London – Jetzt interessiert sich auch die Polizei für Johnsons Gartenparty
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LondonJetzt interessiert sich auch die Polizei für Johnsons Gartenparty

Der britische Regierungschef Boris Johnson gerät wegen Vorwürfen zu einer weiteren Party unter Verstoss gegen die Corona-Auflagen zunehmend in Bedrängnis. Nun hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen.

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Aus einer durchgesickerten E-Mail ist hervorgegangen, dass ein hoher Regierungsbeamter während des Lockdowns mehr als hundert Kollegen zu der Gartenparty eingeladen hatte.

Aus einer durchgesickerten E-Mail ist hervorgegangen, dass ein hoher Regierungsbeamter während des Lockdowns mehr als hundert Kollegen zu der Gartenparty eingeladen hatte.

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Die Gäste waren dazu aufgefordert, «Getränke selbst mitzubringen», um im Garten von Nummer 10 ein Fest zu feiern.

Die Gäste waren dazu aufgefordert, «Getränke selbst mitzubringen», um im Garten von Nummer 10 ein Fest zu feiern.

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Anscheinend nahmen am Ende etwa 40 Mitarbeitende teil.

Anscheinend nahmen am Ende etwa 40 Mitarbeitende teil.

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Darum gehts

  • Die Geschichte um Boris Johnsons «Partygate» geht in die nächste Runde.

  • Nun hat die Londoner Polizei offiziell Ermittlungen zu allfälligen Verstössen aufgenommen.

  • Eine echte Reaktion der Regierung steht weiter aus.

Im Mai 2020 galt ein strikter Lockdown in London, Zusammenkünfte jeglicher Art waren auch im Freien verboten. Angehörige konnten Beisetzungen ihrer Lieben nur online verfolgen. Die Polizei wies Jogger per Megaphon darauf hin, die Abstandsregeln von zwei Metern zu anderen Personen einzuhalten. Schulen, viele Läden sowie die Gastronomie waren geschlossen. 55 Minuten vor Beginn eines weiteren mutmasslichen Gartenfests am Regierungssitz rief das Kabinettsmitglied Oliver Dowden aus der Downing Street die Bevölkerung auf, sich an die Regeln zu halten.

Polizei will mögliche Verstösse prüfen

In einer Erklärung der Polizei vom Montagabend hiess es daher zur Gartenparty, es sollten mögliche Verstösse gegen die damals geltenden Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geprüft werden. Auf bisherige Anzeigen wegen mutmasslicher Feiern in der Downing Street hat die Behörde nicht reagiert. Derweil wurden mehr als 2000 Menschen allein im Gerichtsbezirk Westminster strafrechtlich verfolgt, weil sie sich nicht an Lockdown- oder Quarantäne-Bestimmungen gehalten haben oder an Partys teilnahmen.

Aus einer durchgesickerten E-Mail war zuvor hervorgegangen, dass der hohe Regierungsbeamte Martin Reynolds während des Lockdowns mehr als hundert Kollegen und Kolleginnen zu der Gartenparty eingeladen und sie aufgefordert hatte, «Getränke selbst mitzubringen». «Nach einer unglaublich arbeitsreichen Zeit wäre es schön, das schöne Wetter zu nutzen und heute Abend im Garten von Nummer 10 mit Abstand ein paar Drinks zu sich zu nehmen», schrieb Reynolds nach Angaben britischer Medien. Nach Informationen von ITV News nahmen am Ende etwa 40 Mitarbeitende teil.

«Hör auf, die britische Öffentlichkeit zu belügen!»

Britische Medien und die politische Opposition zeigten sich am Dienstag angesichts der neuesten Enthüllungen empört: «Genug, Boris! Beende dieses lächerliche Party-Gate jetzt», schrieb etwa der «Daily Express», der die konservative Regierung normalerweise eher unterstützt. Oppositionsführer Keir Starmer, Vorsitzender der Labour Partei, nannte die «Ablenkungsmanöver» des Premierministers auf Twitter «absurd». Johnson forderte er auf: «Hör auf, die britische Öffentlichkeit zu belügen. Es ist Zeit, endlich reinen Tisch zu machen.»

Johnsons Regierung war bereits mehrfach wegen mutmasslicher Verstösse gegen die selbst verordneten Corona-Regeln in der Öffentlichkeit und auch in den eigenen Reihen scharf in die Kritik geraten. Der Beamte Simon Case war mit der Untersuchung einer möglichen Weihnachtsfeier von Johnsons Mitarbeitern mitten im Corona-Lockdown im Dezember 2020 beauftragt worden. Weil es in dessen Abteilung Medienberichten zufolge aber ebenfalls verbotene Weihnachtsfeiern gegeben hatte, wurde er später durch Sue Gray ersetzt.

Gray wird nun auch die Garten-Party im Mai 2020 «unabhängig» untersuchen, wie Gesundheitsminister Argar dem Sender Sky News am Dienstag sagte. Er wollte sich ansonsten nicht näher zu dem Fall äussern. Johnson hatte wiederholt beteuert, seine Mitarbeitenden hätten nicht gegen Corona-Richtlinien verstossen.

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(AFP/DPA/bre)

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