Petraeus vor Ort: Jemen im Fokus der USA und Grossbritannien
Aktualisiert

Petraeus vor OrtJemen im Fokus der USA und Grossbritannien

Die neue Anti-Terror-Front im Jemen ist in Bewegung. Präsident Barack Obama und Premierminister Gordon Brown haben vereinbart, eine Spezialeinheit zur Terrorabwehr der Regierung in Sanaa finanziell unterstützen. Derweil musste die US-Botschaft wegen Terrordrohungen schliessen.

Bild aus einem Video, das am 23. Januar 2009 von der «Al Kaida auf der arabischen Halbinsel» veröffentlicht wurde. Laut IntelCenter zeigt es die Führer der Organisation (von links): Abu Hurayrah Qasim al-Reemi, Said al-Shihri, Naser Abdel Karim al-Wahishi (alias Abu Basir) und Abu al-Hareth Muhammad al-Oufi. Letzter sass zuvor in Guantanamo ein, hat sich kürzlich im Jemen gestellt und wurde an Saudi Arabien ausgeliefert.

Bild aus einem Video, das am 23. Januar 2009 von der «Al Kaida auf der arabischen Halbinsel» veröffentlicht wurde. Laut IntelCenter zeigt es die Führer der Organisation (von links): Abu Hurayrah Qasim al-Reemi, Said al-Shihri, Naser Abdel Karim al-Wahishi (alias Abu Basir) und Abu al-Hareth Muhammad al-Oufi. Letzter sass zuvor in Guantanamo ein, hat sich kürzlich im Jemen gestellt und wurde an Saudi Arabien ausgeliefert.

Die gemeinsame Finanzhilfe sei mit dem Jemen abgesprochen, erklärte Browns Büro. In Washington äusserte sich ein hoher Regierungsbeamter zurückhaltend. Die Terrorabwehr der Polizei im Jemen werde schon jetzt finanziell unterstützt, hiess es im Weissen Haus. Die USA haben die Regierung in Sanaa im Rahmen des Anti-Terror-Programms im vergangenen Jahr mit 67 Millionen Dollar unterstützt. Grossbritannien will dem Jemen im Jahr 2011 nach Angaben der Sprecherin mehr als 100 Millionen Pfund (167 Millionen Franken) zur Verfügung stellen.

Die Organisation Al Kaida auf der arabischen Halbinsel hat sich zu dem versuchten Anschlag am ersten Weihnachtstag auf ein US-Passagierflugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit bekannt. Der aus Nigeria stammende Täter hielt sich im vergangenen Jahr im Jemen auf.

Er habe sich dort offenbar Al-Kaida-Terroristen angeschlossen, sagte Obama am Samstag. Diese hätten den 23-Jährigen ausgebildet, mit Sprengstoff ausgestattet und «angewiesen, das Flugzeug mit Ziel Amerika anzugreifen», sagte der Präsident in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Washington werde seine Zusammenarbeit mit dem Jemen verstärken und Terroristen zur Verantwortung ziehen, kündigte Obama an. Der Leiter des Nationalen Zentrums für Terrorabwehr in den USA, Michael Leiter, erklärte am Samstag, Terroristen planten weitere Anschläge auf amerikanischem Boden.

Brown schlug bereits am Freitag eine internationale Konferenz zur Lage im Jemen vor. Das Treffen könnte am 28. Januar am Rande der internationalen Afghanistan-Konferenz in London stattfinden. Dabei soll es auch um eine verstärkte Unterstützung der jemenitischen Küstenwacht für den Kampf gegen Piraten im Seegebiet zwischen der arabischen Halbinsel und Somalia gehen.

Topgeneral entsandt

Der für den Irak und Afghanistan zuständige US-General David Petraeus traf zuvor in Sanaa den jemenitischen Präsidenten Ali Abdallah Saleh und bekräftigte die Unterstützung seines Landes beim Anti-Terror-Kampf, wie die amtliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba am Samstag meldete.

Petraeus habe eine Botschaft von US-Präsident Barack Obama überbracht, in der es um die später offiziell gemachte Zusammenarbeit beider Länder im Kampf gegen Terrorismus und Piraterie ging. Petraeus habe dem Land auf der arabischen Halbinsel zu seinen «erfolgreichen Operationen» gegen das Terrornetzwerk Al Kaida gratuliert, meldete Saba.

Jemen macht Jagd auf Al Kaida

Wie aus jemenitischen Sicherheitskreisen verlautete, wurden zusätzliche Truppen in die östlichen Provinzen El Baida, Abian und Tschabwa entsandt, um dort gegen «Al-Kaida-Elemente» zu kämpfen. Nach Behördenangaben hatten jemenitische Truppen bei Razzien am 17. und 24. Dezember im Landesinneren und im Gebiet um die Hauptstadt mehr als 60 mutmassliche Al-Kaida-Mitglieder getötet.

Der regionale Zweig «Al Kaida auf der arabischen Halbinsel» gilt als die gefährlichste Gruppe des Netzwerks und hatte diese Woche erklärt, der Anschlagsversuch von Detroit sei die Antwort auf einen Angriff unter US-Beteiligung im Jemen gewesen. Dabei bezog sich die Gruppe offenbar auf den Angriff vom 17. Dezember.

Die USA und Saudi-Arabien befürchten, dass das Al-Kaida die derzeitige Instabilität des Jemen ausnutzen könnte. Nach offiziellen Angaben aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa halten sich bis zu 300 Al-Kaida- Kämpfer im Land auf.

Schiitische Rebellen zu Gesprächen bereit

«Wir begrüssen den Aufruf des Präsidenten der Republik, zu einem Dialog zurückzukehren und fassen ihn als richtigen Schritt auf hin zu Frieden und zur Rückkehr zu Sicherheit und Stabilität», hiess es in einer Erklärung von Abdul-Malik Al-Huthi, dem Stammesführer der im Norden des Landes ansässigen schiitischen Rebellen.

Den Rebellen begegne Aggression und sie verteidigten sich. Wenn der Krieg aufhöre, seien sie für einen Dialog bereit. Auf einen Kampf mit dem vornehmlich sunnitischen Nachbarn Saudi-Arabien seien sie nicht aus.

Jemens Präsident Ali Abullah Saleh hatte die Aufständischen in seiner Neujahrsansprache dazu aufgerufen, die Waffen niederzulegen, Gefangene zu entlassen und Angriffe auf das saudische Gebiet zu beenden.

(sda/dapd)

US-Botschaft geschlossen

Nach Terrordrohungen des Netzwerkes Al Kaida hat die US-Botschaft im Jemen ihre Pforten für Besucher geschlossen. Die Massnahme gelte zunächst nur für diesen Sonntag, teilte die Botschaft auf ihrer Webseite mit.

Als Grund wurden «Drohungen durch Al Kaida auf der arabischen Halbinsel gegen amerikanische Einrichtungen im Jemen» angegeben. Wann die Botschaft wieder geöffnet wird, war zunächst unklar. (sda)

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