Kaufen ist out: Jetzt kommt das Flatrate-Abo für Autos

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Kaufen ist outJetzt kommt das Flatrate-Abo für Autos

Porsche, Audi und Volvo testen die Monatsgebühr für Autofahrer. Dabei können die Kunden die Modelle wechseln – so oft sie wollen.

von
dob
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Die Autoindustrie versucht, neue Vertriebsmöglichkeiten zu finden. Die neuste Idee: ein Flatrate-Abo.

Die Autoindustrie versucht, neue Vertriebsmöglichkeiten zu finden. Die neuste Idee: ein Flatrate-Abo.

Keystone/Sandro Campardo
Diverse Hersteller experimentieren mit Abo-Konzepten. So etwa Porsche, Audi, General Motors und Volvo.

Diverse Hersteller experimentieren mit Abo-Konzepten. So etwa Porsche, Audi, General Motors und Volvo.

Keystone/Martial Trezzini
Porsche testet in den USA das Abo «Passport»: Für 2000 Dollar monatlich können Autofahrer zwischen acht Modellen wechseln. So können sie auch einen Cayenne fahren.

Porsche testet in den USA das Abo «Passport»: Für 2000 Dollar monatlich können Autofahrer zwischen acht Modellen wechseln. So können sie auch einen Cayenne fahren.

Frank Rumpenhorst

Was es beim Handy, Internet oder Fernsehen schon lange gibt, soll jetzt auch beim Auto möglich sein: das Flatrate-Abo. Für einen monatlichen Tarif können Autofahrer ein Modell eines Herstellers nutzen – oder gleich die ganze Fahrzeugpalette. Im Auto-Abo enthalten sind meistens Versicherung, Steuern, Service sowie Sommer- und Winterpneus.

Einige Autohersteller testen derzeit unterschiedliche Angebote. So heisst das Abo bei Porsche «Passport», bei General Motors «Book by Cadillac» oder bei Audi «Unite», wie die «Welt» schreibt. Setzen sich die Abos bei den Kunden durch, dürften andere Hersteller auf den Zug aufspringen.

Mobilität ja – Auto kaufen nein

Vor allem solche Flatrates-Abos könnten die Industrie neu beleben, denn sie braucht neue Ideen. Seit einigen Jahren ist die Branche extremen Umwälzungen unterworfen, der Diesel-Skandal und der Boom von Elektro-Autos sind grosse Herausforderungen. Zudem verzichten immer mehr jüngere Leute auf den Kauf eines eigenen Autos.

Dennoch wollten die Menschen nicht auf Mobilität verzichten, sagt Auto-Experte Harry Meier vom Vergleichsportal Comparis zu 20 Minuten. «Die Branche muss daher neue, kreative Absatzwege finden.» Mit einem Abo könnten die Hersteller die Autos nun sozusagen «stückweise» verkaufen, so Meier.

Alle Porsche-Modelle fahren

Porsche testet derzeit in den USA sein Auto-Abo. Für 2000 Dollar im Monat können Abonnenten laut «Welt» acht Modelle fahren, darunter den Macan S und den Cayenne. Wem das nicht genug ist,

der kann mit der Flatrate von 3000 Dollar alle 22 Modelle nutzen, auch den 911 Carrera S.

Ein Limit für den Autotausch soll es bis jetzt nicht geben. Das heisst: Mit dem Porsche-Abo kann man heute im SUV in die Berge fahren und morgen mit der Sportkarosse auf Spritztour gehen.

Volvo fahren für 750 Euro pro Monat

Das «Cadillac»-Abo von General Motors ist vorläufig nur in den USA zu haben. Auch Audi testet derzeit noch sein «Unite»-Angebot in Stockholm. Hierzulande könnte das Abo ebenfalls bald kommen. Man sei für den Schweizer Markt noch in der Evaluationsphase, heisst es bei Audi auf Anfrage.

Volvo hingegen ist mit dem Abo namens «Care by Volvo» schon in den Startlöchern. Das Angebot wird etwa in Deutschland, Schweden, Spanien oder Italien lanciert. Wann das Abo in die Schweiz kommt, ist offen. Kunden des Herstellers haben unter anderem die Möglichkeit, für ein paar Wochen ein grösseres Modell wie den Volvo XC90 zu nutzen. Die Flatrate bei einem Volvo der mittleren Preisklasse dürfte etwa bei 750 Euro liegen.

Alles inbegriffen, ausser Benzin

Noch einen Schritt weiter will Volvo mit den Autos der Tochter-Marke Polestar gehen. Die Elektro- und Hybrid-Autos sollen nur noch per Abo an die Kunden gebracht werden. «Bei Polestar wird man Autos künftig nicht mehr besitzen, sondern eine Flatrate abschliessen», sagt Volvo-Chef Håkan Samuelsson zu der deutschen Zeitung. Mit dabei sind die Pneus, Versicherung, Steuer, Abhol- und Bringservice und die Garagenkosten. Das Benzin müssen die Abonnenten extra bezahlen.

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Herr Dudenhöffer*, warum wollen die Autohersteller jetzt Abos anbieten?

Mit Flatrates können die Hersteller zum einen die Kosten im Vertrieb senken. Bei einem Abo-System kann etwa die Beratung durch den Verkäufer wegfallen, die Probefahrt, der Gebrauchtwagenankauf, die Fülle an Modellen im Autohaus reduziert werden. Kunden könnten zusätzlich die Autos etwa direkt an einem Hub in der Stadt abholen. Es ist letztlich eine Reaktion auf das Internet: Auch Amazon testet den Autoverkauf. Mit Flatrates wollen die Autohersteller da mithalten. Das geht mit dem klassischen Vertriebssystem nicht.

Inwiefern profitieren die Kunden von einem Abo?

Die Autofahrer erhalten Komplettangebote: Service, Winter- und Sommerreifen oder Steuern sind bereits inbegriffen. Der Kunde weiss also genau, wie hoch die Kosten sind. Für ihn gibt es also keine finanzielle Risiken mehr. Auch die Unabhängigkeit ist mit Abo grösser, da man immer ein Auto hat. Zudem ist der Kunde nicht an ein einziges Modell gebunden. Er kann auch zu einem späteren Zeitpunkt fahren, was er will.

Was ist der Unterschied zum Leasing?

Eine Flatrate ist ähnlich wie das sogenannte Full Service Leasing: Man zahlt über eine längere Zeit monatlich Raten und erhält diverse Zusatzleistungen. Bei einem Abo können die Kunden aber immer wieder das Modell wechseln und müssen sich nicht auf ein oder zwei Jahre an ein Modell binden. Die Grenzen vom einfache Finanzierungs-Leasing über das Full Service Leasing bis hin zum Abo sind fliessend.

Haben solche Abos Zukunft?

Immer mehr Hersteller werden Abos lancieren. Die Menschen wollen die Autos nicht mehr unbedingt besitzen, sondern nutzen. So können die Autofahrer Geld sparen und das zu mehr Komfort. Natürlich kann man die Abos auch auf ein einziges Modell auslegen. Dann wird es noch günstiger – praktisch eine Flat Rate für das Auto. Die bisherigen Abos sind momentan noch Marketingmassnahmen und führen dem Kunden quasi das Schlaraffenland der Autobranche vor.

*Ferdinand Dudenhöffer ist Auto-Experte an der Universität Duisburg.

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