03.06.2020 16:59

Rezeptfreie Medikamente

Jetzt kannst du dir Aspirin und Voltaren nach Hause liefern lassen

Wegen der Corona-Krise dürfen Apotheken und Drogerien neu allen Kunden rezeptfreie Arzneien nach Hause liefern. Der Onlineverkauf ist aber weiterhin verboten – obwohl ausländische Onlineapotheken in die Schweiz liefern.

von
Barbara Scherer
1 / 13
Wer Kopfschmerzen hat, musste bisher auch für Aspirin oder Paracetamol eine Apotheke oder Drogerie aufsuchen.

Wer Kopfschmerzen hat, musste bisher auch für Aspirin oder Paracetamol eine Apotheke oder Drogerie aufsuchen.

KEYSTONE
In der Corona-Krise ist das aber eher riskant.

In der Corona-Krise ist das aber eher riskant.

KEYSTONE
Für Personen mit Vorerkrankungen oder Senioren ist der Gang zur Apotheke riskant – sie könnten sich anstecken.

Für Personen mit Vorerkrankungen oder Senioren ist der Gang zur Apotheke riskant – sie könnten sich anstecken.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Wegen der Corona-Krise dürfen Apotheken und Drogerien rezeptfreie Medikamente neu nach Hause liefern.
  • Bisher konnten nur Stammkunden zu Hause beliefert werden.
  • Der Onlineverkauf ist aber weiterhin untersagt.
  • Denn Apotheken fürchten laut einem Gesundheitsökonomen finanzielle Nachteile.
  • Auf ausländischen Portalen können rezeptfreie Medikamente aber bestellt werden.

Paracetamol, Neocitran oder Voltaren – diese Mittel bekommen Schweizer nur in der Apotheke. Denn der Onlineverkauf von rezeptfreien Medikamenten ist hierzulande verboten. Während der Corona-Krise ist der Gang zur Apotheke für Menschen mit Vorerkrankungen aber riskant.

Deshalb dürfen Apotheken und Drogerien, solange die Krise andauert, rezeptfreie Medikamente nach Hause liefern, wie der Apothekerverband Pharmasuisse und der Drogistenverband SDV in einer Medienmitteilung schreiben. Bislang durften nur Stammkunden Hauslieferungen von Apotheken in Anspruch nehmen.

Patienten müssen beraten werden

Mit dem Hauslieferdienst könne während der Corona-Krise sichergestellt werden, dass auch Menschen mit Vorerkrankungen rasch und ohne Ansteckungsgefahr Zugang zu rezeptfreien Arzneimitteln erhalten. Damit die Patienten das richtige Medikament erhalten, wird zuerst eine telefonische Beratung durchgeführt. «So ist die Hauslieferung durch Apotheken und Drogerien schnell und dennoch sicher», sagt Jürg Stahl, Präsident des Drogerieverbands.

Den neuen Hauslieferdienst darf jeder in Anspruch nehmen. Gedacht wäre er aber für Personen in der Risikogruppe oder Patienten in Quarantäne. Ob und wie viel die Lieferung nach Hause kostet, darf jede Apotheke selbst bestimmen.

Rezeptfreie Medikamente

So funktioniert der Lieferdienst

Patienten können auf der Website www.rezeptfreie-medikamente.ch Apotheken und Drogerien in ihrer Nähe suchen, die den Hauslieferdienst anbieten. Anschliessend muss Kontakt mit dem Geschäft aufgenommen werden, am besten telefonisch. Eine Fachperson führt dann ein Beratungsgespräch durch. Bei diesem werden alle notwendigen Angaben zur Bestellung aufgenommen. Danach liefert die Apotheke oder Drogerie die rezeptfreien Medikamente selber oder per Kurierdienst nach Hause.

Onlinehandel gefährdet Patienten

Es gibt zwar Onlineapotheken in der Schweiz, doch rezeptfreie Medikamente wie Aspirin können dort nur mit einer Verschreibung vom Arzt bestellt werden. Ohne Rezept ist der Onlineverkauf von Arzneimitteln weiterhin gesetzlich verboten.

Denn Pharmasuisse besteht darauf, dass eine Fachberatung bei der Abgabe von Medikamenten gewährleistet sein muss. Diese Beratung würde beim Onlinehandel wegfallen. Dadurch könnten Medikamente falsch eingesetzt werden. Das würde die Sicherheit der Patienten gefährden und zu Mehrkosten führen, wie eine Sprecherin von Pharmasuisse gegenüber 20 Minuten erklärt.

Medikamente können im Ausland bestellt werden

Der ZHAW-Gesundheitsökonom Tilman Slembeck ist nicht begeistert von diesem Lieferdienst. Dieser sei nur eine Zwischenlösung: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis rezeptfreie Arzneien hierzulande online bestellt werden können.» Denn bereits jetzt können Schweizer diese problemlos bei einer ausländischen Onlineapotheke bestellen und in die Schweiz liefern lassen.

Laut Slembeck benötigt es auch nicht unbedingt eine Fachberatung. Dafür gebe es die Packungsbeilage. Nur für Personen, die viele Medikamente einnehmen, sei ein Gespräch mit einer Fachperson sinnvoll. «Um festzustellen, ob es zu einer Wechselwirkung kommen kann.» Das treffe aber nur auf eine kleine Gruppe von Patienten zu.

Online wären Arzneien günstiger

Schweizer Apotheken und Drogerien würden sich aus finanziellen Gründen gegen den Onlinehandel mit rezeptfreien Medikamenten sträuben, sagt Slembeck. Denn laut Zahlen von Pharmasuisse zahlt die Bevölkerung in der Schweiz für diese rund eine Milliarde Franken pro Jahr.

«Würden rezeptfreie Arzneien online gehandelt, würde es mehr Wettbewerb geben», so Slembeck. Während grosse Händler vom Onlinehandel profitierten, müssten kleine Apotheken darunter leiden. Für die Konsumenten hätte es aber Vorteile: «Denn die rezeptfreien Medikamente werden durch den Onlinehandel günstiger.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
76 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Toga

06.06.2020, 09:54

Das konnten wir schon immer. Auch Medikamente per Rezept. Wir sind lang jährige Kunden bei unserer Apotheke. Das Rezept wird einfach vom Arzt am die Apotheke gemailt.

Sukram R.

05.06.2020, 00:57

"Geschützte Werkstatt" Schweiz. Und ihr spielt mit, wählt die Leute die das beschliessen - selber schuld.

Immun

04.06.2020, 21:52

Manchmal liefern sie auch Corona.