12.11.2019 11:30

Kein CO2Jetten wir bald ohne Flugscham um die Welt?

Airlines tüfteln am Fliegen ohne Klimaschaden. Auch die Swiss will nachhaltiger werden. Doch: Der neue Treibstoff ist noch zu teuer.

von
B. Scherer
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Fliegen ist in Verruf geraten. Doch was, wenn wir wieder ohne Flugscham in die Ferien könnten?

Fliegen ist in Verruf geraten. Doch was, wenn wir wieder ohne Flugscham in die Ferien könnten?

Ulrich Baumgarten
Hoffnung dazu gibt die australische Fluggesellschaft Qantas: Sie will ihren CO2-Ausstoss bis 2050 auf null reduzieren.

Hoffnung dazu gibt die australische Fluggesellschaft Qantas: Sie will ihren CO2-Ausstoss bis 2050 auf null reduzieren.

AP/Rick Rycroft
Die Fluggesellschaft tut dies aus Überzeugung, wie Qantas-Chef Alan Joyce erklärt.

Die Fluggesellschaft tut dies aus Überzeugung, wie Qantas-Chef Alan Joyce erklärt.

Dean Lewins

In Zeiten von Klimadebatten und -demonstrationen ist das Fliegen in Verruf geraten. Viele würden aber gern ohne Flugscham um die Welt jetten. Hoffnung dazu gibt die Meldung der australischen Fluggesellschaft Qantas: Sie will bis 2050 ihren CO2-Austoss auf null reduzieren. Bereits ist ein Flugzeug der Airline von Los Angeles nach Melbourne geflogen – mit Senfsamen-Biokraftstoff.

Auch die Swiss möchte in Zukunft ihren CO2-Ausstoss reduzieren. und vermehrt auf alternative Treibstoffe setzen. Das Problem: «Diese sind nicht in ausreichenden Mengen verfügbar», wie Swiss-Mediensprecher Florian Flämig erklärt. Es fehle an stabilen Produktionsketten.

Dreimal so teuer

Alternative Biotreibstoffe seien zudem dreimal so teuer wie konventionelles Kerosin. Deshalb investiert die Swiss vorerst 8 Milliarden Franken in effizientere Flugzeuge. So soll beispielsweise die Boeing 777 in Zukunft pro Sitzplatz rund 20 Prozent weniger CO2 ausstossen. «In der Summe hat die Swiss die CO2-Emissionen pro 100 Passagierkilometer in den letzten zehn Jahren um fast 30 Prozent gesenkt», so Sprecher Flämig.

Biotreibstoffe wie Senfsamen sind laut dem Fahrzeugantriebsexperten Christian Bach von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa aber nicht die Zukunft des Flugverkehrs. «Die Herstellung der Biotreibstoffe verbraucht zu viel Wasser, und oft werden viele Pestizide verwendet oder die Pflanzen werden genetisch manipuliert», so Bach. Nur Biotreibstoffe aus Abfallrohstoffen wären emissionsarm und akzeptabel.

Treibstoff aus Strom, Wasserstoff und CO2

Auch Fotovoltaikanlagen und Elektromotoren seien nicht die Lösung für ein nachhaltiges Fliegen. Der Energieverbrauch sei für lange Flüge zu hoch. Lediglich kleinere Flugzeuge, die kurz fliegen, könnten in Zukunft vielleicht mit Batterien fliegen.

Die Lösung: synthetischer Treibstoff. «Aus Strom, Wasser und CO2 wird ein kerosinähnlicher Treibstoff hergestellt.» Nur: Dieser kostet im Moment noch fast zehnmal so viel wie herkömmlicher Treibstoff. «Studien zeigen aber, die Preise für synthetische Energieträger entwickeln sich so, dass es längerfristig nur noch doppelt so teuer sein wird», sagt Bach.

Bis das künstliche Kerosin im grossen Stil hergestellt werden kann, dauert es mindestens noch zehn Jahre. Weitere zwanzig Jahre werde dann die Umstellung auf den neuen Treibstoff dauern.

Bach ist aber überzeugt, dass der synthetische Treibstoff kommen wird: «Wir brauchen Alternativen zum Kerosin.» Bald seien die CO2-Emissionen der Flugzeuge in der Schweiz gleich hoch wie diejenige der Autos. Deshalb sei es an der Politik, dem Flugverkehr keine andere Wahl zu lassen, als auf erneuerbare synthetische Treibstoffe umzusteigen.

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