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Mord in PerugiaJetzt darf Amanda Knox reden

In den nächsten Tagen muss Amanda Knox vor den Geschworenen in Perugia aussagen. Es ist die vielleicht letzte Gelegenheit für die skandalumwitterte Angeklagte, ihr schwer beschädigtes Image zu retten.

von
Karin Leuthold

Die Lage für die 21-jährige Amanda Knox ist ernst, bitter ernst: Das Messer, mit dem das Opfer Meredith Kercher in der Nacht zum 2. November 2007 erstochen wurde, trägt ihre DNA und die blutigen Fussabdrücke, die man im Badezimmer und Korridor des Hauses fand, sind eindeutig ihr zuzuordnen. (20 Minuten Online berichtete)

«Am Griff (des Messers) fanden wir DNA-Reste, die mit dem Profil von Amanda Knox übereinstimmen, und an der Klinge DNA des Opfers», sagte letzten Freitag die forensische Gutachterin Patrizia Stefanoni vor Gericht. Ein privates Forensikerteam, das von den Angehörigen des Opfers angeheuert worden war, bestätigte die Testresultate der italienischen Ermittler.

Angehörige des Opfers sagen aus

Letzten Freitag konnten die Eltern von Meredith Kercher vor den Geschworenen den Schmerz schildern, den der brutale Tod ihrer Tochter ausgelöst hat: «Es ist nicht nur ihr Tod, sondern dessen Art; die Gewalt und der Kummer, den er ausgelöst hat. Wir werden nie darüber hinwegkommen», sagte Arline Kercher mit zitternder Stimme.

Am Freitag nun soll (voraussichtlich) die mutmassliche Mörderin selber vor Gericht zu Wort kommen. «Sie wird alle Fragen beantworten und 'ihre' Wahrheit erzählen», versicherte ihr Anwalt Luciano Ghirga den Medien. «Sie ist bereit.»

Imagekorrektur ist angesagt

Dabei sollte Knox, die in den Medien als «Engelsgesicht» oder «Foxy Knoxy» bezeichnet wird, wohl vor allem darauf achten, dass sie die spontane und manchmal etwas bizarre Seite ihrer Persönlichkeit möglichst unter Kontrolle behält. Aussagen wie jene, als sie Zeugenaussagen von Kerchers Freundinnen zu parieren versuchte, haben ihr bisher nur geschadet. Die Freundinnen des Opfers hatten sich darüber gewundert, dass Knox Kondome und einen Vibrator in einer durchsichtigen Tasche mit sich trug.

«Ich will kurz etwas klarstellen über das kleine Objekt im Badezimmer: den Vibrator», sagte Knox damals vor dem gespannten Publikum, «es gibt ihn. Aber es handelt sich nur um einen Witz, ein Geschenk, das ich von einem Freund bekam, bevor ich nach Italien reiste. Es ist ein kleiner pinkfarbiger Hase, etwa 15 Zentimeter gross.» Die italienischen und britischen Presseleute rannten damals so schnell wie möglich aus dem Gerichtssaal, um das erwähnte Sexobjekt zu googeln.

Diese «kurze Klarstellung» brachte der jungen Studentin aus Seattle den Ruf einer diabolischen Sexbesessenen ein. Um dem entgegenzuwirken, musste ihre Familie, nachdem sie bereits eine private Agentur mit Ermittlungen beauftragt hatte, auch noch eine PR-Agentur engagieren. Ehemalige Studienkollegen aus den USA wollen in den nächsten Wochen auf eigene Kosten nach Perugia reisen, um vor Gericht als Entlastungszeugen auszusagen.

Wenn Amanda Knox in den Stand tritt, werden alle Augen auf sie gerichtet sein. Als Angeklagte wird sie von allen Parteien befragt werden, ist allerdings nicht gezwungen, darauf zu antworten. Knox kann sagen, was sie will; sie kann sich auch um Kopf und Kragen reden. Gerichtsbeobachter meinen, dass es ein ziemlich riskanter Schachzug ihrer Verteidiger ist, eine derart labile Persönlichkeit in den Stand zu rufen – ein Risiko, das ihre Anwälte offenbar bereit sind einzugehen.

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