Aktualisiert 22.02.2019 08:45

Entwickelt in Zürich

Jetzt gibts wieder einen Schweizer Autobauer

Ein Team um den VW-Erben Toni Piëch bringt einen Schweizer Elektrosportwagen an den Start. Die Serienreife will die Marke in drei Jahren erreichen.

von
S. Spaeth
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Zum ersten Mal seit langem wird wieder ein Schweizer Auto lanciert.

Zum ersten Mal seit langem wird wieder ein Schweizer Auto lanciert.

Oliver Gast
Der Prototyp des Zweisitzer-Elektroboliden heisst Piëch Mark Zero.

Der Prototyp des Zweisitzer-Elektroboliden heisst Piëch Mark Zero.

Piëch Automotive
Hinter dem Autoprojekt stehen Toni Piëch (rechts) und Rea Stark Rajcic.

Hinter dem Autoprojekt stehen Toni Piëch (rechts) und Rea Stark Rajcic.

Piëch Automotive

Sie sind beinahe in Vergessenheit geraten: Schweizer Autobauer, die Fahrzeuge in grösseren Serien herstellen. So entwickelte die Basler Firma Monteverdi bis in die 1980er-Jahre sowohl Sport- als auch Geländewagen. Seither war es abgesehen von den Zukunftsstudien von Rinspeed und des Microlino-Wägelchens ruhig geworden um die hiesigen Hersteller.

Nun lanciert ein in der Autoindustrie grosser Name ein neues Schweizer Auto: Toni Piëch, Sohn des langjährigen VW-Lenkers Ferdinand Piëch und von Marlene Porsche. Der Prototyp des Zweisitzer-Elektroboliden heisst Piëch Mark Zero und wird auf dem Autosalon in Genf Anfang März als Weltpremiere erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

«Wir fühlen uns als schweizerisch-deutscher Automobilhersteller mit Sitz in Zürich und einem Standort in München», sagt Co-Gründer Toni Piëch, der zusammen mit Co-Chef Rea Stark Rajcic hinter dem Autoprojekt steht. In der Marketing-Sprache heisst es: Schweizer Innovationskraft und Präzision in Verbindung mit deutscher Ingenieurskunst.

Bis 10'000 Autos pro Jahr

Laut den Gründern hat der Schweizer Elektroflitzer eine Reichweite von 500 Kilometern (WLTP-Messmethode). Zum Vergleich: Bei einem Tesla 3 sind es 530 Kilometer. Die Serienreife soll der Mark Zero in drei Jahren erreichen. Läuft alles nach Plan, ist der E-Sportwagen der Start einer Produktfamilie, die voraussichtlich drei Fahrzeuge umfassen wird: einen Zweisitzer, einen Viersitzer und einen SUV. In einem vollen Produktionsjahr rechnen die Gründer künftig mit einem Gesamtvolumen von bis zu 10'000 Fahrzeugen.

«Wir wollen einen modernen Klassiker anbieten, der keinen Konsumzyklen unterworfen ist», sagt Stark Rajcic und verspricht «Sportwagen-Feeling im Elektrozeitalter». Das erreicht man unter anderem dank leichter Akku-Technik. Der Mark Zero soll weniger als 1800 Kilo wiegen.

Wer den Boliden sein Eigen nennen will, muss allerdings über das nötige Kleingeld verfügen: Laut den Gründern wird sich der E-Flitzer in der Preisklasse eines «gut ausgestatteten klassischen Sportwagens» befinden. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 Carrera GTS kostet auch schon mal über 230'000 Franken.

Firmensitz neben Google

Die Piëch Design AG hat ihren Firmensitz gleich neben Google auf dem Zürcher Hürlimann-Areal und wurde bereits 2016 gegründet. Der Firmenzweck: Produktedesign, insbesondere von Fahrzeugen, sowie die Herstellung von Prototypen. «Das fest angestellte Kernteam besteht aus 20 Spezialisten», sagt Stark Rajcic. Zudem arbeite man mit rund 200 externen Mitarbeitern zusammen.

Wird das Serienauto auch in der Schweiz hergestellt? «Die Produktion wird in Zusammenarbeit mit Partnern erfolgen, die langjährige Erfahrung in der Auftragsfertigung besitzen», sagt Piëch. Die Produktionspartner würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Durchgesickert ist bereits: Die Akkutechnik soll von einer chinesisch-deutschen Firma stammen, die bis jetzt nicht für die Autoindustrie tätig war.

Vor dreieinhalb Jahren begannen die Gründer und Co-Chefs Piëch und Stark Rajcic mit der Idee, eine flexible Fahrzeugarchitektur zu entwickeln. Will heissen: Der Unterbau eignet sich sowohl für verschiedene Typen (Sportwagen und SUV) als auch für unterschiedliche Antriebe, also Batterie, Brennstoffzelle oder Hybrid. «Die Architektur des Fahrzeugs ist auch für autonomes Fahren ausgelegt, wie es bei späteren Modellen der Produktfamilie zum Einsatz kommen soll», so Piëch.

Herr Dudenhöffer*, welche Marktchancen geben Sie dem Piëch-Projekt?

Piëch ist ein sehr grosser Name und hat daher Aufmerksamkeit. Ein Elon Musk wird Toni Piëch aber nicht werden, denn der Innovationssprung von Tesla ist eng mit Musk verbunden und mit dem Piëch-Konzept nicht wiederholbar. Die Frage ist, ob es für die Zukunft reicht, die klassischen Konzepte auch als Elektro anzubieten.

Sie sind etwas skeptisch.

Was bisher bekannt ist, lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die grossen Themen der Zukunft sind autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und Connectivity in Verbindung mit dem Elektroantrieb. Da sind vermutlich die Chinesen weiter. Auch der Hinweis, dass Piëch für alle Antrieben offen ist - Verbrenner, Hybrid, Batterie-elektrisch, Brennstoffzelle – klingt wenig fokussiert.

Das Auto wurde in Zürich entwickelt. Ist Swissness oder Schweizer Design in der Autobranche etwas wert?

Beim Wert der Marke und des Designs geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. «Swiss made» ist mit hoher Präzision in der Mechanik, etwa bei Luxusuhren, ein Begriff. Beim Auto braucht es aber mehr als nur Swissness, um ein Mythos zu werden.

* Ferdinand Dudenhöffer ist Automobilprofessor an der Uni Duisburg-Essen

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