Aktualisiert

Zollbrück BEJetzt ermittelt die Polizei gegen den Rassisten

Ein Berner beschimpfte bei einer Autowaschanlage einen dunkelhäutigen Mann aufs Übelste. Die Kapo Bern hat nun die Ermittlungen aufgenommen.

von
pam/fur
1 / 4
Bei Zollbrück BE wurde letzte Woche ein dunkelhäutiger Mann beim Autowaschen aufs Übelste angefeindet.

Bei Zollbrück BE wurde letzte Woche ein dunkelhäutiger Mann beim Autowaschen aufs Übelste angefeindet.

Screenshot
Der Täter stellte das Video ins Netz. Seither kursiert es in der ganzen Schweiz.

Der Täter stellte das Video ins Netz. Seither kursiert es in der ganzen Schweiz.

Screenshot
Ein Leser-Reporter, der das Video von einem Freund per Whatsapp erhielt, ist empört. «Es ist unglaublich, dass eine Person aufgrund ihrer Hautfarbe im Alltag so behandelt wird.»

Ein Leser-Reporter, der das Video von einem Freund per Whatsapp erhielt, ist empört. «Es ist unglaublich, dass eine Person aufgrund ihrer Hautfarbe im Alltag so behandelt wird.»

Screenshot

Nach der Rassismus-Attacke in Zollbrück BE ermittelt die Polizei gegen den Urheber des Videos. «Wir haben Kenntnis von diesem Video und es wurden Abklärungen aufgenommen», sagt Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern zu 20 Minuten. Dabei gelte es, nicht nur die Urheberschaft zu klären, sondern auch, ob und inwiefern Straftatbestände vorlägen. «Diese Ermittlungen sind noch im Gang.»

Die Untersuchungen ausgelöst hat ein rassistisches Video, das ein Berner in den sozialen Medien verbreitete. Darauf ist zu sehen, wie ein dunkelhäutiger Mann, der gerade seinen Offroader an der Agrola-Waschanlage in Zollbrück BE reinigt, übelst beleidigt wird. «Schau an, dieser Scheissn***r, da singt er ein bisschen, der Löl», kommentiert der Macher des Videos in Berner Dialekt. «Das ist Afrika, hä. Du Cheib hast es schon schön», ruft er dem Mann zu (siehe Screenshots oben). Entstanden ist das Video letzte Woche.

Der Vorfall sorgt in den sozialen Medien für Aufruhr. Ein Leser-Reporter, der das Video von einem Freund per Whatsapp erhielt, ist empört. «Es ist unglaublich, dass eine Person aufgrund ihrer Hautfarbe im Alltag so behandelt wird.» Und dass man die Szene dann noch ins Netz stelle, zeuge von «unterirdischem Niveau».

Video erfüllt Rassismus-Strafnorm

Was der Macher des Videos nicht bedachte: Er filmte auch das Nummernschild des von ihm verwendeten Fahrzeugs. Laut Recherchen ist das Auto auf eine Schreinerei in der Umgebung zugelassen. Der Geschäftsführer der Firma sagt auf Anfrage von 20 Minuten, er sei schockiert darüber, dass er mit den unsäglichen rassistischen Äusserungen in Verbindung gebracht werde.

«Werde nun Konsequenzen ziehen»

«Das Auto habe ich letzte Woche zur Reparatur in die Garage gegeben», erklärt er. Während dieser Zeit habe das Auto niemand aus seiner Firma benutzt. Die Person, die das Video gemacht habe, habe er aber aufgrund der Stimme erkannt. «Ich werde nun nach Rücksprache die Konsequenzen ziehen.»

«Das ist eindeutig rassistisch»

Herr Ugochukwu, wie beurteilen Sie den Vorfall?

Das ist klar ein rassistisches und erniedrigendes Video. Es erfüllt eindeutig die Vorgaben der Rassismusstrafnorm. Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, muss das Opfer nicht mal zwingend selbst Anzeige erstatten, sondern die Behörden müssen ermitteln, sobald sie Kenntnis des Videos haben. Dies dürfte der Fall sein, wenn das Video bereits auf Social Media kursiert.

Was geht in jemandem vor, der sich so äussert und das noch auf Video festhält?

Das ist schwer zu sagen. Womöglich geht es ihm darum, sich selber überlegen zu fühlen, indem er andere Menschen herabsetzt. Eines ist sicher, er hat sich mit diesem Video auf ein sehr tiefes Niveau begeben und soll sich riesig schämen.

Betrachten solche Leute Rassismus als Kavaliersdelikt? Viele Rassismus-Vorfälle werden nicht gemeldet oder verfolgt. Das führt dazu, dass sich die Täter sicher fühlen und wie in diesem Fall sogar Videos in der Öffentlichkeit drehen und im Netz verbreiten. Meine Empfehlung ist, dass die Behörden solche Kriminelle konsequent verfolgen. Sonst riskieren wir, dass in Zukunft sich Opfer in Selbstjustiz versuchen.

Betrachten solche Leute Rassismus als Kavaliersdelikt? Viele Rassismus-Vorfälle werden nicht gemeldet oder verfolgt. Das führt dazu, dass sich die Täter sicher fühlen und wie in diesem Fall sogar Videos in der Öffentlichkeit drehen und im Netz verbreiten. Meine Empfehlung ist, dass die Behörden solche Kriminelle konsequent verfolgen. Sonst riskieren wir, dass in Zukunft sich Opfer in Selbstjustiz versuchen.

Das Opfer bleibt während des heftigen Angriffs ruhig. Der Filmer fragt, ob er denn auch bezahlt habe, oder ob er es mache wie in Afrika. Was sagt das über den Täter aus?

Der Mann hat wohl nicht genau verstanden, mit welchen üblen rassistischen Aussagen ihn der Filmer eindeckt. Ansonsten wäre er kaum so ruhig geblieben. Anhand der rassistischen Vorurteile, die der Macher des Videos ausspricht, sieht man, dass er wohl noch nie in einem afrikanischen Land war. Er hat keine Ahnung, wovon er spricht. Er stützt seine Annahmen über «Afrika» auf absurde Vorurteile. Wäre er einmal in einem afrikanischen Land gewesen, wüsste er beispielsweise, dass man dort beim Autowaschen im Voraus bezahlt.

*Celeste Ugochukwu ist Leiter Kommunikation des Afrikanischen Diaspora-Rates Schweiz.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.