Syrien: Jesus-Statue bringt die Waffen zum Schweigen
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SyrienJesus-Statue bringt die Waffen zum Schweigen

In Syrien haben Angehörige der christlichen Minderheit eine 12 Meter hohe Jesus-Statue errichtet. Die Konfliktparteien liessen sie gewähren – und für einmal sogar die Waffen schweigen.

von
kri

Inmitten der allgegenwärtigen Gewalt des Bürgerkriegs ist in Syrien eine gewaltige Jesus-Statue errichtet worden. Mit ausgestreckten Armen steht sie auf dem Berg Cherubim mit Blick auf einen alten Pfad, auf dem Gläubige früher von Konstantinopel (das heutige Istanbul) nach Jerusalem pilgerten. Sie ist 12,3 Meter hoch, auf dem Sockel erreicht sie 32 Meter. In der Nähe liegt die Stadt Saidnaya mit seinem berühmten Liebfrauenkloster, einem der ältesten der Welt.

Dass die Bronzestatue sicher nach Syrien gelangte und Mitte Oktober ohne Zwischenfälle mit Traktoren und einem Kran aufgerichtet werden konnte, grenzt an ein Wunder. In der Gegend 30 Kilometer nördlich von Damaskus kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen, Rebellen und christlichen Milizen. Für das ungewöhnliche Projekt einigten sich die Konfliktparteien offenbar auf einen Waffenstillstand.

«Jesus hätte es gewagt»

Laut AP handelt es sich um ein langjähriges Projekt mit dem Namen «Ich bin gekommen, um die Welt zu retten» der St. Paul and St. George Foundation aus London. Es wurde 2005 ins Leben gerufen und ist durch das Monument Cristo Redentor in Rio de Janeiro inspiriert, erklärte Projektleiter Samir al-Ghadban, ein russich-syrischer Doppelbürger. Die orthodoxen Kirchen Syriens und Russlands pflegen enge Verbindungen.

Eigentlich hätte die Statue bereits 2012 nach ihrer Fertigstellung in Armenien nach Syrien gelangen sollen. Der wichtigste Geldgeber, der russische Geschäftsmann Yuri Gawrilow, erwog vor dem Hintergrund des blutigen Bürgerkriegs, das Projekt abzublasen. Zusammen mit Al-Ghadban suchte er Rat bei Patriarch Johannes X. Yazigi, dem geistlichen Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Antiochia: «Jesus hätte es gewagt», soll dieser geantwortet haben.

Inzwischen steht die Statue. «Es ist ein Wunder, mit dem niemand gerechnet hat», sagte al-Ghadban. Gönner Gawrilow blieb der Moment verwehrt, er verstarb im August 49-jährig an einem Herzinfarkt.

Wie lange bleibt sie stehen?

Die Frage ist, wie lange die Statue stehenbleiben wird. Die Christen, die rund 10 Prozent der syrischen Bevölkerung ausmachen, verhalten sich im Bürgerkrieg neutral oder schlagen sich auf die Seite der Regierungstruppen von Baschar Assad. Dies aus Angst vor radikal-islamistischen Elementen in den Reihen der Rebellen, die wiederholt Kirchen verwüstet und Geistliche entführt haben.

Standort der Statue auf dem Berg Cherubim:

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