Klassik-Festivals: Jetzt gibt der starke Franken den Ton an
Aktualisiert

Klassik-FestivalsJetzt gibt der starke Franken den Ton an

Der starke Franken überschattet die Klassik-Festivals, wo Touristen traditionell einen wichtigen Anteil ausmachen. Derweil strömen die Schweizer nach Bregenz.

von
Elisabeth Rizzi
Das diesjährige Lucerne Festival hat fünf Sinfoniekonzerte weniger im Angebot als letztes Jahr.

Das diesjährige Lucerne Festival hat fünf Sinfoniekonzerte weniger im Angebot als letztes Jahr.

Schon 2009 sah der Intendant der Lucerne Festivals dunkle Wolken aufziehen. «Im Ernstfall müssten wir darüber nachdenken, die Zahl der Veranstaltungen zu reduzieren», sagte Michael Haefliger im Hinblick auf die weltweite Finanzkrise. Traditionell sind immerhin gut 20 Prozent des Publikums Touristen. Jetzt, wo der starke Franken voll durchschlägt, ist es so weit: Zwar liegt die Auslastung der Konzerte rund 5 Prozent über dem Vorjahr. Doch das gestern gestartete Sommerfestival hat fünf Sinfoniekonzerte weniger im Angebot als 2011.

Beim Davos Festival heisst es zwar, man sei mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. Dennoch bestätigt Geschäftsführerin Dolores Mark auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Da unser Festival in einer Tourismusdestination stattfindet, spüren wir die aktuelle wirtschaftliche Situation natürlich auch ein wenig.»

Weniger Top-Karten

Offener zeigt man sich beim Menuhin Festival in der Tourismusregion Gstaad. Hier schlägt sich die Eurokrise ebenfalls nieder. «Vor allem im Hochpreis-Segment merken wir, dass die Leute weniger Geld haben. Schliesslich sind die Fünfsternehotels in Gstaad derzeit nicht gut besucht», sagt Intendant Christoph Müller. Die Zahl der Veranstaltungen bewege sich zwar im Rahmen der Vorjahre. Doch verkauften sich die Tickets der zweiten, dritten oder gar vierten Kategorie bedeutend besser als die Top-Plätze.

Derweil verzeichnen die Bregenzer Festspiele laut Sprecher Alex Renner einen verstärkten Zustrom aus der Schweiz. Das habe wohl auch mit dem Frankenkurs zu tun. Das Preisbewusstsein hält nicht nur bei Privatpersonen Einzug. «Die Firmen sind klar zurückhaltender bei Hospitality-Anlässen und kaufen weniger Gruppenkontingente», beobachtet Müller in Gstaad.

Bei den Zürcher Festspielen ist laut Präsident Peter F. Weibel die Bank HSBC wegen des Spardrucks (das Geldinstitut muss die Kosten um 10 Prozent senken) aus dem Sponsorenkreis ausgetreten. Dieser Betrag konnte zwar durch neue Sponsoren ausgeglichen werden. «Aber der Aufwand für die Sponsorensuche ist deutlich gestiegen, weil heutzutage mehr Firmen für kleinere Beiträge kontaktiert werden müssen», so Weibel.

Billigere Euro-Gagen

Immerhin profitieren die Schweizer Festivalanbieter ausgabenseitig wenigstens ein bisschen vom tiefen Euro: Die ausländischen Künstler wurden billiger. «Ja, wir konnten im letzten Jahr das Finanzergebnis bei den Euro-Gagen leicht verbessern», sagt Michael Haefliger stellvertretend für die Festivalbranche.

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