Aktualisiert 06.10.2007 05:28

Jetzt gehts den Schweizern an den Kragen

Gestern folgte in den USA das Urteil des ersten Schauprozesses wegen illegaler Musik-Downloads. Ab Dezember will auch die Musikindustrie in der Schweiz gezielt Tauschbörsennutzer einschüchtern.

«Wir gehen ab Dezember mit Strafanzeigen und Schadenersatzklagen gegen Nutzer vor, die illegal kopierte Stücke ins Internet stellen. Wenn wir gezielt gegen solche Leute vorgehen, dürfte es vielen verleiden, geschützte Werke gratis herunterzuladen.» Das sagt Roger Chevallaz von der Schweizer Anti Piracy Federation gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Beflügelt vom Urteil gegen die 30-jährige Amerikanerin Jammie Thomas, die am Freitag von einem US-Gericht verurteilt wurde, macht jetzt auch die Musikindustrie in der Schweiz mobil gegen Tauschbörsennutzer. 9250 Dollar für jeden Song, den sie via der Musiktauschbörse Kazaa heruntergeladen hatte, muss die Amerikanerin berappen.

Mit wie hohen Bussen haben Schweizer nach Ansicht der Musikproduzenten zu rechnen? «Die Eltern eines Jugendlichen, der 1000 Songs und eine Reihe von Filmen getauscht hat, sollen sich darauf einstellen, dass sie bis zu 10 000 Franken Schadenersatz zahlen müssen», droht Chevallaz.

Damit ist klar: Obwohl der Nationalrat in der heurigen Session erneut klar gestellt hat, dass Downloads von Privatpersonen rechtens sind («Wollen sie mit Grossrazzien jeweils die Harddisks der Verbraucher und Verbraucherinnen kontrollieren?»), strebt die Musikindustrie auch hierzulande einen Pilotprozess an, um den Downloadern die Freude an der illegalen Gratismusik zu vergällen. «Richter sollen klären, ob Downloads von einer Website, die erkennbar illegal kopiertes Material bereitsstellt, rechts sind oder nicht», sagt Chevallaz.

Möglich macht es das Prinzip der Tauchbörsen: Wer herunterlädt, stellt die Stücke gleichzeitig anderen Downloadern zur Verfügung. Anders könnten die Filesharing-Netze nicht funktionieren - wo kein Upload, da kein Download. Ob sich die «Tauschbörsianer» davon nachhaltig einschüchtern lassen, ist fraglich. Bislang blieben alle Versuche, die Netze lahmzulegen, erfolglos. Ob der Fall Jammie Thomas daran etwas ändern wird?

(ast)

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