21.09.2020 15:28

Milch retten statt wegschüttenJetzt fliegt die mobile Käserei zu den Älplern

Ein Zürcher Start-up will Alpenmilch retten. Die Firma fliegt mobile Käsereien zu Älplern, damit sie die Milch dort verarbeiten können, wo die Infrastruktur fehlt. Statt Milch wegzuschütten, machen sie Käse der Marke Cheesus daraus.

von
Fabian Pöschl

Darum gehts

  • Manche Älpler mussten ihre Milch teils wegschütten, weil sie sie nicht ins Tal zur Käserei bringen konnten.
  • Zwei Geschwister gründeten deshalb ein Start-up.
  • Sie bringen mobile Käserei-Container per Heli auf die Alpen.

Die beiden Älpler Patrick Peer und Daniel Menzi standen vor einem grossen Problem: Weil die Alp Meeren im Kanton Glarus abgelegen liegt und nur zu Fuss erreichbar ist, konnten sie die Milch nur mit grossem Aufwand in die Industrie bringen. So gelangte nur ein kleiner Teil der Milch ins Tal, den Rest gaben sie den Schweinen und schütteten auch einen Teil weg.

Darum kommt die Alpenmilch nicht ins Tal

Der Alpaufzug ist ein feierlicher Brauch. Dann zieht das Weidevieh in einem langen Marsch vom Tal in die Bergweiden. Während die Kühe auf der Alp sind, produzieren sie weiter Milch. Doch die Infrastruktur zur Käseproduktion ist auf der Alp oftmals entweder nicht vorhanden, veraltet oder genügt nicht den hygienischen Ansprüchen. Ausserdem ist der Marsch zur Käserei ins Tal manchmal nur zu Fuss möglich und deshalb lang und beschwerlich.

Das wollten die Älpler ändern, indem sie die Milch vor Ort verarbeiten. Sie hatten die Idee einer mobilen Käserei und holten die Unternehmerfamilie Zumstein an Bord. Sie liessen vergangenen Sommer die mobile Käserei in einem Container per Helikopter auf die Alp fliegen und sie ging in Testbetrieb.

Die Zumsteins gründeten das Start-up Monalp, das die Container zur kostenlosen Nutzung auf die Alpen fliegt. Nun bekommt es Anfragen von Bauern aus fast jedem Kanton, wie Mitgründerin Aileen Zumstein zu 20 Minuten sagt. «Viele Älpler haben eine veraltete oder keine Käserei-Infrastruktur. Manche arbeiten noch am offenen Feuer. Andere wollen ihre hochwertige Milch nicht für die Industrie hergeben.»

Älplerin mit 25 Jahren Erfahrung ist begeistert

Mittlerweile transportierte Monalp eine weitere Pop-up-Käserei zur Alp Nünenen im Berner Gantrischgebiet. Diesen Sommer ist dort erstmals Sarah Gross tätig. Sie hat zwar 25 Jahre Erfahrung als Älplerin, konnte auf der Nünenen aber wegen der fehlenden Infrastruktur keinen Käse produzieren, wie sie zu 20 Minuten sagt.

Darum ist die Älplerin begeistert vom Container: «Die mobile Käserei bietet nur Vorteile. Ich konnte die Einrichtung mitbestimmen, habe darin mehr Platz als in einer altmodischen Käserei und geniesse wegen der vielen Fenster viel Sonnenlicht beim Arbeiten.»

Die Box steht noch bis Ende Monat auf der Alp Nünenen, das heisst so lange, bis auch die Kühe von der Alp ins Tal zurückkehren. «Dann habe ich allen Käse produziert und kann ihn zu einem fairen Preis an Monalp verkaufen», so Gross. Sie habe zwar noch keine Abschlussrechnung erhalten, die Wertschöpfung sei aber «garantiert höher, als wenn ich die Milch verkaufe».

Anfragen aus Deutschland, Peru und Neuseeland

Monalp verkauft den von den Bauern produzierten Alpkäse schliesslich unter der Marke Cheesus Alpkäse an Läden, Restaurants, Hotels und Grosshandel sowie online. «Wir spüren eine grosse Nachfrage von Händlern und Kunden, weil es nichts Vergleichbares gibt. Sie finden den lokalen, nachhaltigen Ansatz gut», so Zumstein.

Zudem sieht sie noch viel Potenzial. «Nur etwa 3 Prozent des produzierten Käses in der Schweiz ist Alpkäse.» Auch aus dem Ausland kämen Anfragen, etwa von Kunden aus Deutschland. Zudem habe sich auch schon ein Hilfsprojekt für peruanische Bauern in den Anden und Bauern in Neuseeland bei ihnen gemeldet.

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149 Kommentare
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Einervonwenigen

22.09.2020, 12:01

Also kurz eine Aufklärung: Alpmilch wird über 1300m in reinen Sommerbetrieben gewonnen. Alpkäse muss im Alpgebiet aus 100% Alpmilch hergestellt werden, muss aber nur bis ins Salzbad im Alpgebiet bleibeb, reifen kann er irgendwo. Helikopter kosten An plus Rückflug irgendwo um die 600Fr plus 60-100 pro Minute, so ein Transport würde je nach distanz 5-10 Minuten in Anspruch nehmen. Wenn da 2-3 Kontainer an den selben Ort gehen ist der Verbrauch und die Kosten sehr gering. Ein Bau einer Käserei würde da das 10-100 Fache an Resourcen verschlingen. Die Landwirtschaft pflegt rund die 40 fache Fläche gegenüber der Autobahnwiesen, kostet aber 3 mal weniger. Die Alpwirtschaft übernimmt einen Grossteil der Wanderweg Pfelege. Der Lohn auf der Alp bewegt sich irgendwo um den Minimumslohn,teils auch weniger, bei 14h/7 Tage Woche. Nur so 2,3 Inputs die etwa 50% der hier unnötigen Komentare vermeiden können.

Zyniker

22.09.2020, 07:39

Und der Käse rollt dann von alleine den Berg runter?

Peter w

21.09.2020, 19:20

Mobiles verarbeiten von Nahrungsmitteln ist immer noch eine gute Sache besser als weit entfernt zu verarbeiten. Schlachtet am besten auch vor Ort und mobil.