Andri Stoffel: «Jetzt können wir die S-Bahn nehmen»
Aktualisiert

Andri Stoffel«Jetzt können wir die S-Bahn nehmen»

Die Halbfinal-Hürde Servette wurde im siebten Spiel übersprungen. Entsprechend gross ist nun bei den ZSC Lions die Vorfreude auf das historische Zürcher Final-Derby.

von
Marcel Allemann

«Ich denke, unser Sieg gegen Servette ist gesamthaft verdient, aber teilweise haben wir uns in dieser Serie das Leben selber schwer gemacht», befand Verteidiger Andri Stoffel. Nun freut sich der Stadtzürcher auf den ersten reinen Zürcher Playoff-Final gegen Kloten. «Das wird sehr speziell. Zum Glück sind nun auch die langen Busreisen vorbei, mit Lausanne sowie Genf hatten wir das volle Programm. Jetzt können wir die S-Bahn nehmen», scherzte Stoffel.

Vier Ex-Klotener gegen sechs Ex-ZSC'ler

Noch eine Spur spezieller wird dieser S-Bahn-Final (zwischen Oerlikon und Kloten liegen drei Stationen) für Roman Wick. Er ist ein Ur-Klotener, der vor zwei Jahren die Fronten gewechselt hat, weil ihn die damals klammen Zürcher Unterländer aus finanziellen Gründen nicht mehr wollten. Noch immer hat er viele Kumpels im Klotener Team. Doch darauf angesprochen entgegnet Wick: «Inzwischen habe ich auch viele neue Kumpels hier und mit diesen will ich nun Meister werden.»

Wick ist nicht der einzige Ex-Klotener bei den ZSC Lions, auch Lukas Flüeler, Severin Blindenbacher und Patrik Bärtschi haben eine Klotener Vergangenheit. Bei den Flyers gibt es noch mehr «Überläufer»: Eric Blum, Philippe Schelling, Lukas Stoop, Cyrill Bühler, Matthias Bieber und Aurelio Lemm gehörten früher den ZSC Lions an und fanden entweder auf direktem (Schelling, Bühler) oder indirektem Weg (Blum, Stoop, Bieber, Lemm) nach Kloten.

«Für mich gibts eine Extraportion Emotionen»

Vor Jahrzehnten mieden sich Kloten- und ZSC-Spieler noch wie der Teufel das Weihwasser. Das hat sich mittlerweile geändert. Viele kennen sich durch die Nationalmannschafts-Auswahlen, die Vergangenheit beim Gegner oder andere Umstände auch privat gut. Man trifft sich im Ausgang auf ein Bierchen oder geht sogar zusammen dorthin, es kommt sogar gelegentlich zu WG-Gemeinschaften zwischen ZSC- und Kloten-Spielern.

An der Rivalität auf dem Eis hat dies alles jedoch nichts geändert – Zürcher Derbys gehören auch heute noch zu den emotionalsten Spielen in der Liga. Daher darf man gespannt sein, was in den nächsten zwei Wochen im Raum Zürich los sein wird. «Das werden geile Spiele», sagt Wick, «und für mich gibts mit meiner Vergangenheit noch eine Extraportion Emotionen dazu.» Die Vorfreude ist auch bei Goalie Lukas Flüeler gross: «Es ist schön, ein Teil dieses historischen Playoff-Finals sein zu können. Die ganze Region wird kochen – so muss das im Eishockey sein!»

Segers Lob an die Zürcher Vereine

Ursprünglich kein Zürcher, aber als langjähriger ZSC-Captain schon fast sein halbes Leben lang mit der Region verankert, ist Mathias Seger. «Dieser Final ist für den Kanton eine grossartige Sache und zeigt, dass im Zürcher Eishockey gute Arbeit geleistet wird», sagt der Rekord-Nationalspieler. Gross ist bei Seger der Respekt vor dem Kantonsrivalen: «Wir haben bislang in den Playoffs oft mit dem Feuer gespielt. Wenn wir gegen das in den Playoffs bislang sehr überzeugende Kloten eine Chance haben wollen, müssen wir uns steigern und viel konstanter agieren.»

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