Aktualisiert 07.11.2019 12:53

Detektiv gegen FCL-Aktionäre«Es wird schmutzig und eine Ehe geht zu Bruch»

Der Streit um Macht und Aktien beim FCL eskaliert: Investor Bernhard Alpstaeg hetzte den anderen Verwaltungsräten angeblich einen Privatdetektiv auf den Hals und droht ihnen massiv.

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mme
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Bernhard Alpstaeg, Mehrheitsaktionär beim FCL, sagte laut einem Bericht der «Luzerner Zeitung»: «Ich weiss, dass es schmutzig wird. Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, habe sämtliche E-Mails auswerten lassen.» Sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen, werde deshalb «ganz viel Dreck an die Oberfläche gespült, eine Ehe geht in die Brüche, und es werden sexuelle Verfehlungen bekannt».

Bernhard Alpstaeg, Mehrheitsaktionär beim FCL, sagte laut einem Bericht der «Luzerner Zeitung»: «Ich weiss, dass es schmutzig wird. Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, habe sämtliche E-Mails auswerten lassen.» Sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen, werde deshalb «ganz viel Dreck an die Oberfläche gespült, eine Ehe geht in die Brüche, und es werden sexuelle Verfehlungen bekannt».

Keystone/urs Flueeler
Wenig später hätten die vier Aktionäre Sawiris, Schmid, Marco Sieber (Bild) und Bieri sich beraten, wie sie mit Alpstaegs Drohung nun umgehen sollen.

Wenig später hätten die vier Aktionäre Sawiris, Schmid, Marco Sieber (Bild) und Bieri sich beraten, wie sie mit Alpstaegs Drohung nun umgehen sollen.

Keystone/urs Flueeler
«Über die Detektiv-Aussage und die Drohung, Privates öffentlich zu machen, haben wir eigentlich eher gelacht. Schwerer wog für uns die Prozessdrohung gegen den FCL», werden Hans Schmid (Bild) und Sieber in der «Luzerner Zeitung» zitiert.

«Über die Detektiv-Aussage und die Drohung, Privates öffentlich zu machen, haben wir eigentlich eher gelacht. Schwerer wog für uns die Prozessdrohung gegen den FCL», werden Hans Schmid (Bild) und Sieber in der «Luzerner Zeitung» zitiert.

Jetzt ist bekannt, wie FCL-Stadionbesitzer und -Investor Bernhard Alpstaeg zu seiner Aktienmehrheit mit 52 Prozent gekommen sein soll: Er habe die Aktionäre massiv unter Druck gesetzt, um zu seiner Aktienmehrheit zu gelangen, schreibt die «Luzerner Zeitung».

Anfang 2019 haben die Verwaltungsräte Samih Sawiris, Hans Schmid, Marco Sieber und Josef Bieri einen Anwalt damit beauftragt, die Interessen der FCL Holding AG gegen Mit-Verwaltungsrat Alpstaeg wahrzunehmen. Der Anwalt traf sich mit Alpstaeg. Dabei habe ihm Alpstaeg gesagt, er habe eine Klage vorbereitet, um auf dem Gerichtsweg zu seinen Aktien zu kommen. Laut dem Anwalt habe Alpstaeg dann auch folgendes gesagt: «‹Ich weiss, dass es schmutzig wird. Ich habe einen Privatdetektiv engagiert, habe sämtliche E-Mails auswerten lassen.›»

Sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen, werde deshalb «‹ganz viel Dreck an die Oberfläche gespült, eine Ehe geht in die Brüche, und es werden sexuelle Verfehlungen bekannt›», zitiert der Anwalt den Wortlaut von Alpstaeg weiter. Der Anwalt weiter: «Es war mir bewusst, dass die Aussagen Alp­staegs auch strafrechtlich relevant sein könnten.»

«Über den Detektiv haben wir eher gelacht»

Wenig später hätten die vier Aktionäre Sawiris, Schmid, Sieber und Bieri sich beraten, wie sie mit Alpstaegs Drohung nun umgehen sollten: «Über die Detektiv-Aussage und die Drohung, Privates öffentlich zu machen, haben wir eigentlich eher gelacht», werden Schmid und Sieber in der «Luzerner Zeitung» zitiert. Und weiter. «Schwerer wog für uns die Prozessdrohung gegen den FCL.»

Alpstaeg macht seine Drohung wahr und reicht Klage beim ­Bezirksgericht Luzern ein. Am 23. Februar sagte er den anderen Aktionären, er werde sich nicht an einer Defizitbeteiligung einbringen, solange er nicht offiziell im Besitz der ehemaligen Aktien (25 Prozent) von Ex-Präsident Walter Stierli sei. Laut dem Zeitungsbericht willigten die übrigen Aktionäre ein, Alpstaeg wurde so zum Mehrheitsaktionär. Dieser zog dafür seine Klage zurück. «Uns blieb nichts anderes übrig als einzulenken», so Marco Sieber.

«Diese gnadenlose Härte ...»

Wie die «Luzerner Zeitung» weiter schreibt, könnte es sich «bei Alpstaegs drohenden Aussagen um Nötigung handeln und zwar auch auf der persönlichen Ebene. Aus strafrechtlicher Sicht wäre das ein Offizialdelikt.» Aktionär Marco Sieber wurde gefragt, wieso er nicht umgehend Anzeige erstattet habe: «Ich empfand das auch als Drohung der Familie gegenüber. Diese gnadenlose Härte ... Eine Klage behalte ich mir immer noch vor. Wir mussten eine Güterabwägung vornehmen. Die Wahrscheinlichkeit eines massiven Schadens für den Klub aufgrund eines langen Rechtsstreits war zu hoch. Uns waren die Hände gebunden.»

Und Aktionär Hans Schmid antwortete: «Wir gaben auch dem Frieden zuliebe nach. Und sagten uns, er müsse ja dann in Zukunft 52 Prozent der Kosten übernehmen.»

Alpstaeg will jetzt kein Geld mehr geben

Im Verwaltungsrat sitzen übrigens Sawiris, Schmid und Sieber nicht mehr – genau so wie ihr Gegenspieler Alpstaeg. Auf Geld von diesem darf der FCL nicht mehr hoffen: In seinem Rücktrittsschreiben hielt er fest, «dass mit einer weiteren finanziellen Unterstützung von meiner Person nicht gerechnet werden kann».

Die Staatsanwaltschaft wird derzeit nicht aktiv wegen Alpstaegs Aussagen. Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Stawa, sagte zu 20 Minuten: «Wir haben keine Anzeige und somit auch kein Verfahren.»

Auch der FCL selber wird keine rechtlichen Schritte einleiten, sagte Mediensprecher Markus Krienbühl. Zur Situation sagt er:

«Wir bedauern, dass das jetzt über die Medien ausgetragen wird und sehen den Schaden für unseren Klub. Wir finden, das ist kein zielführender Weg, um eine Lösung zu finden.»

Offen ist, wie es jetzt weitergeht. Obwohl nicht mehr im Verwaltungsrat, besitzen Sawiris, Schmid und Sieber zusammen 34,1 Prozent der Aktien und Alpstaeg 52 Prozent. Sicher ist derzeit nur eines: Am Samstag spielt der FC Luzern Fussball. Daheim gegen Servette in der Swissporarena, die Bernhard Alpstaeg gehört.

Muss die Staatsanwaltschaft aktiv werden?

Strafrechtler Felix Bommer von der Universität Zürich sagt, dass Nötigung sehr wohl ein Offizialdelikt sei, welches von Amtes wegen verfolgt werden muss, das gelte auch für nur versuchte Nötigung. Dennoch könne aufgrund von Alpstaegs vorliegenden Aussagen nicht beurteilt werden, ob hier eine Nötigung oder eine versuchte Nötigung vorliege. Die Aussage ist zweideutig und bleibt im Ungefähren", so Bommer. Es sei auch nicht klar, ob hier eine Drohung vorliegen könnte. Und selbst wenn, müsse die Staatsanwaltschaft nicht von sich aus aktiv werden, da Drohung ein Antrags- und kein Offizialdelikt ist.

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