Ukraine-Krieg – Jetzt drohen auch die Mieten teurer zu werden

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Ukraine-KriegJetzt drohen auch die Mieten teurer zu werden

Der Angriff der russischen Armee auf die Ukraine macht vieles teurer. Nach einem Anstieg der Nebenkosten könnten nun auch die Mieten um bis zu vier Prozent steigen.

von
Fabian Pöschl
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Der Wert von Immobilien zum Vermieten steigt seit Jahren, 2021 um dreieinhalb Prozent.

Der Wert von Immobilien zum Vermieten steigt seit Jahren, 2021 um dreieinhalb Prozent.

Tamedia AG/Christian Pfander
Ein Mehrfamilienhaus ist nun doppelt so viel wert wie vor 20 Jahren.

Ein Mehrfamilienhaus ist nun doppelt so viel wert wie vor 20 Jahren.

Tamedia AG/Urs Jaudas
Doch seit dem Ukraine-Krieg wird alles teurer.

Doch seit dem Ukraine-Krieg wird alles teurer.

AFP

Darum gehts

  • Die Werte von Liegenschaften zum Vermieten haben sich in 20 Jahren verdoppelt.

  • Wegen des Ukraine-Krieges sind Immobilien noch gefragter.

  • Mieterinnen und Mietern drohen nun höhere Kosten.

  • Die Nebenkosten steigen um etwa 37 Prozent.

Der Wert von Liegenschaften steigt seit Jahren, 2021 gabs nochmals einen deutlichen Anstieg um dreieinhalb Prozent. Ein Mehrfamilienhaus ist nun doppelt so viel wert wie vor 20 Jahren. «Jede Person, die Immobilien besitzt, wurde vermögend», sagt Donato Scognamiglio, CEO des Immo-Beratungsunternehmens Iazi.

Die Firma hat am Mittwochmorgen die Ergebnisse ihrer jährlichen Immobilienstudie mit 13’000 Schweizer Renditeliegenschaften, also Häusern, die man kauft, um sie zu vermieten, präsentiert. Der Markt war demnach noch nie so optimistisch wie im letzten Jahr: In allen Kantonen werden Häuser teurer bewertet.

Doch seit dem Ukraine-Krieg ist alles anders. Jetzt wirds überall teurer. 20 Minuten zeigt die Folgen auf:

Nebenkosten

70 Prozent der Haushalte in der Schweiz heizen mit Öl und Gas. Ihnen droht nun der Nebenkosten-Anstieg, weil sich die Preise fürs Heizöl und Gas verdoppelt haben. Bei einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung beispielsweise kann dies 30 Prozent und mehr sein, sagte Iazi-CEO Scognamiglio. Experten und Expertinnen raten bereits, Geld für die Nebenkosten zur Seite zu legen.

Mieten

Der hohe Ölpreis verteuert Produktion und Transport von fast allem. Die aktuelle Inflation beträgt deshalb schon 2,2 Prozent. Wenn Vermieterinnen und Vermieter die Preisteuerung weitergeben wollen, dürfen sie dies zu maximal 40 Prozent.

Deshalb steigt die Miete in bestehenden Mietverhältnissen nächstes Jahr vorerst nur moderat, das heisst, um etwa ein Prozent, sagt Scognamiglio. Allerdings rechnet er mit einer noch wesentlich grösseren Teuerung. Denn nach der letzten Ölkrise in den 70er-Jahren stiegen die Preise für Waren in der Schweiz um fast bis zu zehn Prozent.

Heute wäre bei einer Inflation von zehn Prozent in einzelnen Mietverhältnissen ein Anstieg von vier Prozent denkbar. Die Nationalbank wird laut Scognamiglio nicht darum herumkommen, die Preisteuerung mit einer Erhöhung des Leitzinses abzuschwächen.

Doch dann steigen auch die Hypothekarzinsen und mit einer gewissen Verzögerung der Referenzzinssatz für Mieten. Wenn dieser um 0,25 Prozent steigt, sind Mieterhöhungen von drei Prozent möglich, sofern die Eigentümer in der Vergangenheit auch Zinssenkungen weitergegeben haben.

Wohnraum

Bei zwei Prozent Preisteuerung oder besser Geldentwertung ist das Geldvermögen in 35 Jahren halbiert. Bei einer Inflation von zehn Prozent halbiert sich das Vermögen bereits in zehn Jahren. «Weil das Geld so viel an Wert verliert, investieren jetzt alle in Sachwerte wie Renditeliegenschaften», sagt Scognamiglio.

Dort konnte auch im letzten Jahr noch eine beachtliche Wertsteigerung von über vier Prozent erzielt werden: Gefragte Immobilien sind deshalb entsprechend schnell weg. Zudem wird der Wohnraum auch knapp wegen Zuwanderung. Die Schweiz hat aktuell eine Nettozuwanderung von rund 60‘000 Personen pro Jahr.

Wegen des Krieges dürften Zehntausende weitere Flüchtlinge Schutz in der Schweiz suchen und ein Teil davon in der Schweiz bleiben. Deshalb geht Iazi davon aus, dass die Leerbestände weiter abnehmen werden. Aktuell stehen rund 70‘000 Wohneinheiten oder eineinhalb Prozent des Bestandes leer.

Fachkräftemangel

Iazi rechnet aufgrund der aktuellen Ereignisse nun mit einer noch stärkeren Nachfrage für Heizungen basierend auf erneuerbaren Energien. Es fehle aber das nötige Fachpersonal. «Es braucht Sanierung und Wärmedämmung», sagt Scognamiglio. Leute, die das umsetzen können, fehlen aber zurzeit.

Darum wird nicht einfach mehr gebaut:

Seit Corona boomt Wohneigentum. Dieser Trend wird auch nach dem Ende der Pandemie anhalten. Das Problem: Es gibt zu wenig Angebote, weil es an Bauland fehlt. Denn seit der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes aus dem Jahr 2014 wird wenig oder gar kein neues Bauland eingezont. Mit dem Gesetz soll die Zersiedlung aufgehalten werden. Denn wird überall gebaut, verlieren Tiere und Pflanzen Lebensraum. Das revidierte Gesetz soll die Landschaft stärker schonen. 

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