Im Oberaargau: Jenische bekommen einen neuen Standplatz

Aktualisiert

Im OberaargauJenische bekommen einen neuen Standplatz

Schweizer Jenische können ab September einen Platz in der Gemeinde Rohrbach nutzen. Sie dürfen drei Monate bleiben und maximal 20 Wohnwagen abstellen.

Joseph Ostertag dreht eine Runde mit Sohn Curtis im Mai 2014, auf dem Berner Schermenareal. Die Jenischen hatten zuvor für mehr Standplätze in Bern und Nidau demonstriert.

Joseph Ostertag dreht eine Runde mit Sohn Curtis im Mai 2014, auf dem Berner Schermenareal. Die Jenischen hatten zuvor für mehr Standplätze in Bern und Nidau demonstriert.

Das 3000 Quadratmeter grosse Gelände befindet sich auf dem Areal der alten Sagi in der Gemeinde Rohrbach und ist derzeit unbenutzt, wie das Regierungsstatthalteramt Oberaargau am Donnerstag mitteilte. Ab Mitte 2015 ist auf dem Gelände der Baustart für eine Kletterhalle geplant. Die Grundeigentümerin, die Pneu Bösiger AG, stellt dem Kanton und der Gemeinde das Grundstück unentgeltlich bereit, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Pro Tag und Wohneinheit erhebt die Gemeinde eine Miete von 15 Franken.

Nur für Schweizer Jenische

Die Benutzung des Geländes steht ausschliesslich Schweizer Jenischen zur Verfügung und ist im Voraus bei der Gemeindeverwaltung anzumelden, wie das Statthalteramt festhält. Andere Gruppen von Fahrenden erhalten keinen Zutritt zum Areal. Die Einwohnergemeinde Rohrbach und die Grundeigentümerin hätten mit ihrem Engagement den Jenischen und dem Kanton Bern einen grossen Dienst erwiesen, heisst es in der Mitteilung. Alle Beteiligten hofften, dass der provisorische Durchgangsplatz für positive Schlagzeilen sorge und mithelfe, Vorurteile gegen die Schweizer Fahrenden abzubauen.

Mehr Zeit für die Suche

Mit dem Angebot in Rohrbach verschaffe man dem Kanton mehr Zeit für die Suche nach dauernden Stand- und Durchgangsplätzen. Der Kanton habe den Schweizer Fahrenden zugesichert, den Mangel an solchen Plätzen zu beheben und bis Ende August mögliche provisorische Standorte zu suchen. Die Gemeinden seien aufgerufen worden, an der Lösungssuche mitzuhelfen. Weitere Informationen zu provisorischen Durchgangsplätzen im ganzen Kanton Bern sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Hierzu liefen noch Abklärungen oder stünden Entscheide in den Gemeinden an, schreibt das Statthalteramt.

Fahrende in Nidau

Ende April hatte eine grössere Gruppe Jenischer auf der Kleinen Allmend in Bern ein Protestcamp eingerichtet, um gegen fehlende Stand- und Durchgangsplätze im Kanton Bern und in der gesamten Schweiz zu protestieren. Etwas später stellten die Städte Bern und Biel den Jenischen bis Ende August je ein Gelände zur Verfügung.

(sda)

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