Abo-Modell: Jetzt kann man Prämien per Kreditkarte bezahlen
Aktualisiert

Abo-ModellJetzt kann man Prämien per Kreditkarte bezahlen

Eine Tochterfirma der Helvetia lanciert das «Netflix der Versicherung». Alles ist online, keine Kündigungsfrist, bezahlen mit Kreditkarte. Der Konsumentenschutz ist skeptisch.

von
S. Spaeth
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Die Helvetia-Tochter Smile geht in die Offensive und verspricht «Versicherung ohne Blabla». Dazu gehört auch das flexible Monatsabo. Die Versicherung kann monatlich jeweils per Ende Monat gekündigt werden.

Die Helvetia-Tochter Smile geht in die Offensive und verspricht «Versicherung ohne Blabla». Dazu gehört auch das flexible Monatsabo. Die Versicherung kann monatlich jeweils per Ende Monat gekündigt werden.

Bei traditionellen Anbietern laufen Policen meist über lange Zeitperioden: fünf oder zehn Jahre beim Hausrat, fünf Jahre beim Auto. Bei Smile beträgt die Vertragslaufzeit ein Jahr.

Bei traditionellen Anbietern laufen Policen meist über lange Zeitperioden: fünf oder zehn Jahre beim Hausrat, fünf Jahre beim Auto. Bei Smile beträgt die Vertragslaufzeit ein Jahr.

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Bei Smile können Kunden die Prämien per Kreditkarte zahlen. Derzeit läuft eine grosse Werbekampagne. Der Versicherer hat bereits 130'000 Kunden.

Bei Smile können Kunden die Prämien per Kreditkarte zahlen. Derzeit läuft eine grosse Werbekampagne. Der Versicherer hat bereits 130'000 Kunden.

Smile

Dieser Anbieter will anders sein. «Versicherung ohne Blabla», schreibt die Helvetia-Tochter Smile im Rahmen ihrer neuen Kampagne. App statt Papierkram, keine Unterschriften, Beratung per Whatsapp – und Duzis mit den Kunden. «Stehst du auf Fesselspiele?», fragt die Versicherung im Werbespot provokativ. Worauf das Insure-Tech-Unternehmen hinaus will: Smile schafft die Kündigungsfrist ab und setzt neu auf flexible Monatsabos. Das heisst: Wer kündigt, kommt ohne Aufpreis auf Monatsbasis raus.

Bei traditionellen Anbietern laufen Policen meist über lange Zeitperioden: fünf oder zehn Jahre beim Hausrat, fünf Jahre beim Auto. Anders bei der Helvetia-Tochter mit 130'000 Kunden: «Wir wollen das Netflix der Versicherung sein», sagt Smile-CEO Pierangelo Campopiano im Gespräch mit 20 Minuten. «Die Kunden sollen bei uns bleiben, weil sie echt zufrieden sind und nicht, weil sie mit Langzeitverträgen gebunden sind.» Zur Offensive, die Smile mit einer millionenteuren Kampagne auf Plakatwänden, online und im TV begleitet, gehört auch das monatliche Bezahlen der Prämien per Kreditkarte. Zudem müssen Dokumente nicht unterschrieben werden, denn als Zustimmung gilt das Begleichen der Rechnung.

Konsumentenschutz sieht Gefahren

Konsumentenschützerin Sara Stalder ist skeptisch: «Der Vergleich mit den Abos der Streamingdienste hinkt gewaltig», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Ist eine Versicherungsdeckung lückenhaft, könne das zu grossen finanziellen Schäden führen. In den schnell abgeschlossenen Verträgen sieht Stalder mehr Gefahren als Chancen. «Wenn solche Abschlüsse rasch getätigt, aber auch aufgelöst werden können, gilt das für beide Seiten.» Die Versicherung könne im Schadenfall rasch jemanden ausschliessen. Kürzere Vertragslaufzeiten begrüsst Stalder aber. «Es braucht eine gesetzliche Regelung, damit lang bindende Verträge nicht mehr zulässig sind.»

Gut weg kommt die Smile-Offensive bei Babette Sigg vom Konsumentenforum (KF): «Es war stets unbegreiflich, dass sich Versicherungen mit diesen elend langen Kündigungsfristen so lange halten konnten», sagt sie zu 20 Minuten. Die KF-Präsidentin geht davon aus, dass Smile andere Anbieter unter Druck bringen wird. Damit rechnet auch Comparis-Versicherungsexpertin Andrea Auer: «Da der Markt gesättigt ist, sind Verschiebungen unvermeidlich.» Dieser Grad an Flexibilität im Zusammenhang mit der Prämienzahlung per Kreditkarte sei für die Schweiz neu.

Rückendeckung vom Mutterhaus

Bei Smile arbeiten 65 Personen. Keine davon ist ein klassischer Berater, der die Kunden besucht und hohe Provisionen für lange Versicherungsverträge erhält. «Für uns war es strukturbedingt einfacher, auf ein flexibles Modell ohne lange Laufzeiten zu setzen», sagt Smile-CEO Campopiano. Gibt das Vorpreschen bei Laufzeiten und Kündigungsfristen keinen Stress mit dem Mutterhaus Helvetia? «Wir haben den Vorteil, dass wir als eigenständiger Brand auftreten können, um digitalaffine Zielgruppen zu erschliessen.» Konzernintern spüre Smile viel Rückenwind.

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