Maschine gekidnappt: «Jetzt entführt man für Asyl schon Flugzeuge»
Aktualisiert

Maschine gekidnappt«Jetzt entführt man für Asyl schon Flugzeuge»

Für SVP-Mann Peter Föhn zeigt das Vorgehen des äthiopischen Entführers, dass die Schweiz als Asylland zu attraktiv ist. Linke Politiker widersprechen: Das sei ein Einzelfall.

von
Camilla Alabor

Ein Äthiopier hat gestern Morgen einen eher aussergewöhnlichen Weg gewählt, um in der Schweiz ein Asylgesuch zu stellen. Der Kopilot hätte ein Flugzeug der Ethiopian Airlines nach Rom fliegen sollen, landete aber stattdessen in Genf. Einmal gelandet, kletterte er aus dem Cockpit-Fenster und bat um Asyl.

Das Vorgehen des 31-Jährigen stösst bei SVP-Ständerat Peter Föhn auf wenig Verständnis. «Jetzt entführt ein Pilot schon sein Flugzeug, um in der Schweiz Asyl zu erschleichen», sagt der Schwyzer. «Das zeigt, dass die Schweiz als Asylland immer noch zu attraktiv ist.» Parteikollege Alfred Heer pflichtet ihm bei: «Anscheinend weiss man weitherum, dass die Schweiz ein Paradies für Asylbewerber ist.» Schliesslich hätte der Mann auch in Italien um Aufnahme bitten können, so Heer. Ständerat Föhn kann den Schritt umso weniger nachvollziehen, als der Entführer als Pilot in seinem Land hohes Ansehen genossen habe.

«Ein Pilot ist kein Asylant»

«Diesen Herrn sollte man innert Tagen zurückschicken, falls er keinen guten Grund hat, hierzubleiben», sagt Föhn. Es brauche jetzt ein Zeichen nach aussen. «Ein Pilot, der ein Flugzeug fliegen kann, ist kein Asylant.» Der SVP-Politiker fordert, das bestehende Asylgesetz in aller Härte umzusetzen. Trotz der kürzlichen Revision sei das Gesetz immer noch zu lasch: «Der Fall zeigt, dass man weitere Verschärfungen vornehmen sollte.»

Vorsichtiger beurteilen linke und grüne Politiker die Situation. «Natürlich ist die Schweiz ein attraktiver Ort für viele Asylbewerber», sagt der grüne Nationalrat Louis Schelbert. Doch wisse man nichts über die Motive des Piloten, in die Schweiz zu kommen. Der Entführer selber sagte nur, er werde in seiner Heimat bedroht. Schelbert hält nichts von weiteren gesetzlichen Massnahmen. «Wir haben eben erst über eine verschärfte Version abgestimmt.» Aus diesem Einzelfall auf alle Asylbewerber schliessen zu wollen, sei absurd. Nicht zuletzt, weil im letzten Jahr gerade einmal in 15,4 Prozent aller Fälle Asyl gewährt wurde.

Befristetes Visum statt schärferer Gesetze

«Solange die Unterschiede zwischen Afrika und Europa so gross sind, solange wird es Migration geben», sagt Schelbert. Um dieses Problem zu entschärfen, brauche es andere Lösungen. Er verweist auf eine Motion seines Parteikollegen Geri Müller. Dieser schlägt vor, armen Migranten in einem Pilotprojekt die Möglichkeit zu geben, für eine bestimmte Dauer in der Schweiz zu arbeiten – mit der Verpflichtung, nach dem Ende der Frist nach Hause zurückzukehren.

Auch SP-Nationalrätin Bea Heim findet die Forderung nach strengeren Gesetzen unangebracht. «Wir haben die letzten zehn Jahre nichts anderes gemacht, als das Gesetz zu verschärfen.» Das zeige schon, dass das alleine nicht reiche. Sie glaubt zudem, dass selbst weitere Massnahmen den Entführer nicht davon abgehalten hätten, in der Schweiz zu landen. «So lange die Situation für Asylbewerber in Italien schwierig ist, werden wohl viele versuchen, dort Schutz zu finden, wo sie eine menschenwürdige Unterkunft erhalten.»

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