Bei skelettierten Uhren steht das Werk im Mittelpunkt
Nacktes Uhrwerk – so sehen skelettierte Uhren aus.

Nacktes Uhrwerk – so sehen skelettierte Uhren aus.

Pd
Publiziert

Skelettierte UhrenJetzt ist das Uhrwerk der Star

Die Uhrenhersteller zeigen sich momentan äusserst offenherzig und stellen bei sogenannen Skelett-Uhren das Werk in den Mittelpunkt. Wir zeigen euch die schönsten Modelle.

von
Mathilde Binetruy

Eine Entwicklung, die keinem Uhren-Afficionado entgangen ist: Seit den 80er-Jahren verpassen Uhrmacher ihren Kreationen gern mal einen transparenten Saphirglasboden. Sodass man die Uhr, wenn man sie umdreht, atmen sieht… und in ein faszinierendes Universum von hoher – und hoch ästhetischer – Komplexität eintauchen kann.

Und weil es mitnichten nur Feinmechanik-Freaks reizvoll finden, die sorgfältige Verarbeitung jedes noch so kleinen Rädchens zu studieren und zu versuchen, seinen Zweck zu erraten, geht das Fenster, das den Blick in die geheimnisvolle Welt der Zeit freigibt, auch immer weiter auf.

Dabei liegt die Geburtsstunde der skelettierten Armbanduhr schon ein Weilchen zurück. Ihr Urahn war die Tischuhr mit offenem Werk aus dem 18. Jahrhundert, deren Erbe im darauffolgenden Jahrhundert die einsehbare Taschenuhr antrat. Und wenn in den 80ern offenherzige Modelle auch eine erste Blütezeit erlebten, so musste man anschliessend doch bis in die Nullerjahre warten, bis der Trend der virilen, materiallastigen Modelle abklang und sich eine neue Lust am Luftigen breitmachte.

Wer braucht schon ein Zifferblatt?

Und nun? Liefern sich die Hersteller einen regelrechten kleinen Wettstreit in Sachen Ideen, wie man das hypnotische Ballett ihrer Kaliber noch besser inszenieren könnte. Dabei wird das Grundrezept, dass also die festen Komponenten des Gehäuses durchsichtig werden, gern auch mit ein paar Prisen Juwelierskunst aufgepeppt (wie zum Beispiel beim neuen Bulgari-Modell sehr schön der Fall).

Mit hübschen Juwelen verziert: Bulgari Lucea Skeleton, Stahl, 33 mm, Automatik, wasserdicht bis 30 Meter.

Mit hübschen Juwelen verziert: Bulgari Lucea Skeleton, Stahl, 33 mm, Automatik, wasserdicht bis 30 Meter.

Bulgari

Und wenn man schon dabei ist: Statt einfach (wobei: wann hat es sich diese Branche schon je einfach gemacht?) ein herkömmliches Uhrwerk zu entblättern, entwerfen die Marken jetzt Kaliber, die speziell auf den nackten Auftritt getrimmt sind – und mit verschiedenen Materialien und Formen spielen. Oder veranstalten neckische kleine Täuschungsmanöver, bei denen die Rädchen so versteckt werden, dass man sich einem schwebenden Uhrwerk gegenüber glaubt (so etwa beim jüngsten Modell von Cartier). Wo, zum Kuckuck, versteckt sich bloss das Kaliber?

Wo ist hier das Kaliber? Cartier Squelette Double Tourbillon Mystérieux, limitiert auf 5 Stück, Platin, 47 mm, Handuhrwerk, fliegendes Tourbillon, wasserdicht bis 30 Meter

Wo ist hier das Kaliber? Cartier Squelette Double Tourbillon Mystérieux, limitiert auf 5 Stück, Platin, 47 mm, Handuhrwerk, fliegendes Tourbillon, wasserdicht bis 30 Meter

Cartier

Das stetig wachsende Interesse in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass die Hersteller gelegentlich – teilweise oder ganz – auf ein Zifferblatt verzichten. Das ermöglicht natürlich noch ausgefallenere Experimente: skulpturale Effekte, Einsatz unkonventioneller Materialien, Farbspiele, Lumineszenz… So erhält auch noch das kleinste Teilchen neben seiner technischen Aufgabe zusätzlich eine ästhetische Funktion.

Und wir? Dürfen auch noch in die verstecktesten Winkel blicken, ohne unbedingt verstehen zu müssen, was dort wie genau funktioniert. Bei der Skelettierung steht – vermutlich mehr als bei jeder anderen Spielart der Uhrmacherkunst – das emotionale Erlebnis im Vordergrund. Der Zauber liegt nicht zuletzt im Paradox, dass hier etwas, je transparenter es wird, umso schwieriger zu durchschauen ist.

Royal Oak Double Balancier Squelette, Keramikgehäuse, 41 mm, Automatik, skelettiertes Zifferblatt in Schiefergrau, wasserdicht bis 30 Meter von Audemars Piguet 

Royal Oak Double Balancier Squelette, Keramikgehäuse, 41 mm, Automatik, skelettiertes Zifferblatt in Schiefergrau, wasserdicht bis 30 Meter von Audemars Piguet

Audemars Piguet
Quasar Infrared, Einzelstück aus Saphirglas, 46 mm, Automatikuhrwerk, Tourbillonkäfig bestehend aus 79 Einzelteilen, wasserdicht bis 30 Meter von Girard-Perregaux

Quasar Infrared, Einzelstück aus Saphirglas, 46 mm, Automatikuhrwerk, Tourbillonkäfig bestehend aus 79 Einzelteilen, wasserdicht bis 30 Meter von Girard-Perregaux

Girard-Prregaux
Polo Blue Skeleton, Stahl, 42 mm, extraflaches Automatikuhrwerk, Exzenter-Mikrorotor aus Platin, Raquetterie mit Piaget-P, wasserdicht bis 30 Meter von Piaget

Polo Blue Skeleton, Stahl, 42 mm, extraflaches Automatikuhrwerk, Exzenter-Mikrorotor aus Platin, Raquetterie mit Piaget-P, wasserdicht bis 30 Meter von Piaget

Piaget

Dieser Artikel ist zuerst im Magazine Encore! erschienen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

17 Kommentare