Spitzkegeliger Kahlkopf: «Jetzt gehen wir wieder auf Zauberpilz-Suche»

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Spitzkegeliger Kahlkopf«Jetzt gehen wir wieder auf Zauberpilz-Suche»

Im Berner Jura suchen momentan viele wieder bewusst nach Drogenpilzen. Der Konsum birgt aber Risiken – und es gibt noch ein anderes Problem.

von
cho
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Der Rauschpilz Spitzkegeliger Kahlkopf ist in der Schweiz weit verbreitet.

Der Rauschpilz Spitzkegeliger Kahlkopf ist in der Schweiz weit verbreitet.

Wikipedia / Velghe Dimitri
Wegen der Substanz Psilocybin wirkt er euphorisch und halluzinogen.

Wegen der Substanz Psilocybin wirkt er euphorisch und halluzinogen.

Wikipedia / Patrick Ullrich
Experten raten jedoch vom Konsum der kleinen Pilze ab.

Experten raten jedoch vom Konsum der kleinen Pilze ab.

Wikipedia / Ko

Der Herbst hat begonnen und mit ihm die Pilzsaison. Sammler im ganzen Land werden in den nächsten Wochen ihre Körbe füllen. Unter ihnen ist auch A. I.* Die 32-Jährige geht regelmässig im Berner Jura auf Pilzsuche, jedoch halten ihre Augen nur nach ganz bestimmten Pilzen Ausschau: dem Spitzkegeligen Kahlkopf. Dieser Pilz zählt zu den potentesten halluzinogenen Arten – und spriesst jetzt wieder in vielen Feldern, wie I. sagt: «Jetzt ist der Zeitpunk ideal um wieder auf Zauberpilz-Suche zu gehen.»

«Wenn ich die Pilze esse fühle ich mich leicht und lustig. Manchmal habe ich sogar Halluzinationen», so I. Sie gehe oft mit Freunden zusammen: «Wir essen die Pilze meist gleich an Ort und Stelle und flashen es dann in der Natur.» Wenn sie alleine gehe, nehme sie die Zauberpilze mit nach Hause und trockne sie dort. Den genauen Fundort will die Seeländerin nicht verraten, nur so viel: Rund um Tramelan würden oft Hippies durch die Felder streifen.

Unbeliebt bei Kontrollstellen

Der Psilocybe semilanceata, so der Fachausdruck, ist nicht nur den Blumenkindern ein Begriff, auch Pilzkontrolleuren ist er bestens bekannt – und ein Dorn im Auge, wie Jean-Claude Michel sagt: «Wenn jemand mit den Pilzen zu mir kommt, halte ich sie zurück und vernichte sie.» Er arbeitet seit 30 Jahren als Pilzkontrolleur und war Präsident der Vereinigung Amtlicher Pilzkontrolleure der Schweiz. Schliesslich seien das Giftpilze. Michel findet, dass Pilzkontrollstellen den Konsum dieser Pilze nicht noch unterstützen sollten.

Drei-Tage-Rausch und Flashbacks

Auch die Gift-Informationsstelle Toxinfo Suisse rät vom Verzehr der Zauberpilze ab. Oberärztin Cornelia Reichert warnt, dass die Substanz Psilocybin nicht nur euphorisch wirkt und Halluzinationen auslöst: «Konsumenten können stattdessen auch Angstzustände bekommen – sogenannte Horrortrips.» Ausserdem könnten die Rauschzustände sehr lange dauern: «Einige Konsumenten berichteten, dass sie die Wirkung drei Tage lang spürten.» Andere hätten über Flashbacks geklagt: «Auch mehrere Monate später können die Konsumenten Halluzinationen plötzlich wiedererleben ohne erneut Drogen eingenommen zu haben.»

Weiter gibt Reichert zu bedenken, dass es um ein Naturprodukt handle, niemand könne die Pilze genau dosieren. Die Menge Psylocybin pro Pilz sei variabel: «Es ist möglich, dass in einem Pilz viel Psilocybin steckt, im nächsten deutlich weniger.»

Auch Gesetzlich ist dem Konsum Einhalt geboten. Gemäss der Kantonspolizei Bern fällt der Spitzkegeliger Kahlkopf unter das Betäubungsmittelgesetz. Wer ihn sammelt, macht sich strafbar.

Neuer Rauschpilz in der Schweiz

Der Spitzkegeliger Kahlkopf ist in vielen Gebieten der Schweiz anzutreffen. Er ist jedoch nicht mehr der einzige Zauberpilz, der hierzulande wächst. Wie die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL vor wenigen Tagen bekannt gab, trifft man in freier Wildbahn immer öfter auf den Blauender Kahlkopf. «Es ist etwa möglich, dass jemand Reste dieses Drogenpilzes in der Natur entsorgt hat und er darum nun hierzulande Fuss fassen konnte», sagt Ludwig Beenken vom WSL.

* Name geändert

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