Christen contra Halloween: Jesus oder Saures!

Aktualisiert

Christen contra HalloweenJesus oder Saures!

Vor Halloween am 31. Oktober rufen US-Christen dazu auf, das Fest in JesusWeen umzutaufen. Jedes Jahr dieselbe Bescherung, ärgert sich Internet-Internist Philipp Dahm.

Den Fans von Halloween steht ein ganz besonders schwerer Gang nach Canossa bevor, wenn es nach ganz besonders frommen Christen geht: Einige amerikanische Schäfchen Gottes blöken protestierend ob des beliebten, aber bösartigen Festes, bei dem verkleidete Kinder durch ihre Nachbarschaft geistern und «Süsses oder saures» fordern. Ein Übel ist der Feiertag in den Augen jener Gerechten nicht etwa egen der schrecklichen Kinderkostüme, sondern weil Halloween auf heidnische Traditionen zurückgeht. Pfui Teufel!

Bibel statt Bonbon

Wenn die Initianten Erfolg haben sollten, wissen sie auch schon, wie sie Kindertränen vermeiden. Die Kleinen sollen nämlich nicht leer ausgehen: An JesusWeen wird zukünftig die Seele gerettet statt den Zähnen geschadet. «Verschenkt eine Bibel oder christliche Bücher», predigen die Gläubigen Gleichgesinnten, um aus Halloween einen «Welt-Evangelismus-Tag» zu machen. «Insbesondere wenn jemand an die Tür klopft und Bonbons erwartet, fordern wir auf, eine Hosentaschen-Bibel, christliche Musicals oder Bildungs-CDs, Abhandlungen, Gedichte etceterea zu geben.»

Nun steht zwar in der Bibel «Geben ist seliger denn nehmen», aber ob sich die Jugend über Johannes-, Jeremias- und Judas-Geschichten mehr freut als über Naschwerk, darf getrost bezweifelt werden. Daran wird auch die himmlische Kleiderordnung nichts ändern, die den Jesus-Jünger auferlegt wird. «Es wird erwartet, dass jeder Christ ein weisses Oberteil trägt, das die Rechtschaffenheit und Liebe Gottes für alle Menschen symbolisiert», ist auf der Website «JesusWeen.com» nachzulesen.

Forderung nach Halloween-Vermummungsverbot

Ein weiterer Grund für die Maskerade sind die schlimmen Verbrechen, die im Namen Halloweens begangen wurden. «Viele wurden ausgeraubt oder sexuell belästigt, weil Halloween den Tätern die Gelegenheit bietet, maskiert in die Häuser der Leute zu kommen. Neben anderen Dingen wurden Banken ausgeraubt.» Und damit nicht genug: «Es ist an jedem anderen Tag nicht okay, eine Maske zu tragen. Warum sollte es am 31. Oktober erlaubt sein?»

Da haben die Abendmahl-Zecher aber die Rechnung ohne den heiligen Wirt gemacht. Wer ein Vermummungsverbot an Halloween durchsetzen will, muss konsequenterweise auch den Weihnachtsmann feuern, damit der sich nicht mehr hinter seinem weissen Rauschebart und seinem Kapuzenpulli versteckt am heiligen Abend heimlich in die Häuser der Leute schleicht. Mal abgesehen von der zweifelhaften Herkunft des Geschenke-Lieferanten: Wer glaubt, dass im Jerusalem im Jahre Null die Menschen daran geglaubt haben, ein Mann vom Nordpol bringe ihnen mit Rentieren schöne Dinge, der glaubt auch noch an den Osterhasen.

Der heilige Geist des Osterhasen

Apropos: Was hat eigentlich der Osterhase mit seinen Hühnereiern mit Ostern zu tun? Traditionell verspeisen wir an jenem Feiertag das Lamm Gottes, während Hase und Ei offenbar aus der germanischen Vorzeit importiert wurden, wo sie Fruchtbarkeit zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche standen. Oder nehmen Sie nur die Wochentage, von denen nur zwei christianisiert wurden: Mittwoch und Samstag. Bei den restlichen fünf Tagen kommen die römisch-griechischen oder gar die germanischen Bezeichnungen zum Zuge, die sich an den Gestirnen orientieren.

Früher begann die Woche mit dem Sonntag, dem Tag der Sonne. Es folgten der Tag des Mondes und der Tag des Mars. Der römische Kriegsgott entsprach übrigens dem germanischen Gott Tyr, woher sich der englische Begriff Tuesday ableitet. Der Mittwoch war früher Tag des Merkur, dessen germanische Pendant Wodan für das Wort Wednesday verantwortlich ist. Tag fünf war der von Jupiter, der bei den Germanen Thor entsprach. Im Englischen wurde daraus Thursday, während die Deutschen wegen des germanischen Wortes «Donar» Donnerstag nahmen. Tag sechs gehörte der Venus alias Germanen-Freya, die uns den Freitag bescherte. Dass der Samstag mal Saturn gehörte, hören die Briten heute noch beim Wort «Saturday».

Erstmal an den eigenen Schniedel fassen!

Nicht zuletzt sorgt die christliche «Oktober-Revolution» auch für Lacher. «Wiener» heissen in der USA Würstchen, aber so wird verniedlichend auch der Penis genannt. «Ween» ist eine Kurzform dieses Wortes: Würden Sie ein fest feiern wollen, das «Jesus-Schniedel» heisst? Eben! Und wenn die Kreuzzügler Halloween erobern sollten, müssten sie fairerweise im Anschluss einen Gefangenenaustausch mit dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen machen. Dann wird Weihnachten zum heilig-ween Abend und die Eier suchen wir dann unter dem Osterween. Amen!

«Good News»:Ein Video der Seite ‹JesusWeen.com›. Quelle: YouTube

Philipp Dahm ist der zwanghafteste Surfer an den Stränden von Absurdistan. Was er hier schreibt, ist nicht einfach seine persönliche Meinung, sondern ganz und gar seine persönliche Erfahrung: Die Welt spinnt! Dem Wahnsinn begegnet? Mail an dahmspiegelung@20minuten.ch

Deine Meinung