Aktualisiert 28.08.2014 09:25

Abschaffung von Frühfranzösisch

Jetzt drohen die Welschen mit einer Retourkutsche

Weil auch Nidwalden das Frühfranzösisch abschaffen will, überlegten sich viele Romands, Deutsch aus der Primarschule zu kippen. Das sagt der Präsident der Westschweizer Lehrer.

von
vro
Falls noch mehr Deutschschweizer Kantone das Frühfranzösisch abschaffen, werden die Romands wohl nachziehen, glaubt Georges Pasquier.

Falls noch mehr Deutschschweizer Kantone das Frühfranzösisch abschaffen, werden die Romands wohl nachziehen, glaubt Georges Pasquier.

Georges Pasquier, zwei Kantone haben sich gegen das Frühfranzösisch ausgesprochen. Was sagen Sie dazu?

Es ist tragisch. Wahrscheinlich werden noch weitere Deutschschweizer Kantone folgen. Vor allem östlich der Reuss hat Französisch einen schweren Stand, dort wird auf Englisch gesetzt. In der westlichen Schweiz hingegen wird noch Französisch gesprochen, dort ist es etwas anders. Aber wenn ich im Fernsehen sehe, dass ein Deutschschweizer Stanislas Wawrinka auf Englisch interviewt - das kann doch nicht sein.

Was hat die Abschaffung des Frühfranzösisch in Ihren Augen für Folgen?

Es geht einfach nicht, dass die Schüler bis zum 12. Lebensjahr keine zweite Fremdsprache lernen. Französisch ist eine Landessprache, wenn sie abgeschafft wird, fehlt die eidgenössische Solidarität. Der Röstigraben ist dann kein Graben mehr, er wird zur Mauer.

Im Kanton Nidwalden soll es statt Frühfranzösisch Austauschaufenthalte in der Westschweiz geben. Eine gute Idee?

Ein Austausch ist keine Lösung, jedenfalls nicht, wenn er nur zwei Wochen dauert. Das ist ein Witz. Er müsste mindestens drei Monate dauern, dann würde es sich lohnen.

Und was halten Sie davon, die Westschweizer Schüler in die Deutschschweiz zu schicken?

Unbedingt! Das halte ich für absolut notwendig, es sollte sogar eine Aufgabe des Bundes sein. Die Deutschschweizer sprechen zwar Dialekt, wir sind uns aber gewohnt, dass sie mit uns Hochdeutsch sprechen. Für die Westschweizer Schüler wiederum ist es gut, wenn sie merken, dass es Schweizerdeutsch gibt.

Wie reagieren die Westschweizer Kantone auf den Entscheid aus dem Thurgau und Nidwalden?

Bis jetzt hat man gesagt, Deutsch sei wichtig. Immerhin ist es eine Landessprache. Wenn ich mich jetzt unter Eltern und Lehrern umhöre, sagen immer mehr, dass sie sich überlegen, das Gleiche zu tun und das Deutsch in der Primarschule abzuschaffen. Das wird nicht lange dauern, bis diese Forderung kommt.

Was wäre für Sie eine mögliche Lösung?

Für die Westschweizer Schüler ist Deutsch etwa gleich wie Französisch für die Deutschschweizer: Es ist eine schwierige Sprache, man fragt sich manchmal, wozu man sie braucht, und das Lernen macht nicht unbedingt immer Spass. Aber das ist kein Grund, eine Sprache abzuschaffen. Wir dürfen uns nichts vormachen, es geht nicht nur um die Sprache an sich, sondern auch um andere Kulturen und ums Kommunizieren miteinander, und das nicht nur auf Englisch.

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