Piazza d'Arena: Jetzt gibts Prosecco für alle Schwulenpaare
Aktualisiert

Piazza d'ArenaJetzt gibts Prosecco für alle Schwulenpaare

Sandro Hinder sei nicht wegen seiner sexuellen Ausrichtung, sondern wegen Beschimpfungen aus der Piazza d'Arena geflogen. Um zu beweisen, dass das Restaurant nicht homophob ist, erhalten homosexuelle Paare im April ein Glas Prosecco offeriert.

von
Simon Städeli
Im April gibts für jedes homosexuelle Paar ein Glas Prosecco. Vincenc Lazraj, stellvertretender Geschäftsführer der Piazza d'Arena, mit zwei Kellnerinnen.

Im April gibts für jedes homosexuelle Paar ein Glas Prosecco. Vincenc Lazraj, stellvertretender Geschäftsführer der Piazza d'Arena, mit zwei Kellnerinnen.

Der schwule Sandro Hinder wurde am Sonntagnachmittag in St. Gallen aus einem Lokal geworfen, weil er angeblich seinen Lover geküsst hatte(20 Minuten berichtete). Nun meldet sich die betroffene Pizzeria zu Wort: «Wir haben überhaupt nichts gegen Schwule», sagt Vincenc Lazraj, stellvertretender Geschäftsführer der Piazza d'Arena. In der Pizzeria seien alle willkommen, unabhängig der sexuellen Gesinnung oder der Hautfarbe. «Bei uns gehen Schwule und Lesben ein und aus», so der 21-Jährige. Er bestreitet aber nicht, dass Sandro Hinder am Sonntagnachmittag das Lokal verlassen musste. «Er hat uns beschimpft und den Mittelfinger gezeigt», so Lazraj. Das habe der Geschäftsführer, Vincenc' Vater Nicolaj, nicht auf sich sitzen lassen und forderte die vier Gäste auf, die Piazza d'Arena auf der Stelle zu verlassen.

«Mehrere Gäste haben sich beschwert»

Vincenc Lazraj erzählt seine Sicht der Dinge: «Mehrere Gäste haben sich von der Küsserei und der Fummelei des Paares gestört gefühlt und reklamierten.» Daraufhin sei sein Vater hingegangen und habe das Paar darauf aufmerksam gemacht, dass sie doch die Hände voneinander lassen könnten. Das habe die Mutter aber nicht verstanden: «Sie wurde laut und steigerte sich in etwas rein.» Die Gäste haben sich kaum noch halten können. «Plötzlich zeigten sie ihm den Stinkefinger», so Lazaraj. Das war genug für seinen Vater und so hat er die Gäste rausgeschmissen. Sohn Vincenc verteidigt seinen Vater: «Ein solches Benehmen muss man sich nicht gefallen lassen im eigenen Lokal. Egal ob von Heteros, Schwulen oder Lesben.»

Über 400 Kommentare

Auf 20 Minuten Online sorgte die Geschichte für viel Gesprächsstoff: Mittlerweile gaben User schon über 400 Kommentare ab. Die meisten richten sich gegen die Piazza d'Arena: «Wo leben wir eigentlich???» fragte sich Userin Hetera. Für User Michi Meier gibt es nur eine logische Reaktion: «Boykott. Nicht mehr in die Piazza d'Arena gehen, ganz einfach.» Auf Facebook wurde gar eine Gruppe gegründet, die zum Boykott des Restaurants aufruft. Auch kreative Ideen kamen auf. «Nächstes Wochenende gehen alle Gays in die Arena und knutschen», schlug User Fabio Montale vor. Darauf antwortete Hans Satt unter dem Titel Flashmob: «Sollte man echt machen!» Auch User Hans Müller fand dies eine tolle Idee und wurde konkreter: «Man könnte sich da treffen. Wer kommt?»

Einige nahmen die Piazza d'Arena aber auch in den Schutz. «Der Wirt soll immer noch selber entscheiden können wen er bedienen will und wen nicht» schreibt User ehcarps.

Glas Prosecco für alle Homosexuellen

Ob der vielen Negativ-Publicity ist Vincenc Lazraj ausser sich: «Was Sandro Hinder da erzählt hat, ist eine Lüge.» Er sei auf keinen Fall wegen seiner sexuellen Orientierung aus dem Lokal geworfen worden. Um zu beweisen, dass die Piazza d'Arena nichts gegen Schwule hat, wird im April nun eine spezielle Aktion durchgeführt. «Jedes homosexuelle Paar erhält ein Glas Prosecco offeriert», so Lazraj.

Sandro Hinder findet die Idee zwar gut, sieht dahinter aber eher eine Geschäftsidee als eine Einsicht. Er wartet immer noch auf eine entschuldigungs des Geschäftes. Dass er und sein Lover Michi(21) sich überall betatscht haben, lässt er nicht auf sich sitzen: «Meine Mutter war dabei. Wir haben uns nur kurz geküsst und ohne Zunge», so Hinder. Und den Stinkefinger habe seine Mutter erst gezeigt, als er bereits «Raus» gerufen hatte.

Auch bei Hinder sind viele Reaktionen eingegangen. «Viele Kollegen haben mir geschrieben und meinen Mut gelobt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen», so Hinder. Auf Facebook seien zudem über 30 Freundschaftsanfragen eingegangen.

Deine Meinung