Aktualisiert 05.06.2020 13:20

Good News

Jetzt buchen Schweizer ihre Sommerferien in den Bergen

Die Hotelbranche leidet stark unter dem Coronavirus. Jetzt nehmen die Buchungen von einheimischen Gästen für Juli und August zu. Nur in den Städten bleiben die Betten leer.

von
Barbara Scherer
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Schweizer buchen dieses Jahr ihre Ferien in der Schweiz.

Schweizer buchen dieses Jahr ihre Ferien in der Schweiz.

KEYSTONE
Das ist ein Lichtblick für die Hotelbranche: Diese leidet wegen der Grenzschliessung und der weltweiten Reisebeschränkung stark unter dem Coronavirus.

Das ist ein Lichtblick für die Hotelbranche: Diese leidet wegen der Grenzschliessung und der weltweiten Reisebeschränkung stark unter dem Coronavirus.

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Bundesrat Ueli Maurer hatte deshalb dazu aufgerufen, dass Schweizer ihre Ferien hierzulande verbringen sollen.

Bundesrat Ueli Maurer hatte deshalb dazu aufgerufen, dass Schweizer ihre Ferien hierzulande verbringen sollen.

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Darum gehts

  • Hotels leiden stark unter der Corona-Krise.
  • Laut Hotellerieverband steigen nun aber die Buchungen von einheimischen Gästen.
  • Vor allem Hotels in den Bergen sind in den Sommerferien gefragt.
  • Bei Betrieben in der Stadt bleiben die Gäste aber auch im Sommer aus.

Grenzschliessungen und weltweite Reisebeschränkungen setzen der Schweizer Hotellerie zu. Darum sollen Schweizer nun ihre Ferien im eigenen Land verbringen – dafür plädierte Bundesrat Ueli Maurer am Mittwoch in der Sondersession.

Die Bevölkerung scheint seinen Aufruf gehört zu haben: Immer mehr Schweizer buchen jetzt ihre Sommerferien in der Schweiz. «Hotels in der ganzen Schweiz erhalten für Juli und August Buchungen von Schweizer Gästen», sagt Andreas Züllig, Präsident des Branchenverbands Hotelleriesuisse. Besonders gefragt seien Unterkünfte in den Bergregionen und dem Tessin. Diese locken Gäste mit Biken und Wandern.

Familien zieht es in die Alpen

Das bestätigt auch Kurt Baumgartner, Betreiber von drei Hotels in Scuol: «Wir erhalten viele Buchungen von jungen Familien für die Sommerferien. Nur die Senioren halten sich aus verständlichen Gründen mit Buchungen noch zurück.» Durch die Corona-Krise sei ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Mit den einheimischen Gästen im Sommer könne dieser eingedämmt werden.

Hotelbranche in der Coronakrise

280’000 Franken Verlust pro Monat

Durch die Corona-Krise hat jedes Hotel in der Schweiz durchschnittlich zwischen 240’000
und 280’000 Franken pro Monat verloren, wie eine Branchenumfrage zeigt. Zwischen März und Juni ist das ein Verlust von rund einer Million Franken pro Betrieb.

Grund dafür ist der Einbruch bei den Logiernächten. Laut Bundesamt für Statistik (BFS) zählte man im März nur noch 1,26 Millionen Logiernächte. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von beinahe zwei Dritteln.

Für April rechnet die Hotelbranche sogar mit einem Rückgang von über 90 Prozent bei den Übernachtungen und im Mai mit 84 Prozent. Ab Juni sollte sich die Lage etwas bessern. Dann rechnet die Branche noch mit einem Rückgang von 73 Prozent.

Die Unterkünfte in Zermatt verzeichnen ebenfalls wieder vermehrt Buchungen für den Sommer und den Herbst: «Dabei handelt es sich vor allem um Gäste aus der Schweiz», sagt Simona Altwegg, Mediensprecherin von Zermatt Tourismus, zu 20 Minuten.

Das Hotel Paradies in Ftan, Graubünden, bestätigt den Trend ebenfalls: «Wir verzeichnen vermehrt Anfragen für alle Zeiträume», sagt Hoteldirektorin Meike-Cathérine Bambach. Bereits jetzt würden zunehmend Buchungen für die kommenden langen Wochenenden über Auffahrt und Pfingsten sowie für den Sommer und Herbst eintreffen.

Hotels müssen Betten leer lassen

Gefragt sind im Sommer laut Hotelleriesuisse längere Aufenthalte: «Es werden vielerorts Ferien von sieben bis 14 Tagen gebucht», so Züllig. Das liege wohl daran, dass die Ferien im Frühling ausfallen mussten. Die Entwicklung stimme die Branche zuversichtlich.

Trotzdem können die Hotels auch im Sommer nicht mit einer vollen Auslastung rechnen: «Wir müssen die Schutzkonzepte des Bundes einhalten. Um den Mindestabstand zu garantieren, muss deshalb ein Teil der Betten leer bleiben», erklärt Züllig. Man wolle um jeden Preis einen zweiten Lockdown verhindern. Die Branche nehme die Schutzmassnahmen deshalb sehr ernst.

Schweizer lassen Stadthotels hängen

Bei den Stadthotels bleiben die einheimischen Gäste aber aus: «Ich sehe im Moment überhaupt keine Reservationen, nur Stornierungen», sagt Eric Fassbind, Eigentümer von Hotels By Fassbind. Er besitzt sieben Betriebe in Lausanne und Zürich.

Ähnlich sieht es bei der Schweizer Hotelkette Sorell Hotels aus: «Wir betreiben mehrheitlich Stadthotels an zentraler Lage und können bisher keine steigende Nachfrage für den Sommer feststellen», erklärt COO Thomas Kleber. Erst ab Ende August, Anfang September würden die Buchungen wieder steigen.

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129 Kommentare
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Schwupps

06.06.2020, 13:53

Wenn wir kein Chalet hätten, würde es mir nicht einfallen, in unseren Bergen Ferien zu machen, zumindest nicht im Sommer! In den überteuerten Hotels und den Ferienwohnungen, eingerichtet im Stil der 70er und 80er Jahre, würde ich keine Ferien verbringen wollen!

Alfmann

06.06.2020, 10:49

Alle freuen sich, Urlaub in den Schweizer Bergen! Viel mehr Wanderer bevölkern die Landschaft, die Bergruhe wird zur Unruhe und die Tiere haben mehr Besucher als diejenigen im Zoo. Auch die Rega wird sich freuen, die meisten Bergunfälle passieren beim Wandern auf dem Wanderweg!

feedpete

06.06.2020, 09:56

Super. Endlich in Zürich shoppen gehen ohne Gedränge :)