzeit unmöglich sagen. Mente: «Uns fehlt die Übersicht.»

Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet

IBAN: CH97 8138 0000 0045 0790 3

lautend auf: Antonio Mente, Amriswilerstrasse 18, 8570 Weinfelden

Zahlungsweck: Brand Amriswilerstrasse 18

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