Aktualisiert 14.03.2013 13:38

Schweizer Jesuiten-Chef«Jetzt können wir sagen: Wir sind Papst!»

Mit dem Jesuiten Papst Franziskus weht ein neuer Wind im Vatikan. Alleine schon die erste Begrüssung sei richtungsweisend gewesen, sagt der oberste Schweizer Jesuit.

von
Antonio Fumagalli, Rom

Herr Rutishauser, der neue Papst ist Jesuit – wie Sie. Hätten Sie das erwartet?

Christian Rutishauser: Nein, überhaupt nicht. Umso mehr freut es mich. Jetzt können wir mal sagen: Wir sind Papst (lacht)!

Bergoglio war ein Aussenseiter. Weshalb ging die Wahl nun dennoch so schnell?

Ganz offensichtlich gab es eine genügend starke Lobby im Konklave, die gegenüber dem jetzigen Apparat eine Veränderung wollte. Die Vorgespräche müssen intensiv gewesen sein.

Gibt es nun also einen Aufbruch in der katholischen Kirche?

Man darf nichts Unmögliches erwarten, es wird ein langsamer Prozess sein. Sein allererster Auftritt als Papst stimmt mich positiv. Franziskus zeigte viel seelsorgerische Sensibilität, indem er das Volk in einer schlichten und informellen Art begrüsste und sich sogar von ihm segnen liess. Das ist ein ganz anderer Stil, als wir ihn von Benedikt kannten.

Erlaubt die katholische Kirche bald Kondome?

Es ist definitiv zu früh, solche Einzelfragen seriös zu beantworten.

Was bedeutet die Wahl für Südamerika?

Das lateinamerikanische Selbstwertgefühl wird gestärkt. Man darf nicht vergessen, dass es der Kontinent ist, wo die meisten Katholiken wohnen. Bergoglio wird sich auch intensiv mit der Ökumene auseinandersetzen, er versteht etwas davon. Auch wenn es eine andere Form als in Europa ist.

Bergoglio hat sich für den Namen Franziskus entschieden. Eine gute Wahl?

Das hat er sehr geschickt gemacht. Er stellt damit die Armutsproblematik in den Mittelpunkt, was gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch ein politisches Statement ist. Es ist ein Zeichen gegen die Krise.

Christian Rutishauser ist Schweizer Jesuitenprovinzial und arbeitet seit 2004 für den Vatikan im interreligiösen Dialog mit dem Judentum. Zudem lehrt er unter anderem an der Hochschule für Philosophie in München. 2011 ging er zu Fuss von Zug bis nach Jerusalem, auf SRF wurde darüber ein Dokumentarfilm ausgestrahlt. Der 47-Jährige lebt in Zürich. (fum)

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