Neue Taktik: Jetzt gehen Skimmer auf Tankstellen los
Aktualisiert

Neue TaktikJetzt gehen Skimmer auf Tankstellen los

Die neuen Sicherheitstools der Banken scheinen zu fruchten: Im letzten Jahr wurden deutlich weniger Bancomaten manipuliert. Dafür setzen Betrüger jetzt auf Tankautomaten.

von
dwi

Tankstellen-Terminals statt Bancomaten: Während die Anzahl manipulierter Bancomaten in der Schweiz von 489 im Jahr 2011 auf 177 im vergangenen Jahr gesunken ist, haben sich die Skimmingfälle bei Tankautomaten und Zahlterminals gehäuft. Betroffen sind SBB-Automaten und Kassen bei Detailhändlern.

Auch Türöffnungssysteme wurden im letzten Jahr öfters manipuliert. Das Ziel der Betrüger: Daten klauen, Bankkarten kopieren. Die Zahl der von der Transaktionsverarbeiterin SIX registrierten Fälle ist von 58 auf 87 geklettert. Doch die Banken haben bereits reagiert und die Systeme abgebaut. In den letzten drei Monaten des Jahres 2012 wurde deshalb kein Fall mehr registriert.

Mehr Tankstellen betroffen

Doch kaum wird den Betrügern eine Taktik erschwert, finden die Diebe einen neuen Weg. Stark zugenommen haben 2012 die Skimmingfälle bei Tankstellen, besonders bei den nicht überwachten. Hier stieg die Zahl der Manipulationen von SIX betriebenen Zahlterminals von 11 auf 93. Ebenfalls betroffen sind Terminals in Detailläden. Hier kletterte die Zahl von 4 auf 18.

Diebe manipulieren die Terminals aber nicht etwa während des Einkaufs - zu auffällig wäre das Herumhantieren an der Kasse. «Die Betrüger lassen sich über Nacht im Laden einschliessen und nehmen sich dann in Ruhe den Zahlenterminal an der Kasse vor», sagt SIX-Sprecher Bernhard Wenger. Nach wenigen Tagen würden die Diebe zurückkommen und über Nacht die Vorrichtungen abmontieren. Besonders geeignet dafür sind deshalb Bau- oder Gartencenter.

Betrüger beziehen im Ausland Geld

Alles in allem stieg damit die Zahl der «übrigen manipulierten Automaten und Zahlterminals» im letzten Jahr von 97 auf 192. Zieht man davon die 93 Vorfälle bei Tankstellen und die 18 Vorfälle bei den Detailhändlern ab, so bleiben 81 Manipulationen übrig, die unter anderem Skimmingfälle bei den SBB-Automaten betreffen. Dabei handelt es sich um Automaten im Aussenbereich.

Beim Skimming beschaffen sich Übeltäter mit Lesegeräten die Daten von Debit- und Kreditkarten, um Kopien davon herzustellen. Mit dem ausspionierten PIN-Code beziehen sie damit später im Ausland Geld. Registriert SIX einen verdächtigen Bezug, wird die Karte sofort gesperrt. Sobald der manipulierte Bancomat lokalisiert wird, werden Bankkunden daran gehindert, dort Geld abzuheben. (dwi/sda)

So schützen Sie sich gegen Skimming

Gemäss SIX-Sprecher Bernhard Wenger sei es unabdingbar, jegliche Karten mit einem PIN-Code zu schützen. «Ohne PIN nützt die Kopie der Bankkarte den Skimming-Betrügern nichts.» Wichtig sei ausserdem eine regelmässige Kontrolle des Bankauszugs. «Sobald Unregelmässigkeiten entdeckt werden, müssen diese gemeldet werden», sagt Wenger. Eine weitere Möglichkeit ist das Geoblocking: Bezüge können für bestimmte Länder eingeschränkt oder gesperrt werden.

Gelingt den Betrügern der Zugang zum Bankkonto trotzdem, ist nicht der Kunde der geprellte - wenn die Sorgfaltspflicht eingehalten wird, haftet die Bank, sagt Wenger.

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