19.05.2014 18:56

Nach Nein zum Gripen

Jetzt droht das Aus der Patrouille Suisse

Die Patrouille Suisse sollte in Zukunft mit F/A-18-Kampfjets abheben. Doch nach dem Gripen-Grounding ist die Schweizer Kunstflugstaffel in Gefahr.

von
D. Pomper

In zwei Jahren werden die über 30 Jahre alten Tiger-Kampfjets der Schweizer Kunstflugstaffel Patrouille Suisse ausgemustert. Diese hätten durch Kampfjets des Typs F/A-18 ersetzt werden sollen – unter der Voraussetzung allerdings, dass das Stimmvolk dem Gripen-Kauf auch zustimmt, wie die Luftwaffe im Februar bestätigte.

Nun aber hat das Volk Nein gesagt zum Gripen. Und das könnte auch ein Grounding der Patrouille Suisse zur Folge haben: «Nach dem heutigen Stand der Situation ist alles offen», sagt VBS-Sprecher Renato Kalbermatten.

«Das Ende der Patrouille Suisse»

Walter Hodel vom Patrouille-Suisse-Fanklub und Aviatikjournalist beim Luftfahrtmagazin «Cockpit» ist überzeugt: «Werden die Tiger 2016 ausgemustert, dann bedeutet das wohl auch das Ende der Patrouille Suisse.» Es sei kaum möglich, mit den 32 F/A-18-Fliegern auch noch Kunstflug zu betreiben. «Dazu reichen die Kapazitäten kaum aus.»

Wenn die Schweiz eine solche Formation verlöre, dann schmerze das, sagt Hodel. Denn die Patrouille Suisse vermittle Schweizer Werte wie Sicherheit, Präzision, Dynamik und Schnelligkeit. Doch die wichtigste Aufgabe der Luftwache sei es, die Lufthoheit zu verteidigen. «Die Patrouille Suisse ist ein Zückerchen für die Bevölkerung, das als Erstes gestrichen wird, wenn man Prioritäten setzen muss.»

Nicht die Flinte ins Korn werfen

Den Kopf noch nicht in den Sand stecken will Peter Forster, Oberst und Chefredaktor der Militärzeitschrift «Schweizer Soldat». «Das VBS muss einen Weg finden, damit die Patrouille Suisse weiterfliegen kann.» Denn sie sei eine erstklassige Botschafterin der Schweiz im Ausland und die Visitenkarte der Luftwaffe im Inland.

Forster könnte sich vorstellen, 6 von den 32 F/A-18-Fliegern auch für die Patrouille Suisse einzusetzen, ohne diese aber rot-weiss anzumalen. Problematisch sei einzig, dass man diese Flieger einer grösseren Belastung aussetzen würde. «Es stellt sich die Frage, ob man sich das bei einer so kleinen Flotte leisten will», sagt Forster.

Politische Unterstützung bietet SVP-Nationalrat Thomas Hurter: «Die Patrouille Suisse ist ein Brand und ein Aushängeschild, die das Können und die Präzision unserer Piloten über die Schweizer Grenzen hinweg vermarkten.» Im Rahmen der Gesamterneuerung der Luftwaffe müssten Optionen geprüft werden, damit die Patrouille Suisse weiter abheben könne. «Wir dürfen jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern müssen nach Lösungen suchen.»

Hurter ist überzeugt, dass das Parlament Hand bieten wird. Als Bundesrat Ueli Maurer vor über einem Jahr ankündigte, die Patrouille Suisse abzuschaffen, regte sich im Parlament Widerstand von rechts bis links.

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