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Abpfiff bei den Unsiegbaren«Jetzt hilft nur noch ein Bier»

Auch im letzten Saisonspiel gegen den FC Wülflingen holen die Unsiegbaren keine Punkte. Die Bilanz des SC Post Winterthur bleibt die schlechteste der Schweiz. Protokoll eines Untergangs.

von
Daria Wild

Der SC Post Winterthur verliert 6:2 gegen den FC Wülflingen. Goalie Stefan Pflanzl liefert die Spielanalyse.

Es ist Samstag, die Kicker vom SC Post Winterthur sind den kurzen Weg nach Wülflingen gereist, um das letzte Meisterschaftsspiel hinter sich zu bringen. Nach einer desaströsen Saison, die ihnen den unbeliebten Titel der schlechtesten Mannschaft der Schweiz beschert hat, wollen sie nun die letzte Chance packen und drei Punkte holen. Gemütlich laufen sich die Spieler auf dem Feld ein, Coach Mufti sitzt auf der Trainerbank. Den Kopf auf eine Hand gestützt beobachtet er seine Fussballer. «Wir schaffen das», sagt er. Wie das geht, will er nicht sagen, die Besprechung mit den Spielern findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Anpfiff. Das Spiel startet ausgeglichen, Engin Superstar läuft, dribbelt und schlägt Haken, aber er bekommt den entscheidenden Pass nicht. Engin verwirft die Hände. Bereits nach wenigen Minuten entdeckt hingegen ein Wülflinger Stürmer die Löcher in der Abwehr der Gelb-Schwarzen, lässt die Verteidigung stehen und läuft auf Torhüter Pflanzl zu. Er zieht am Goalie vorbei und trifft zum 1:0 für die Gastgeber. Die Wülflinger jubeln, der SC Post steht verlegen auf dem Platz, Mufti läuft genervt an der Seitenlinie auf und ab. Doch die Möglichkeit zum Ausgleich folgt kurz darauf, als der SC-Post-Captain von einem hünenhaften Verteidiger im gegnerischen Strafraum durch ein Tackling gestoppt wird. Der Schiri pfeift Penalty. Vor Aufregung kniet Mufti auf den Rasen. Doch das Runde will einfach nicht ins Eckige, der flache Schuss des Captains geht knapp am Tor vorbei. Kurz darauf fällt der zweite Treffer für die Gastgeber, wieder scheint die Verteidigung aus dem eigenen Strafraum geflüchtet zu sein.

Erlösender Schlusspfiff

Ein weiteres chaotisches Gegentor und zahlreiche Abseitsfehler später pfeift der Schiedsrichter zur Pause. Etwas niedergeschlagen trotten die Spieler vom Platz. Es wäre mehr möglich gewesen. «Die kommen schon noch», sagt ein Post-Fan. In der zweiten Halbzeit scheint der Captain seinen verschossenen Penalty mit allen Mitteln wieder gut machen zu wollen und bietet den Wülflingern praktisch im Alleingang Paroli. Endlich. Ein flacher Distanzschuss - Tor. Die Gelb-Schwarzen freuen sich bescheiden, doch bei den Fans gehen die Emotionen hoch. An der Seitenlinie hat sich eine knapp zehnköpfige Fankurve formiert. Mütter und Spielerfreundinnen sitzen auf einem Festbank, fiebern für die Kicker und wettern gegen den Schiri. «Der Champagner für nach dem Spiel ist bereit», sagt Mama Rizzi. Die Mutter der Zwillinge Patrick und Roman ist fast immer dabei und hofft vor allem, dass sich keiner ihrer Söhne verletzt.

Ihre Angst ist berechtigt. Das Spiel wird immer ruppiger, ein Wülflinger rennt Markus «Böse» Bosshard über den Haufen, es kracht, Böse windet sich am Boden, sein Knie sieht nachher komisch verdreht aus und der Gegner sieht gelb. «Gelb? Hast du etwa keine anderen Farben?», schreit Mama Rizzi. Das Thema Schiri wird bei den Fans jäh beendet, als der SC-Post-Captain mit einem wunderschönen Freistosstor den Rückstand auf 2:3 verkürzt. Die Fans können sich kaum auf den Festbänken halten. Winterthur bleibt am Ball, aber die Zeit drängt. Das Spieltempo sinkt weiter, die Fouls häufen sich. Und langsam ist die Luft draussen. Als auch noch Roman nach einem Zusammenstoss vom Feld humpelt und Wülflingen nochmals drei Tore schiesst, sind irgendwie alle froh, als der Abpfiff ertönt.

Gut gekämpft

Die Saisonbilanz nach dem 6:2 gegen den FC Wülflingen ist so miserabel wie vorher: 17 Tore geschossen, 79 kassiert, null Punkte. «Ihr seid trotzdem die Besten», schreit jemand aus der Fankurve. «Wir waren einfach einen Schritt zu langsam», sagt Pflanzl. «Sie haben gekämpft», sagt der Coach. «Den Champagner kriegen sie so oder so», sagt Mama Rizzi. Am Spielfeldrand in Winterthur herrscht bierselige End-Saison-Stimmung und auch Mufti verdaut den Frust nach einigen Minuten. «Jetzt feiern wir ein bisschen», sagt der Trainer. «Und nächste Saison holen wir uns den 3. Platz.»

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