16.09.2020 02:52

Aktion des Verkehrs-ClubsDieser Flyer mit Wolf-Sujet sorgt für Ärger im Abstimmungskampf

Ein Flyer will Schüler dazu animieren, zu Fuss zur Schule zu gehen. Er zeigt auch Kinder, die auf Wölfen reiten. Ein Problem? Darüber ist ein Streit entbrannt.

von
Bettina Zanni
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 Illustriert ist dieser mit Kindern, die begleitet von verschiedenen Tieren auf einem Wolf und einem Hirsch reitend zur Schule pilgern. 

Illustriert ist dieser mit Kindern, die begleitet von verschiedenen Tieren auf einem Wolf und einem Hirsch reitend zur Schule pilgern.

Germano Mattei
 «Zu Fuss in die Schule zu gehen, tut dir und der Natur gut. Hast du für längere Strecken keinen Wolf, Hirsch oder Fuchs zur Verfügung, vergiss das Velo nicht!», steht darin. 

«Zu Fuss in die Schule zu gehen, tut dir und der Natur gut. Hast du für längere Strecken keinen Wolf, Hirsch oder Fuchs zur Verfügung, vergiss das Velo nicht!», steht darin.

Germano Mattei
Der Flyer stammt von der italienischsprachigen Sektion des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS) und macht auf den «Internationalen Tag zu Fuss zur Schule» vom Freitag aufmerksam. Keine Freude an der Illustration haben Wolfsgegner. Sie zeigen damit, wie blank die Nerven vor der Abstimmung zum neuen Jagdgesetz am 27. September im Ja-Lager liegen. 

Der Flyer stammt von der italienischsprachigen Sektion des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS) und macht auf den «Internationalen Tag zu Fuss zur Schule» vom Freitag aufmerksam. Keine Freude an der Illustration haben Wolfsgegner. Sie zeigen damit, wie blank die Nerven vor der Abstimmung zum neuen Jagdgesetz am 27. September im Ja-Lager liegen.

Germano Mattei

Darum gehts

  • Am Freitag findet der «Internationale Tag zu Fuss zur Schule» statt.
  • Die Tessiner Sektion des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS) verteilte den Primarschülern dazu einen farbenfrohen Flyer.
  • Illustriert ist der Flyer mit Kindern, die etwa auf Wölfen reiten.
  • «Den Primarschülern wurden Flyer mit unangemessenen und unpädagogischen Zeichnungen verteilt», kritisiert ein Tessiner Raubtiergegner.

Zahlreiche Tessiner Primarschüler erhielten in den letzten Tagen einen farbenfrohen Flyer. Illustriert ist dieser mit Kindern, die begleitet von verschiedenen Tieren auf einem Wolf und einem Hirsch reitend zur Schule pilgern. «Zu Fuss in die Schule zu gehen, tut dir und der Natur gut. Hast du für längere Strecken keinen Wolf, Hirsch oder Fuchs zur Verfügung, vergiss das Velo nicht!», steht darin.

Der Flyer stammt von der italienischsprachigen Sektion des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS) und macht auf den «Internationalen Tag zu Fuss zur Schule» vom Freitag aufmerksam. Keine Freude an der Illustration haben Wolfsgegner. Sie zeigen damit, wie blank die Nerven vor der Abstimmung zum neuen Jagdgesetz am 27. September im Ja-Lager liegen.

«Unangemessene Informationen»

«Den Primarschülern wurden Flyer mit unangemessenen und unpädagogischen Zeichnungen verteilt», kritisiert Germano Mattei, Co-Präsident des Vereins Lebensraum Schweiz ohne grosse Raubtiere. Im aktuellen Kontext und angesichts der Zunahme von Wölfen in der Schweiz und in Europa um 30 Prozent leuchte ihm nicht ein, wie man solch unangemessene Informationen verbreiten könne.

In einem Brief an die Tessiner Regierung und das Erziehungsdepartement bemängelte er, dass die betreffenden Dokumente auch mit dem offiziellen Logo des Kantons Tessin versehen seien. «Demnach muss man davon ausgehen, dass der Kantonsrat die Kampagne unterstützt und mit den bedenklichen Bildern einverstanden ist.»

«Was stellt man mit öffentlichen Geldern an?»

Mattei fordert einen «sofortigen» Stopp der Kampagne in den Schulen. «Diese beinhaltet lauter Falschinformationen und verdreht die Realität», schreibt er weiter. Die Kinder zum Schulweg zu Fuss zu animieren, sei in Ordnung. «Bilder von Kindern, die auf einem Wolf begleitet von Luchsen reiten, sind nichts anderes als eine gefährliche Falschinformation.» Der VCS Tessin sagt auf Anfrage von 20 Minuten, dass er dazu keinen Kommentar abgeben wolle.

David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, hält die Kritik für lächerlich. «Einmal mehr stürzen sich die Befürworter des revidierten Jagdgesetzes gezielt auf den Wolf», sagt er. Bezeichnend sei, dass der Wolf auf dem Flyer, aber nicht etwa der Hirsch angeprangert werde. «Es ist genauso problematisch, wenn Kinder auf einem Hirsch reiten.» Auch der Hirsch sei kein harmloses Tier und richte übrigens weitaus mehr Schäden an als der Wolf. Wildtiere seien Wildtiere, denen gegenüber die Menschen Respekt zu zeigen hätten.

Abstimmung revidiertes Jagdgesetz

Die Zahl der Wölfe steigt: 2019 lebten in der Schweiz wieder rund 80 Wölfe in acht Rudeln. Am 27. September stimmt das Volk darüber ab, ob die Kantone die Population kontrollieren dürfen. Das neue Jagdgesetz sieht vor, dass Wildhüter unter bestimmten Bedingungen Wölfe auch dann töten dürfen, wenn sie noch keine Schafe angegriffen haben. Die Jagd auf den Wolf bliebe aber verboten. Anders als heute sollen Bauern künftig nur noch Geld für gerissene Schafe erhalten, wenn sie die Tiere geschützt haben. Ausserdem sieht das Gesetz mehr Mittel für den Schutz von Wildtieren vor.

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34 Kommentare
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Sola

17.09.2020, 08:04

Eigentlich bin ich dafür, dass Kantone den Abschuss selber regeln. Also Städter sollten da nicht mitreden. Das vorliegende Jagdgesetz ist aber dermassen kompliziert und verwirrend, dass es zurück an Absender muss! Also klares nein!?

Sebastian

16.09.2020, 06:42

Im Klartext: Wolf sehen = abschiessen. Plus mehr Geld für Schafhalter für den Herdenschutz. Und dazu generell mehr Subventionen. Ein Hobby, finanziert durch die Allgemeinheit. Keinerlei volkswirtschaftliche Bedeutung. Aber sonst haben wir für nichts Geld. Von mir gibt es ein Nein.

Nachdenklicher

16.09.2020, 06:39

Tja, bewusst oder unbewusst passende Schleichwerbung so Kurz vor der Abstimmung. Ich denke, die meisten Lehrer beeinflussen die Schüler, bewusst oder unbewusst, in eine Richtung.