Aktualisiert 23.09.2011 10:25

Timm Klose«Jetzt fehlt nur noch mein erstes Bundesliga-Tor»

Am Samstag trifft Timm Klose mit dem 1. FC Nürnberg auf Gladbach. Im Interview spricht der Verteidiger über das Kopfball-Pendel und über Avancen des Deutschen Fussball-Bundes.

von
S. Compagno
Timm Klose (r.) im Bundesligaspiel gegen Hannovers Mohammed Abdellaoue.

Timm Klose (r.) im Bundesligaspiel gegen Hannovers Mohammed Abdellaoue.

20 Minuten: Timm Klose, Sie und Lucien Favre sind die Aufsteiger der Bundesliga-Saison. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?

Timm Klose: Ich bin beeindruckt von der Arbeit von Lucien Favre, und nicht erst seit dieser Saison. Er hat ja schon seit Jahren Erfolg: früher beim FCZ, wo er zweimal Meister wurde, später mit Hertha Berlin. Der Fussball, den er spielen lässt, ist nicht immer attraktiv, aber seine Arbeit ist richtig gut, und der Erfolg gibt ihm recht.

Und Sie?

Ich freue mich natürlich über meinen derzeitigen Stammplatz. Ich will hier in Nürnberg Erfolg haben, gleichzeitig aber auch mit Freude auflaufen. Dass ich meinen Platz in der Abwehr seit Saisonbeginn halte, hat sicher auch damit zu tun, dass ich im Training jeden Tag hart dafür arbeite.

Sie besitzen neben dem Schweizer auch einen deutschen Pass. Ihr einziges Länderspiel war kein Wettbewerbsspiel, sondern ein Test gegen Liechtenstein. Noch dürfen Sie also für Ihr Vaterland Deutschland spielen – ein Thema?

Es gab im Frühjahr Gespräche mit dem Deutschen Fussball-Bund, aber nichts Konkretes. Käme ein Aufgebot des DFB, müsste ich mir das sicher gut überlegen. Aber so, wie die Dinge jetzt stehen, würde ich mich wohl für die Schweiz entscheiden.

Der 1. FC Nürnberg war über Jahre ein klassischer Lift-Klub. Die letzte Saison beendeten die Franken im vorderen Mittelfeld, jetzt liegen Sie auf Platz 8. Wohin richten sich die Blicke: nach vorne in Richtung nach Europa oder doch eher nach hinten?

Für den Verein zählt in erster Linie, dass wir so schnell wie möglich mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Die Situation ist vergleichbar mit dem FC Thun in der letzten Saison: Dort wussten wir anfänglich auch nicht, wohin die Reise geht. Aber als Spieler schaue ich lieber nach vorne. Das hat wohl mit meiner Herkunft zu tun: Als FCB-Junior lernst du das. Du willst jedes Spiel gewinnen. Das geht so weit, dass es nervt, wenn du ein kleines Trainingsspielchen verlierst. Ich verliere nicht mal gerne im Backgammon.

Fehlt noch Ihr erstes Bundesliga-Tor. Ihr Trainer Dieter Hecking soll für Sie und Ihren Innenverteidiger-Kollegen Philipp Wollscheid das gute, alte Kopfball-Pendel wieder in Betrieb genommen haben.

Ja, wir haben so eines rumstehen. Im Training klappt es mit dem Toreschiessen auch schon recht gut. Ich mache mir keinen Druck, aber ich bin heiss auf mein erstes Tor in der Bundesliga. Philipp hat schon getroffen – das ist ein geiles Gefühl.

Wo das Tor steht, wissen Sie als ehemaliger Stürmer. Warum sind Sie eigentlich in die Abwehr gegangen?

Als ich nach der U16 vom FC Basel zu den Old Boys zurückkehrte, wollte ich eine Position, die weniger anstrengend ist. Ich ging davon aus, dass ich als Verteidiger weniger laufen müsse.

Das klingt jetzt eher mässig ambitioniert.

(lacht) Der Traum vom Profi war mit dem Abschied vom FCB plötzlich recht weit weg. Ich musste abwägen, ob ich eher auf die Schule oder doch weiter auf den Fussball setzen sollte.

Und Sie entschieden sich für den Fussball.

Marco Walker und Patrick Rahmen fanden damals, ich hätte das Potenzial als Profi-Fussballer und holten mich von den Old Boys zum FCB zurück. Ich habe darauf den Schritt von der 1. Mannschaft der Old Boys in die Basler U21 gewagt, ohne aber ein richtiges Profi-Leben zu führen.

Konkret?

Ich war nicht immer der Pünktlichste im Training und hatte einen eher lockeren Lebensstil. U21-Trainer Patrick Rahmen hat mich mehr als einmal zusammengestaucht. Aber das war wohl nötig und auch richtig. Es hat mich als Mensch und als Spieler stärker gemacht. Heute sind wir gute Freunde.

Kommen Sie in Nürnberg auch ab und zu etwas zu spät ins Training?

Auf keinen Fall! Wenn man sich das hier erlaubt, ist man schnell weg vom Fenster. Ich bin morgens immer schon sehr beizeiten unterwegs.

Stimmt es, dass Sie zur Zeit nicht ganz freiwillig mit dem Velo ins Training fahren?

Leider ja. Ich bin noch zu meiner Zeit beim FC Thun in der Rush-Hour einem anderen Auto etwas zu nahe aufgefahren und musste das Billett für ein paar Wochen abgeben. Die letzten Tage war es schon recht frisch frühmorgens auf dem Velo.

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