Pistolen und Gewehre: Jetzt bewaffnen sich auch Amerikas Frauen
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Pistolen und GewehreJetzt bewaffnen sich auch Amerikas Frauen

Tödliche Trends in den USA: Immer mehr Frauen legen sich Schusswaffen zu und «Super-Eigentümer» horten fast die Hälfte aller Pistolen und Gewehre.

von
sut

Die Lobby-Organisation «National Rifle Association» wirbt für Waffenbesitz. Sie erwähnt Carol Bowne, die in New Jersey keine Waffe besitzen durfte und später getötet wurde. (Video: NRA via Storyful)

Gewaltsame Anschläge von Terroristen und Amokläufern rufen immer wieder die riesige Anzahl von Feuerwaffen in den USA in Erinnerung. Nach einer noch nicht publizierten Grossuntersuchung der Universitäten Harvard und Northeastern sind in den Vereinigten Staaten nicht weniger als 265 Millionen Schusswaffen im Umlauf – mehr als eine pro Erwachsenen. Seit 1994 stieg die Zahl der Pistolen und Gewehre um 70 Millionen.

Wie der «Guardian» im Voraus aus der Studie berichtete, besitzen 55 Millionen der 321 Millionen zählenden US-Bevölkerung Schusswaffen, 10 Millionen mehr als 1994. Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut GfK 4000 Amerikaner. Fünf Fakten stechen heraus:

1. Immer mehr Frauen bewaffnen sich

Vor zwölf Jahren erklärten noch 9 Prozent der amerikanischen Frauen, dass sie Schusswaffen besitzen. Bis letztes Jahr stieg ihr Anteil auf 12 Prozent. Diese Steigerung passt laut «Guardian» zu den Angaben der Lobby-Organisation National Rifle Association: Die NRA will zwischen 2011 und 2014 die Zahl der Teilnehmerinnen an Pistolenkursen von 25'000 auf 46'000 beinahe verdoppelt haben.

2. Wenige «Super-Eigentümer» besitzen fast die Hälfte der Waffen

Nach der Studie besitzen drei Prozent der Amerikaner – 7,7 Millionen – 133 Millionen Feuerwaffen. Diese «Super-Eigentümer» lagern in ihren Waffenkammern zwischen acht und 140 Waffen. Im Schnitt besitzen die Waffennarren 17 Schusswaffen. Ob die «Super-Eigentümer» ein erhöhtes Risiko für die Gesellschaft darstellten, wissen die Autoren der Studie nicht. «Darüber gibt es praktisch keine Forschung», sagt Deborah Azrael von der Harvard-Schule für Volksgesundheit.

3. Insgesamt gibt es weniger Waffen als gedacht

In der Diskussion um Waffengesetze wird gern die Zahl von 300 Millionen Waffen in den USA erwähnt. Die in der Studie ermittelte Zahl von 265 Millionen ist kleiner. Auch die Zahl der Waffenbesitzer – 55 Millionen – ist weniger hoch als jene in einer Gallup-Studie vom letzten Jahr, die noch auf 75 Millionen Waffenbesitzer kam. Verfechter schärferer Waffengesetze könnten kritisieren, dass nach der Studie die Zahl der Waffenbesitzer dem Bevölkerungswachstum hinterherhinkt. Doch Experten sagen, die Studie sei von hoher Qualität.

4. Am meisten Waffen haben weisse Männer

Tendenziell ist der amerikanische Waffeneigentümer ein weisser Mann mit konservativer Einstellung, der auf dem Land lebt. Unter Konservativen besitzen 30 Prozent Waffen, unter Gemässigten 19 Prozent und bloss 14 Prozent unter Liberalen. Während bloss 14 Prozent der Afroamerikaner und 16 Prozent der Latinos Waffen besitzen, liegt der Anteil bei Weissen und Gemischtrassigen 25 Prozent.

5. Waffen zur Selbstverteidigung begünstigen Suizide

Als Motiv für den Waffenerwerb wird nicht wie früher meist die Jagd angegeben, sondern der Wunsch nach Selbstverteidigung. Wie die «New York Times» schreibt, nahmen deshalb nach den Terrorangriffen von Paris und Orlando die Waffenverkäufe zu. «Die Nachfrage nach Waffen zur Selbstverteidigung und zum verdeckten Tragen stieg dramatisch», sagte der CEO von Sturm Ruger im Juni zur «Times». Das hat Konsequenzen für Suizide, denn rund 20'000 der 30'000 jährlichen Todesfälle durch Schusswaffen in den USA gehen auf Selbstmorde. Wenn man bei den Eigentümern von ein oder zwei Waffen das Verhalten und dem Umgang mit Waffen ändere, könne man einiges bewirken, glaubt Azrael.

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