Aktualisiert 30.10.2016 18:00

BernJenische Kinder sollen mit Gratis-Laptops büffeln

Nicht alle Kinder von Sinti und Jenischen halten die Schulpflicht ein. Dies will Bern jetzt mit Gratis-Computern und Bussen-Androhung ändern.

von
sul
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Nicht alle jenischen Kinder halten die Schulpflicht ein, was oft zu Konflikten führt. Bundesrat und Politik sind sich jedoch einig, dass Jenische ihre fahrende Lebensweise erhalten und ihre Kinder von alternativen Unterrichtsformen profitieren können.

Nicht alle jenischen Kinder halten die Schulpflicht ein, was oft zu Konflikten führt. Bundesrat und Politik sind sich jedoch einig, dass Jenische ihre fahrende Lebensweise erhalten und ihre Kinder von alternativen Unterrichtsformen profitieren können.

Keystone/Ennio Leanza
Dass sich manche Eltern vor der Verpflichtung drücken, will die Stadt Bern jetzt mit Gratis-Computern und Bussen-Androhung ändern. Hier im Bild Bewohner vom Standplatz im Buech.

Dass sich manche Eltern vor der Verpflichtung drücken, will die Stadt Bern jetzt mit Gratis-Computern und Bussen-Androhung ändern. Hier im Bild Bewohner vom Standplatz im Buech.

Google Streetview
Die Bewohner im Buech sollen so von der Stadt Bern animiert werden, dass ihre Kinder den nötigen Schulunterricht erhalten.

Die Bewohner im Buech sollen so von der Stadt Bern animiert werden, dass ihre Kinder den nötigen Schulunterricht erhalten.

Google Streetview

Vor über einem Jahr beschlossen die Stadtberner Schulen, auf Bussen zu verzichten, wenn Jenische und Sinti ihre Kinder nicht in die Schule schickten. Gemäss der Berner Schulamtsleiterin Irene Hänsenberger wollte man damit Vertrauen signalisieren.

Allerdings mussten die Behörden feststellen, dass einige Familien die fehlende Verbindlichkeit ausnutzten. Hänsenberger zieht deshalb nun die Konsequenzen: «Wir haben uns entschieden, wieder Bussen einzusetzen», sagte sie zur «SonntagsZeitung». Sie werde die Schulkommission entsprechend instruieren.

Gratis-Laptops mit Lernprogrammen

Doch nicht nur Bussenandrohungen sollen die Situation verbessern: Kinder und Jugendliche vom Standplatz Buech westlich des Einkaufszentrums Westside sollen Gratis-Laptops mit Lernprogrammen erhalten. Das Schulamt werde ausserdem dafür sorgen, dass den Familien ein funktionierendes Internet zur Verfügung steht, sagt Hänsenberger: «Damit erhoffen wir uns, dass die Aufgabenblätter öfter zurückgeschickt werden als bisher.»

Mit den Laptops will Bern die Jenischen dazu anregen, in der Schulfrage zu kooperieren. Denn nicht alle erhalten ein Gratis-Gerät: «Wir werden nur den Familien Laptops geben, die wirklich mitmachen», so Hänsenberger. Das neue Lernkonzept ist auf den kommenden Sommer geplant.

Fahrende Lebensweise beibehalten

Jenische sind seit 1998 in der Schweiz als nationale Minderheit anerkannt. Dass nicht alle Kinder die Schulpflicht einhalten, führt immer wieder zu Konflikten. Bundesrat und Politik sind sich jedoch einig, dass Jenische ihre fahrende Lebensweise erhalten und ihre Kinder von alternativen Unterrichtsformen profitieren können.

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