Kirche mal anders: Jesuitenpater organisiert Sexkurs
Aktualisiert

Kirche mal andersJesuitenpater organisiert Sexkurs

Ab Mai findet in Menzingen ein «Sexualkurs» für Paare statt – organisiert vom Jesuitenpater Christian Rutishauser. Nicht alle halten dies für eine gute Idee.

von
Simona Marty
Im Lassalle-Haus werden «Sexkurse» für Paare angeboten.

Im Lassalle-Haus werden «Sexkurse» für Paare angeboten.

Mit Referaten, Gesprächen und Yogaübungen sollen Paare

im Lassalle-Haus in Menzingen ZG einen neuen Zugang zur ­Sexualität lernen. Im Kurs gehe es darum, Wege aufzu­zeigen, die «über den üblichen Viertelstundensex hinausgehen», sagt Kursleiter und Theologe Eugen Bütler gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» (siehe Interview).

Das Gelernte kann vor Ort dann auch gleich in die Praxis umgesetzt werden: «Während des Kurses geben wir den Paaren Zeit, sich in ihre Zimmer zurückzuziehen. Wozu sie das Gehörte ­inspiriert, ist ihnen überlassen», sagt Christian Rutishauser, Bildungsleiter Lassalle-Haus und Jesuitenpater. Klar sei er sich aber bewusst, dass das Angebot für einen Kirchen­vertreter aussergewöhnlich sei und er damit Neuland betrete. «Ich habe deswegen auch schon einige kritische Reaktionen erhalten.»

Geschlechtsakt ausschliesslich in der Ehe?

Was das Bistum Basel oder die Jesuiten Schweiz vom Kurs halten, wollten sie gegenüber 20 Minuten gestern nicht sagen. Allzu erfreut dürften ­einige Kirchenvertreter vermutlich aber nicht sein – so steht doch im Katechismus, dass der Geschlechtsakt «ausschliesslich in der Ehe statt­finden darf. Ausserhalb der Ehe ist er stets eine schwere Sünde.»

Der Kurs im Lassalle-Haus ist aber allgemein für alle

Paare ausgeschrieben. Rutishauser meint dazu: «Die Kirche sollte nicht so verkrampft sein, wenn es ums Thema ­Sexualität geht.» Christian Breitschmid, Informationsbeauftragter des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus, pflichtet dem bei: «Das ist ein Zeichen, dass die katholische Kirche nicht so verstaubt ist, wie viele denken.»

WAS LERNEN DIE TEILNEHMER?

Herr Bütler*, was lernen die Teilnehmer im Kurs?

Eugen Bütler: Paare sollen nicht einfach nur zielgerichtet auf den möglichst schnellen Lustgewinn fokussieren. Da kommt die Beziehungsebene zu kurz. Wenn sich Paare Zeit für sinnliches Zusammensein nehmen, entsteht eine tiefere Verbundenheit.

Wie bringen Sie das den Teilnehmern bei?

Die Paare lernen zum Beispiel, einfach den nackten Körper ihres Partners zu bestaunen, zu betasten. Sie haben auch während des Kurses viermal zwei Stunden Zeit, die sie gemeinsam gestalten.

Aus katholischer Sicht überschreiten Sie damit Grenzen ...

Das kann man so nicht sagen. Es ist zwar schon ein wenig Pionierarbeit, aber grundsätzlich hat die Kirche ein Interesse, den Paaren zu einer erfüllteren Sexualität zu verhelfen.

*Eugen Bütler ist Theologe und Sexologe.

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