06.03.2019 07:38

Kinostarts der Woche

Jetzt hat auch Marvel seine Wonder Woman

«Captain Marvel» bringt Frauenpower ins Marvel-Universum. Zudem starten am Donnerstag die Komödien «Rate Your Date» und «The Old Man and the Gun».

von
Mohan Mani

«Captain Marvel» führt zurück in die 1990-er Jahre, als Nick Fury (Samuel L. Jackson) noch keinen Schimmer von den «Avengers» hatte, Netflix noch Blockbuster Video hiess und das Hochladen einer CD-ROM eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Auf diesem Planeten C-54 – auch bekannt als Erde – kämpfen zwei Alien-Rassen nach einer bedeutenden Energiequelle. Zwischen die Fronten gerät die US-Kampfpilotin Carol Danvers (Brie Larson), die dank einstigem Superpower-Kontakt zur Superheldin wurde, dies aber längst vergessen hat.

Furchtlose Superheldin wie gehabt

Im Gegensatz zur unschuldigen Wonder Woman aus dem Hause DC ist Captain Marvel eine draufgängerische «Top Gun»-Pilotin, die sich nicht so schnell einschüchtern lässt. Und genau hierin liegt auch ihre grösste dramaturgische Schwäche. So gerät Captain Marvel während zweier Stunden nie wirklich in eine bedrohliche Situation, in der man um die Superheldin fürchten muss: Yon-Rogg (Jude Law) hin, Talos (Ben Mendelsohn) und Supreme Intelligence (Annette Bening) her. Sowieso interessiert die meisten Marvel-Fans nurmehr, wie es mit den «Avengers» seit deren Auflösung im «Infinity War»-Finale weitergeht. So gesehen lohnt es sich ganz besonders beim «Captain Marvel»-Abspann bis zuletzt sitzenzubleiben ... und der stärksten Nebenfigur zu frönen.

Das 21. Marvel-Opus ist Stan Lee gewidmet und im Mittelteil überraschend still inszeniert. Es erfüllt zwar das Frauenpower-Ziel, aber letztlich hat man das Gefühl, alles in früheren Action-Comics schon besser gesehen zu haben – Nineties-Nostalgia macht schliesslich noch keinen guten Kinofilm. Unterhaltsam ist's aber alleweil.

Ebenfalls ab Donnerstag: TV-Lustspiel «Rate Your Date»

Wenn «100 Tage» auf «Safari» im «Match me if you can»-Dschungel nicht genug sind, dann gibt's zwecks effizientem und effektivem Dating die «Rate Your Date»-App. Mit den Filmtiteln neudeutscher App-Komödien kann man(n) schon bald eine ganze Filmkritik füllen. Doch vor lauter neuzeitlichem Paarungsverhalten vergessen die Drehbuchautoren immer häufiger, echte Gefühle zu zelebrieren. Statt dessen werden wie hier haufenweise Klischee-Figuren aufeinander losgelassen, um in noch klischierteren App-Kategorien die Liebe fürs Leben zu finden. Zuletzt gibt's die Erkenntnis, dass sich die Liebe nicht schubladisieren lässt. Dann noch etwas Technik-Kritik, ein Happy-End und fertig ist das Lustspiel im TV-Movie-Stil. Wer's mag.

«The Old Man and the Gun»: Robert Redford zum Letzten?

Es ist eine wahre Freude, Robert Redford in seiner möglicherweise letzten Filmrolle als Gentleman-Bankräuber Forrest Tucker zu erleben, der sich in Sissy Spacek verliebt und von Casey Affleck gejagt wird. Wer auf Old-School-Charme steht, der kriegt hier die volle Ladung. Nostalgie-Kino pur, aber wunderbar gespielt und inszeniert.

Mehr Kino-Infos in der «20 Minuten»-Printausgabe vom Donnerstag.

Fehler gefunden?Jetzt melden.