Post im Corona-Jahr: Jetzt drohen höhere Päckli- und Brief-Preise

Post im Corona-JahrJetzt drohen höhere Päckli- und Brief-Preise

2020 hat die Post 182,7 Millionen Päckli ausgeliefert – ein Rekord. Doch das Briefgeschäft läuft schlecht und ist immer noch das grösste Standbein. Nun drohen Preisanpassungen.

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Donnerstag, 11.03.2021

Ende

Die Medienkonferenz ist zu Ende. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das vergangene Jahr turbulent für die Post war. Obwohl sie durch die Päckli-Flut im Shutdown extrem viel zu tun hatte, konnte sie die Rückgänge in anderen Bereichen wie dem schleppenden Briefgeschäft nicht kompensieren. Der Gewinn sank deshalb um rund 77 Millionen auf 178 Millionen Franken. Nun plant sie in den nächsten Jahren Effizienzmassnahmen und Preisanpassungen.

Postauto-Skandal

Die Probleme mit Postauto hatten nichts zu tun mit dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller, wie er versichert. Die Gespräche mit Sommaruga zum Rücktritt seien konstruktiv gewesen.

Privatisierung

Zu einer möglichen Privatisierung der Postfinance sagt Schwaller, dass es eine gewisse Gelassenheit braucht. «Warten wir doch einmal ab, was das Parlament entscheidet», beruhigt Schwaller.

Fragerunde beginnt

Die Vorstellung der Zahlen ist zu Ende. Nun beginnt die Fragerunde.

Bundesrat bestimmt Nachfolger

Köng übergibt nochmals an den Verwaltungsratspräsidenten Urs Schwaller, der sich Ende Jahr von der Post zurückzieht. In den letzten 3 Monaten habe er Gespräche mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga geführt. Der Zeitpunkt sei ideal. Die Post sei mit einer neuen Konzernleitung und einer neuen Konzernstrategie gut aufgestellt. Er gebe das Amt mit einem guten Gefühl weiter. Schwaller werde die Mitarbeitenden vermissen, nun wolle er aber beruflich kürzer treten und die Zeit mit der Familie geniessen. Der Bundesrat wird seinen Nachfolger vorschlagen.

Digitales Banking wird ausgebaut

Die Strategieperiode der Postfinance bis 2024 hat das Ziel, das Ergebnis zu stabilisieren und die digitale Transformation zu beschleunigen, so Köng. Zentral sei ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Postfinance wolle mit smarten Retailbanking-Leistungen relevant bleiben. Nachholbedarf gebe es bei Zahlungen im Ausland. Köng spricht auch ein rein digitales Banking-Angebot an, das in Zukunft kommen soll. Mit Valu baut die Postfinance ausserdem in den nächsten Jahren eine Vergleichsplattform auf.

20min/Matthias Spicher

Verlust bei Postfinance

Nun spricht Hansruedi Köng, CEO der Postfinance. Das Betriebsergebnis von Postfinance ging um 33 Prozent auf 161 Millionen Franken zurück. Die Eigenkapitaldecke der Post sei aber immer noch «sehr üppig». Die Kundenvermögen der Postfinance stiegen erneut um 4 Milliarden Franken, so Köng. Der Finanzchef spricht über das Zinsgeschäft, das unter Druck bleibt. Er bilanziert: «Die Postfinance ist weiterhin in der Gewinnzone, das ist nicht selbstverständlich», so Köng. Weiter spricht er über die Fortschritte bei der Digitalisierung. Die Nutzerzahlen der Postfinance-App habe die Bank innerhalb von drei Jahren vervierfachen können.

Höhere Preise

«Die Post ist ein gesundes Unternehmen mit einer guten finanziellen Ausgangslage», so Glanzmann. Die Post müsse sich aber bewegen. Die Post will in den nächsten vier Jahren rund 4 Milliarden Franken investieren, etwa in die Paketlogistik. Wichtig seien auch Preisanpassungen. Laut Glanzmann gab es seit 2004 keine Preiserhöhung bei den Briefen. Nun könnten diese und wohl auch die Paketpreise teurer werden. Entschieden sei aber noch nichts.

Post

Briefe sind das grösste Standbein

«Die negativen finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für die Post substanziell», sagt Glanzmann. Doch schon zuvor ging der Briefversand zurück, Briefe sind aber immer noch das grösste Standbein der Post. Darüber zeigt sich Glanzmann besorgt.

3000 Mitarbeiter im Homeoffice

Wegen Corona-Fällen bei den Mitarbeitern oder in ihrer Familie waren teilweise bis zu 3000 Mitarbeitende der Post zu Hause, so Glanzmann. Diese hätten für den täglichen Betrieb ersetzt werden müssen.

5,6 Prozent weniger Briefe

Glanzmann spricht über die negativen Auswirkungen der Corona-Krise: Ausser dem Paketbereich seien alle Geschäftssegmente der Post aus finanzieller Sicht negativ getroffen worden. Die Post habe 5,6 Prozent weniger adressierte Briefe verschickt. Der Betriebsertrag fiel dementsprechend 114 Millionen Franken tiefer aus. Glanzmann versichert aber, dass die Post dank der Leistung der Jahre zuvor finanziell gut aufgestellt ist.

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Service Public bleibt

Cirillo will am Service Public der Post festhalten, wie er versichert. Er bedankt sich für die Aufmerksamkeit und übergibt das Wort an den Finanzchef Alex Glanzmann.

Klimaneutral bis 2040

Der Post-Chef spricht über die Nachhaltigkeitsziele. Ein neues Ziel ist: Die Post will klimaneutralität bis 2040 erreichen. Schon heute gebe es auf alle Pakete in der Schweiz und im Ausland einen Kompensationsbeitrag.

Neuausrichtung der Filialen

Cirillo spricht über die Neuausrichtung der Filialen. «Unsere Filialen sollen zu Dienstleistungsanbietern werden», so Cirillo. Die Menschen sollen Dienstleistungen wie Krankenkassen bei der Post finden.

Weg von der Briefpost

Zur Strategie der Post gehören laut Cirillo Wachstum, Effizienzsteigerung und Preismassnahmen. «Wir müssen uns bewegen», so Cirillo. Die Post bewege sich immer mehr weg vom Brief zum lukrativen Paket-Geschäft. Die Zusammenlegung der Logistiksparte von Paket und Brief Anfang 2021 sei einer der grössten Schritte der letzten Jahrzehnte gewesen. «Es war sehr positiv, dass man davon nichts gespürt hat», so Cirillo.

20min/Thomas Hagnauer

77 Millionen weniger Gewinn

Der Konzerngewinn liegt 77 Millionen Franken unter Vorjahr. Der negative Corona-Effekt lässt sich mit 139 Millionen Franken beziffern, so Cirillo. So habe die Post allein für die BAG-Massnahmen 48 Millionen Franken investieren müssen. Ausserdem zahlte sie 23 Millionen als Dank für die Mitarbeiter. Das Ergebnis sei vor dem Hintergrund der Corona entsprechend ein starkes und sei nur dank der Tatkraft aller Mitarbeiter möglich gewesen. Die Dividende für den Bund beträgt laut Cirillo 50 Millionen Franken.

127 Millionen Kilometer gefahren

Dank den Leistungen der Post hätten die Leute zu Hause bleiben können. Die Postautos spürten aber die Homeoffice-Pflicht. Trotzdem sei niemand an der Haltestelle zurückgelassen worden. Postauto sei wie im Vorjahr 127 Millionen Kilometer gefahren. Die Post hat laut Cirillo zudem eine Weltpremiere gefeiert mit einer Maschine, die gleichzeitig Päckli und Briefe sortiert.

40 Prozent mehr Päckli

Nun spricht Post-Chef Roberto Cirillo über das Corona-Jahr, das ein schwieriges gewesen sei. Die Päckli-Flut stieg um 23 Prozent. Zu Spitzenzeiten waren es bis zu 40 Prozent mehr Päckli. Auch 1,7 Milliarden Werbesendungen stellte die Post zu. Cirillo zeigt sich stolz, die Post habe den Versorgungsauftrag aufrecht erhalten können. 95 Prozent der Päckli seien pünktlich zugestellt worden.

20 Minuten

Expansion ins Ausland

Die neue Strategie der Post werde weitere Konzernbereinigungen bringen, sagt Schwaller. Auch der Bundesrat habe der Post neue strategische Ziele gesetzt. Der Bundesrat habe die Vorgaben grösstenteils beibehalten. Beim Personenverkehr stehe eine Expansion ins Ausland nicht zur Diskussion, bei der Logistik aber schon.

Schwaller tritt ab

Urs Schwaller hat zudem beschlossen per 1. Dezember 2021 als Verwaltungsratspräsident abzutreten: «Mit heute 68 Jahren ist auch für mich persönlich der richtige Moment gekommen, bewusst beruflich kürzerzutreten», so Schwaller. Der Bundesrat wird die Nachfolge von Schwaller bestimmen und dem Verwaltungsrat zur Wahl vorschlagen. Die Generalversammlung, die darüber entscheidet, findet am 27. April 2021 statt.

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