Prozess um Jasmina (1): «Jessica T. log eiskalt und kalkulierend»
Aktualisiert

Prozess um Jasmina (1)«Jessica T. log eiskalt und kalkulierend»

Jasmina (1) wurde im August 2015 tot im Keller ihres Wohnhauses aufgefunden. Die Eltern müssen sich seit Dienstag wegen vorsätzlicher Tötung vor Gericht verantworten.

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taw
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Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Die Polizei entdeckte die Leiche von Jasmina (1) am 4. August 2015 im Keller eines Hauses in Staad SG.

Im Februar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft St. Gallen Anklage gegen die Eltern Jessica T. und Hanspeter H.

Im Februar 2018 erhob die Staatsanwaltschaft St. Gallen Anklage gegen die Eltern Jessica T. und Hanspeter H.

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In diesem Haus in Staad ereignete sich das Drama.

In diesem Haus in Staad ereignete sich das Drama.

20 Minuten/rar

Die 13-seitige Anklageschrift liest sich nur schwer. Sie lässt erahnen, durch welche Hölle die kleine Jasmina gehen musste. Ihre Qualen gipfelten schliesslich in ihrem Tod. Das Mädchen wurde nur knapp zwei Jahre alt. Am 4. August 2015 wurde sie tot im Keller eines Einfamilienhauses in Staad SG gefunden. Ihre Eltern, die heute 35-jährige Jessica T.* und der 55-jährige Hanspeter H.*, wohnen noch heute dort.

Ab Dienstag müssen sich die beiden wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht, Störung des Totenfriedens und mehrfacher Übertretung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetzes vor dem Kreisgericht Rorschach verantworten. Die Verhandlung findet im Grossen Saal des Kantonsgerichts statt. Der Mutter drohen zehneinhalb Jahre Haft, dem Vater acht Jahre. Hinzu kommen unbedingte Geldstrafen.

Ein Leben für Drogen

Laut Anklage konsumierten die beiden schon seit etwa 2012 bis zu ihrer Verhaftung Anfang August 2015 regelmässig Kokain. Auch als Töchterchen Jasmina 2013 zur Welt kam, änderte sich an ihrem fast täglichen Konsum nichts. Jessica T. schnupfte auch während der Schwangerschaft und später, obwohl sie stillte. Als Hanspeter H. Ende 2014 arbeitslos wurde, habe sich sein Konsum sogar noch gesteigert. «Das Leben der Beschuldigten drehte sich auch nach der Geburt von Jasmina vorwiegend um den Konsum harter Drogen», heisst es in der Anklageschrift.

H. konnte und wollte gemäss Staatsanwaltschaft nichts zur Kinderbetreuung beitragen. Er habe seine Vaterrolle erst später erfüllen wollen, nachdem sie zu laufen oder reden begonnen hätte. Doch so weit kam es nicht. Beide waren derart mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt, dass sie nicht auf die Bedürfnisse der gemeinsamen Tochter eingingen.

Sechs Tage nach Tod in Koffer gepackt

Unter anderem liessen sie das Kleinkind nach der Geburt immer wieder allein und über längere Zeit in seinem Kinderzimmer im Dachgeschoss zurück, so die Anklage. Sie sei nicht altersgerecht verpflegt worden, die Hygiene wurde vernachlässigt und sie wurde von Drittpersonen abgeschottet. Seit der Geburt wurde Jasmina auch nie mehr zu einem Arzt gebracht.

Gemäss Staatsanwaltschaft starb Jasmina am 3. Juli 2015 im Alter von 23 Monaten. An jenem Tag liessen die Eltern Jasmina trotz 33 Grad Aussentemperatur mehrere Stunden allein im Dachgeschoss liegen. Als die Mutter zurückkam, fand sie den leblosen Körper vor. «Im Ausschlussverfahren muss davon ausgegangen werden, dass sie verdurstet, verhungert oder vergessen gegangen ist», so die Anklage.

Die Leiche blieb dann einige Tage im Kinderzimmer liegen, wo sie rasch verweste und sogar teilweise mumifiziert wurde. Jessica T. habe den stark verwesten und von Maden befallenen Körper mutmasslich etwa sechs Tage nach dem Tod in einen Rollkoffer gepackt. Diesen stellte sie in den Keller. Dort blieb der Leichnam, bis er anlässlich der Hausdurchsuchung am 4. August 2015 gefunden wurde.

Die Vernachlässigung und der Rückstand in der Entwicklung zeige sich auch darin, dass ihr Körper dem eines eineinhalbjährigen Kindes entsprochen habe.

* Namen der Redaktion bekannt

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