Bettler-Debatte - «Jetzt betteln auch noch die Kinder»
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Bettler-Debatte«Jetzt betteln auch noch die Kinder»

Eine Leserin hat neulich ein bettelndes Kind auf der Strasse gesichtet. Sie ist entsetzt und appelliert auf Facebook an die verantwortlichen Behörden.

von
Alexia Mohanadas
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In Basel hat eine Leserin ein betteltendes Kind gesichtet.

In Basel hat eine Leserin ein betteltendes Kind gesichtet.

Facebook Screenshot
Auf Facebook stellt sie die Frage, wann etwas gesetzlich dagegen unternommen wird.

Auf Facebook stellt sie die Frage, wann etwas gesetzlich dagegen unternommen wird.

Andrea Strähl
Die Polizei reagiert mit Personenkontrollen. Mit hartnäckigen Kontrollen handelt auch die Kesb.

Die Polizei reagiert mit Personenkontrollen. Mit hartnäckigen Kontrollen handelt auch die Kesb.

20 MInuten/Steve Last

Darum gehts

  • In Basel hat eine Leserin ein bettelndes Kind gesichtet.

  • Auf Facebook stellt sie die Frage, wann etwas gesetzlich dagegen unternommen wird.

  • Die Polizei reagiert mit Personenkontrollen.

  • Mit hartnäckigen Kontrollen handelt auch die Kesb.

«Die rote Linie ist überschritten», schreibt Andrea Strähl aus Basel zu ihrem Bild auf Facebook, auf dem eine Frau mit einem Jungen bettelnd auf der Mittleren Brücke sitzt. Die Reaktionen auf ihren Post liessen nicht lange auf sich warten. Die meisten User antworteten entsetzt und verärgert.

«Betteln mit Kindern ist offiziell nicht erlaubt in Basel, aber real der Fall»

Andrea Strähl

Zum dritten Mal in Folge habe sie das Kind Mitte April auf der Brücke betteln gesehen. Auch an anderen Orten in der Stadt seien ihr minderjährige und bettelnde Personen aufgefallen. Ein Foto habe sie erst gemacht, als sie gemerkt habe, dass die Behörden sonst nicht reagieren, sagt sie. «Betteln mit Kindern ist offiziell nicht erlaubt in Basel, aber real der Fall», so Strähl weiter. Sie habe schon vor einigen Tagen bettelnde Kinder gesehen. «Es ist völlig ausgeartet», sagt sie zu 20 Minuten.

Strähl habe schon die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) über diese Situation informiert. «Das sind doch noch Kinder, die können sich nicht wehren. Die müssen geschützt werden. So etwas darf man einfach nicht erlauben», empört sich die Baslerin gegenüber 20 Minuten.

«Es wird einfach keine Stellung dazu genommen»

Strähl ist darüber verärgert, dass die Behörden und die Politik diesbezüglich nichts kommunizieren. «Es wird einfach keine Stellung dazu genommen. Ich erwarte mindestens ein Statement oder eine Erklärung, wie es weiter gehen soll. Einfach nichts sagen, ist auch keine Lösung», findet sie.

Die Polizei reagiert mit Personenkontrollen

Die Polizei Basel-Stadt bestätigt gegenüber der «Baz» (Bezahlartikel), dass in vereinzelten Fällen minderjährige Bettler in Basel unterwegs sind. «Der Kantonspolizei Basel-Stadt sind ungefähr seit Ostern vermehrt Einzelfälle von Kindern im Alter von 15 Jahren oder jünger im Zusammenhang mit Bettelei aufgefallen», schreibt sie. Dabei gehe sie von Kindeswohlgefährdung aus. Die Polizei reagiere mit Personenkontrollen, so Sprecher Toprak Yerguz. Sofern die Erwachsenen anwesend seien, würden auch diese kontrolliert, und es erfolge ein Rapport an die zuständige Behörde – in solchen Fällen die Kindesschutzbehörde –, die über das weitere Vorgehen entscheide. «Zusätzlich wird noch während der Kontrolle der Pikettdienst der Kesb telefonisch informiert, welche in Sachen Kindswohl entscheidet», so die Polizei.

«Es ist in solchen Situationen nicht zulässig, den Eltern ihre Kinder wegzunehmen. Das entspricht nicht dem Kindswohl»

Patrick Fassbind, Leiter Kesb Basel

Die Kesb macht nach einer Alarmierung durch die Polizei, die Erwachsenen vor Ort darauf aufmerksam, dass Kinderbettelei in der Schweiz rechtlich unzulässig sei und für unbelehrbare Eltern Kindesschutzmassnahmen ausgesprochen würden, sagt Patrick Fassbind, Leiter Kesb Basel, gegenüber der «Baz». «Es ist in solchen Situationen nicht zulässig, den Eltern ihre Kinder wegzunehmen.» Das entspreche nicht dem Kindswohl, so Fassbind weiter.

Auch das dauerhafte Übernachten mit Kindern im Freien verstosse gegen das geltende Kindesschutzrecht. Eltern mit Kindern werden an Notschlafstellen verwiesen. «Wir kontrollieren dann auch, dass die Eltern mit den Kindern dort auftauchen», sagt Fassbind. «Wir gehen dabei sehr hartnäckig vor.»

Die Anforderungen an die gerichtsverwertbaren Nachweise seien hoch: «Die Abklärungen werden durch den häufig fehlenden festen Wohnsitz und mangelnde Sprachkenntnisse enorm erschwert», so Yerguz. Nach einem Anfangsverdacht sei jeder Einzelfall genau zu prüfen, was in der Praxis – etwa mit Blick auf die Aussagebereitschaft der Betroffenen – sehr komplex und aufwendig sei.

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