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Jemen will nicht mehr verhandeln

Die jemenitische Regierung hat Verhandlungen mit den Geiselnehmern von fünf Italienern abgelehnt. Stattdessen schickt sie weitere Truppen in den Norden des Landes, wo die Italiener am Sonntag verschleppt wurden.

Dies kündigte der jemenitische Ministerpräsident Abdul Kader Badschammal an.

Die italienische Botschaft im Jemen gehe aber davon aus, dass die Entführten «bei guter Gesundheit sind und würdig behandelt werden», hiess es in einer Erklärung des Aussenministeriums in Rom. Aussenminister Gianfranco Fini habe die Botschaft in ihren Bemühungen ermutigt, gemeinsam mit einheimischen Behörden eine schnelle und gute Lösung zu bewirken. Die jemenitischen Behörden kämen einer friedlichen Lösung näher, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA den italienischen Botschafter Mario Boffo. Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi forderte die Freilassung der Geiseln. «Wir hoffen mit ganzem Herzen, dass sie bald frei kommen», sagte er.

Die drei Frauen unter den Geiseln sollten am Sonntagabend freigelassen werden, nachdem ein Regierungsunterhändler die Ältesten des Al-Sajdi-Stammes davon überzeugt hatte, dass die Entführung von Frauen gegen Stammeswerte verstosse. Die Frauen lehnten es jedoch ab zu gehen und forderten, dass zugleich auch ihre beiden männlichen Begleiter auf freien Fuss gesetzt würden, wie am Montag aus Stammes- und Regierungskreisen verlautete. Nach Angaben des italienischen Aussenministeriums waren die Geiseln in einer Gruppe von 16 Touristen unterwegs.

Die Entführer - bewaffnete Mitglieder des Al-Sajdi-Stammes - warnten die Sicherheitskräfte davor, sich ihrem Versteck in den Sirwah-Bergen weiter zu nähern. Solche Schritte gefährdeten das Leben der Geiseln, erklärten Stammesmitglieder, die mit den Entführern in Kontakt standen. Regierungstruppen hatten die beiden wichtigsten Zugänge zu der Region am Sonntag abgeriegelt. Sie liegt etwa 120 Kilometer nordöstlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.

Die Entführer forderten die Freilassung von acht Stammesmitgliedern, von denen einer vom Jemen an die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeliefert wurde. Ihm droht eine Anklage wegen Mordes. Ministerpräsident Badschammal sagte vor Journalisten, seine Regierung lehne jegliche Verhandlungen mit den Kidnappern ab. Er habe den Entführern eine «ernste Warnung» zukommen lassen. Der Stamm müsse versuchen, die Freilassung seiner inhaftierten Mitglieder mit juristischen Mitteln zu erreichen.

Es war die zweite Entführung ausländischer Touristen binnen einer Woche. Erst am Samstag waren der frühere Aussenstaatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie nach dreitägiger Geiselhaft wieder freigekommen. Die Entführer hatten die Freilassung von fünf Mitgliedern ihres Stammes verlangt, die wegen der Tötung zweier Angehöriger eines verfeindeten Stammes vor Gericht stehen.

Der jemenitische Staatspräsident Ali Abdullah Saleh wies seine Sicherheitskräfte am Sonntag an, die Entführer der Familie Chrobog festzunehmen. Entführungen sollten künftig genauso bekämpft werden wie der Terrorismus, sagte er. Die Deutschen waren in der Provinz Schabwa im Osten Jemens entführt worden. (dapd)

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