Kostenexplosion: Jetzt sind Ferien mit dem Flugzeug 65 Prozent teurer
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KostenexplosionJetzt sind Ferien mit dem Flugzeug 65 Prozent teurer

Die Flugpreise sind seit Januar massiv nach oben geschnellt. Wie kommt man trotzdem noch an günstige Flüge für die Sommerferien? Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

von
Marcel Urech
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Wer in den Sommerferien mit dem Flugzeug verreist, muss dieses Jahr besonders tief in die Taschen greifen.

Wer in den Sommerferien mit dem Flugzeug verreist, muss dieses Jahr besonders tief in die Taschen greifen.

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Denn wer Sonne, Strand und Meer will, muss dafür hohe Flugpreise zahlen.

Denn wer Sonne, Strand und Meer will, muss dafür hohe Flugpreise zahlen.

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Die Swiss sagt, dass sie die Preise weltweit erhöht habe. Aufgrund der Entwicklung der Rohölpreise seien weitere Anpassungen wahrscheinlich.

Die Swiss sagt, dass sie die Preise weltweit erhöht habe. Aufgrund der Entwicklung der Rohölpreise seien weitere Anpassungen wahrscheinlich.

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Darum gehts

  • Bald sind Sommerferien – doch ausgerechnet jetzt ist das Fliegen sehr teuer.

  • Die Gründe dafür sind nicht bloss der Ukraine-Krieg und die hohen Ölpreise.

  • Auch die knappe Personaldecke und der hohe Erfolgsdruck der Airlines verteuern die Preise.

  • Preislich attraktive Sommerferien seien aber nach wie vor möglich, sagt ein Reiseanbieter.

Sonne, Strand, Meer – das suchen viele Schweizerinnen und Schweizer in ihren Sommerferien. Dieses Jahr tut das im Portemonnaie aber besonders weh: Denn das Fliegen hat sich ab Zürich, Genf und Basel in den ersten vier Monaten des Jahres um rund 65 Prozent verteuert, wie der Landesindex der Konsumentenpreise zeigt.

Um das zu messen, erfasst das Bundesamt für Statistik jeden Monat die Preise für 34 Flugverbindungen aus der Schweiz, unter anderem die Strecken Zürich–Dubai, Basel–Palma de Mallorca und Genf–Lissabon. Das musst du wissen, wenn du dieses Jahr mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen willst.

Warum hat sich das Fliegen so stark verteuert?

Der Aufschlag erklärt sich laut Hansjörg Bürgi mit dem Ölpreis, der seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark gestiegen ist. «Zudem leiden alle Airlines unter massiven Kapazitätsproblemen, sie haben zu wenig Flugzeuge und Personal, um die Nachfrage zu befriedigen», sagt der Chefredaktor von Skynews.ch zur Redaktion.

Globetrotter sagt auf Anfrage, dass die Flugpreise von vielen Faktoren abhängig seien und sich fast stündlich ändern. Swiss teilt mit, dass sie durch Angebot und Nachfrage bestimmt seien. Es gebe kaum eine andere Branche, in der die Dynamik des Marktes und der Wettbewerb so schnell auf die Preise durchschlage.

Plus 65 Prozent seit Januar – machen die Airlines nun richtig Kasse?

Das ist umstritten. Das Bundesamt für Statistik teilt mit, dass die Preise auch «saisonbedingt» rauf gingen, weil die Nachfrage vor den Sommerferien immer steige. Auch das Abflauen der Pandemie habe diesen Effekt, sagt Tourismus-Professor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern. Die Aufschläge hätten aber auch damit zu tun, dass die Branche nun wieder gesunden und das auch über höhere Ticketpreise erreichen müsse.

Bürgi von Skynews ergänzt, dass die Fluggesellschaften endlich wieder Geld verdienen müssten, um ihre Corona-Kredite zurückzahlen und in nachhaltigeres Fliegen zu investieren. Die Swiss sagt, dass sie die Preise weltweit erhöht habe. Aufgrund der Entwicklung der Rohölpreise seien weitere Anpassungen wahrscheinlich.

Warum gibt es nun weniger Flüge als vor der Pandemie?

Die Airlines hätten während der Pandemie ihre Flugfrequenzen runtergeschraubt und seien nun dabei, sie wieder aufzustocken, sagt Wagenseil. Es gebe darum per heute weniger Direktverbindungen als vor der Pandemie.

Die Swiss-Mutter Lufthansa habe sogar angekündigt, dass sie ihre Flotte im Zuge der Pandemie grundsätzlich verkleinere. Es fehle zudem das Personal, das die Fluggesellschaften in der Corona-Zeit entlassen haben. Die Swiss habe deswegen auch schon Flüge annullieren müssen, so Wagenseil (siehe Box).

Flug abgesagt – was kann ich tun?

Wer einen Flug gebucht hat, der abgesagt wird, kann das Geld für das Ticket laut der europäischen Fluggastrechte-Verordnung zurückfordern. Gutscheine müssen die Passagierinnen und Passagiere allerdings nicht akzeptieren. Es besteht zudem ein Recht auf Entschädigung – ausser bei aussergewöhnlichen Umständen oder höherer Gewalt. Wer keine Lösung mit der Fluggesellschaft findet, kann sich unter passengerrights@bazl.admin.ch an das Bundesamt für Zivilluftfahrt wenden.

Ist die Zeit der Billigflüge endgültig vorbei?

Entscheidend ist laut Wagenseil, welche Kapazitäten- und Preis-Strategien Billigflieger wie Easyjet nun verfolgen. Für sie sei es längerfristig nicht kostendeckend, wenn man für 29 Franken von Basel nach Lissabon fliegen kann. Auch ökologisch sei das nicht sinnvoll. Zur Maximierung der Auslastung hätten die Spottpreise aber natürlich genützt.

«Unsere Preisgestaltung ist nachfrageorientiert», erklärt Easyjet auf Anfrage. «Unsere Tarife beginnen niedrig und steigen, je näher das Abflugdatum rückt, da dann weniger Plätze im Flugzeug verfügbar sind.»

Gibt es noch günstige Flüge für die Sommerferien?

Hotelplan sagt, dass die Nachfrage nach Ferien im Ausland wieder stark steige. Trotzdem gebe es preislich attraktive Pauschalreisearrangements, etwa für Mittelmeer-Destinationen wie Kreta, Rhodos, Zypern und Mallorca. Für diese bieten die Fluggesellschaften laut dem Reiseveranstalter nun auch wieder mehr Flüge an.

Wer günstig fliegen wolle, sollte möglichst früh buchen und nicht in der Hauptferienzeit sondern in der Nebensaison reisen, schreibt Hotelplan der Redaktion. Sei man auch bei der Wahl des Hotels flexibel, seien preislich attraktive Ferien nach wie vor möglich – auch in den Sommerferien.

Globetrotter sagt auf Anfrage, dass die Preise für die Flüge in den Sommerferien «je nach Auslastung» sicher noch steigen und je nach Flug auch «komplett ausgebucht» sein könnten.

Wird das Fliegen auch wieder mal günstiger?

Es sei klar, dass die Flugpreise auch wieder sinken können, wenn die Kapazitäten wieder ansteigen und es auf gewissen Routen sogar wieder Überkapazitäten gebe, sagt Globetrotter auf Anfrage der Redaktion. 

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