Zuppigers Rückzug: «Jetzt bin ich für sie nicht mehr so interessant»
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Zuppigers Rückzug«Jetzt bin ich für sie nicht mehr so interessant»

SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger steigt aus dem Rennen um einen Bundesratssitz aus. Die Parteileitung gibt zumindest zu, die Situation etwas blauäugig eingeschätzt zu haben.

von
Jessica Pfister
Ein sichtliche geknickter Bruno Zuppiger verlässt frühzeitig die Medienkonferenz am Donnerstag, an der er seinen Rückzug bekannt gegeben hat.

Ein sichtliche geknickter Bruno Zuppiger verlässt frühzeitig die Medienkonferenz am Donnerstag, an der er seinen Rückzug bekannt gegeben hat.

Der Traum vom Bundesrat für SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger ist zu Ende. «Um meine Partei nicht weiter zu belasten, habe ich mich heute Morgen entschieden, meine Kandidatur zurückzuziehen», sagte Zuppiger am Donnerstagnachmittag vor den Medien in Bern. Er bedankte sich bei der SVP für das Vertrauen und erklärte, dass er sich weiterhin von der Fraktion getragen fühle. Für Fragen stand Zuppiger nicht zur Verfügung, sondern verliess sichtlich gekränkt die Medienkonferenz vorzeitig. «Ich habe gesagt, was ich sagen musste. Jetzt bin ich für sie nicht mehr so interessant», waren seine Worte.

Fraktionschef Caspar Baader räumte vor den Medien ein, dass die Lagebeurteilung aufgrund der vorgelegten Unterlagen wahrscheinlich falsch war. «Wir haben die Situation vielleicht zu blauäugig eingeschätzt», sagte Baader. Die Parteileitung habe nicht alle Details gekannt, wie sie der Artikel in der Weltwoche publik gemacht hatte. Laut Parteipräsident Toni Brunner sei neu gewesen, dass Zuppiger ein Dokument unterschrieben habe, dass die Überweisung auf sein eigenes Konto veranlasst habe. Die falsche Lagebeurteilung sei passiert, weil nicht alle Fakten bekannt gewesen waren. «Hätten wir gewusst, dass Bruno Zuppiger die Überweisung selber unterschrieben hat, hätten wir ihm von einer Kandidatur abgeraten», sagte Brunner.

Brunner und Blocher haben entschieden

Fraktionschef Baader habe am 30. November, am Tag vor der Nomination, einen Tipp von einer Person ausserhalb der Fraktion erhalten, dass Vorwürfe gegen Zuppiger auftauchen könnten. Er habe daraufhin Parteipräsident Brunner und Vizepräsident Blocher informiert und bei der Anwältin der Gegenseite Informationen eingeholt. Brunner und Blocher haben daraufhin wenige Stunden vor der Nomination durch die Fraktion mit Zuppiger gesprochen und entschieden, dass der Vorfall kein Hindernis für eine Kandidatur sei.

Deshalb halte man es nach wie vor für richtig, die Fraktion nicht informiert zu haben. Die Notwendigkeit für personelle Konsequenzen sieht Baader nicht - weder bei der Parteileitung, noch bei Zuppiger. «Bruno Zuppiger muss selber entscheiden, ob er aus dem Nationalrat zurücktreten will oder nicht», sagte der Fraktionschef. Die Parteispitze habe ihn nicht dazu aufgefordert.

«Niemand aus der Partei dahinter»

Der Rückzug von Zuppiger erstaunt nicht angesichts der schweren Vorwürfe, die die «Weltwoche» gestern publik gemacht hatte. Der Zürcher Nationalrat soll in einer Erbschaftsangelegenheit 100 000 Franken veruntreut haben - und die Parteileitung nominierte den Zürcher für die Landesregierung, obwohl sie davon wusste. Als dies bekannt wurde, brodelte es bei der SVP: Parteimitglieder warfen der Führungsspitze Naivität vor und Gerüchte wurden laut, dass hinter den Enthüllungen der SVP-freundlichen «Weltwoche» gar eigene Partei-Vertreter stecken würden. Bruno Zuppiger ist hingegen überzeugt, dass niemand aus der Partei damit zu tun hatte, wie er vor den Medien bekräftigte. «Diese Unterlagen können nur aus den involvierten Anwaltskanzleien stammen.»

Staatsanwalt prüft Anklage

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich prüft, ob allenfalls eine Strafuntersuchung gegen SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger zu eröffnen ist, wie Sprecherin Corinne Bouvard auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Behörde habe vor Erscheinen der Meldung in der «Weltwoche» keine Kenntnisse der im Artikel beschriebenen Vorfälle gehabt. So schnell werde es aber kein Resultat geben, sagte Bouvard weiter. Auf Immunität dürfte Zuppiger nicht hoffen: Diese geniessen Mitglieder der eidgenössischen Räte nur für Äusserungen und Taten im Zusammenhang mit ihrem Amt. (sda)

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