Aktualisiert 19.04.2014 12:55

Viel strengerJetzt kommt das Super-Bio-Label

Weil Bio einem Thurgauer Landwirt nicht genug nachhaltig ist, kreierte er ein überaus strenges Fleisch-Label. Nun will er das Gütesiegel gross vermarkten.

von
Claudia Landolt
Im Tessin und im Thurgau züchtet Guido Leutenegger schottische Hochlandrinder.

Im Tessin und im Thurgau züchtet Guido Leutenegger schottische Hochlandrinder.

Eigentlich ist Guido Leutenegger ausgebildeter Lehrer und ehemaliger Politiker. Doch Schulstuben und Ratssäle, dass ist lange her. Sein Herz schlägt für die Natur. Im Tessin und im Thurgau züchtet er schottische Hochlandrinder, Wollschweine und Hühner. Wie ihm die Bio-Landwirtschaft nicht nachhaltig genug war, hat der 57-Jährige kurzerhand sein eigenes Label mit dem Namen «Natur Konkret» ins Leben gerufen – und will es nun gross vermarkten.

Bereits haben sich dem Gütesiegel fast 100 Schweizer Betriebe angeschlossen und vermarkten ihren Bestand von 1000 Hochlandrindern gemeinsam. Verglichen mit dem Bio-Suisse-Gütesiegel ist Leuteneggers-Label viel rigider. Natur-Konkret-Tiere bekommen ausschliesslich Gras und Heu zu fressen, selbst im Winter. Anders bei Bio-Bauern: Ihnen ist es erlaubt, den Tieren bis zu 10 Prozent Kraftfutter, Mais und Soja zu verfüttern. Die Wirkung des Heu-Prinzips: Weil das getrocknete Gras über wenig Energie verfügt, enthält das Fleisch dreimal weniger Fett, weniger Cholesterin und ist eiweissreicher als herkömmliches Rindfleisch.

Doch es gibt noch mehr Unterschiede; Die «Super-Bio-Rinder» tragen immer Hörner, die Besamung findet nur auf natürlichem Wege statt und ein Kalb bleibt mindestens acht Monate bei seiner Mutter. Aber auch, was die ökologische Ausgleichsfläche betrifft, ist Leuteneggers Label strenger: Während ein Bio-Suisse-Bauer sieben Prozent als ökologische Ausgleichsfläche ausscheiden muss, sind es bei Natur konkret 15 Prozent.

Viele Gütesiegel – verwirte Konsumenten

Doch warum braucht es noch ein weiteres Label? Im letzten Jahr machte die Universität St. Gallen in einer Studie publik, dass beiSchweizer Konsumenten bezüglich der vielen Gütesiegel im Bereich der Nachhaltigkeit Verwirrung herrscht. Jeder zehnte Befragte empfand Labels als unverständlich und unglaubwürdig. «Es gibt weltweit kein einzig vergleichbares Label im Bereich der Tierfütterung, das vorschreibt, dass Tiere nur Heu und Gras fressen dürfen», rechtfertigt Leutenegger sein Label. Das sei der Unterschied zur Konkurrenz.

Über seinen im Maggiatal angesiedelten Betrieb verkauft Leutenegger wöchentlich bis zu 500 Kilo Fleisch; zu den Abnehmern zählt sogar das Fünfsternehotel Castello del Sole in Ascona. Im Schnitt kostet Highlander-Fleisch 35 Franken pro Kilo und ist somit 30 Prozent teurer als herkömmliches Rindfleisch. Zu Leuteneggers Bestsellern zählen auch Trockenfleisch, Salsiz und andere Wurstwaren.

Die Kuh als Geldanlage

Überhaupt ist Leutenegger ein umtriebiger Unternehmer. Um frisches Kapital für seine Firma zu beschaffen, bietet Leutenegger seine Tiere seit einigen Jahren als Geldanlage an. Für 2500 Franken kann man eine Kuh oder ein Wollschwein im Sinne eines Wertpapiers kaufen und erhält dann als jährliche Dividendenausschüttung Fleisch im Wert von 350 Franken; dies während zehn Jahren. Die «Aktien-Kuh» wird nicht geschlachtet, und man kann sie jederzeit besuchen.

Hochlandrinder fühlen sich wohler

Die schottischen Hochlandrinder leben seit je draussen, auch winters. Einer Feldstudie der Universität Zürich zufolge fühlen sich die Hochlandrinder draussen deutlich wohler. Der Zustand ihrer Klauen war besser und die Dauer des Wiederkäuens unterschied sich deutlich von der ihrer Artgenossen im Stall. Sowohl Verdauung als auch Klauenzustand gehören zu den von Veterinären beachteten Kriterien für die Beurteilung des Gesundheitszustandes von Rindern. (cls)

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