Jetclass: Jetzt kommt der Privatjet-Flug zum Dumpingpreis
Aktualisiert

JetclassJetzt kommt der Privatjet-Flug zum Dumpingpreis

Privatjet statt Linienflug? Ein österreichisches Unternehmen will das für jedermann ermöglichen. 20 Minuten hat sich das Angebot angeschaut.

von
R. Knecht

Passagiere von Jetclass fliegen im kleinen Privatjet statt in grossen Linienflugzeugen. (Video: rkn)

Lange Schlangen, enge Sitze und oft hohe Preise: Fliegen ist für viele der blanke Horror. Dem will das österreichische Unternehmen Jetclass entgegenwirken, indem es besonders erschwingliche Flüge im Privatjet bietet. Die Preise sollen dabei zumindest mit denen der Business-Klasse grosser Airlines mithalten können.

Jetclass gibt es seit Juli 2017. Die Firma bietet schon seit Beginn Flüge ab Zürich und Genf an. Die Nachfrage in der Schweiz sei allerdings derart gross, dass das Unternehmen neu auch ab Basel fliege, wie CEO und Mitgründer Wagas Ali sagt.

20 Minuten hat das Angebot von Jetclass auf einem Flug von Zürich nach Luxemburg aufgrund von verschiedenen Gesichtspunkten bewertet:

• Preis

Für diese Strecke sind 390 Euro (450 Franken) der Bestpreis. Zum Vergleich: Wer von Zürich direkt nach Luxemburg fliegen will, bezahlt auch bei anderen Airlines mindestens diesen Betrag. Am Vortag der Reise bot die Swiss die gleiche Strecke für 774 Franken (Economy) und 1119 Franken (Business) an. Weniger als 450 Franken zahlt man nur, wenn man einen Umweg in Kauf nimmt – etwa über Frankfurt mit der Lufthansa. Dann ist die Reisezeit allerdings merklich länger. Der 450-Franken-Tarif ist zwar Teil eines Spezialangebots von Jetclass. Eine Sprecherin sagt jedoch, es sei noch nicht festgelegt, wann dieses enden wird.

• Wartezeiten

Jetclass wirbt damit, dass man bei seinen Flügen kaum Zeit verliert. Tatsächlich reichte es, 15 Minuten vor Abflug beim General Aviation Center des Flughafens Zürich zu erscheinen. Das Terminal ist wesentlich kleiner als diejenigen für Linienflüge. Das spart viel Zeit, denn innerhalb des Terminals muss man keine grossen Wege zurücklegen. Auch nach dem Security-Check, der beim Test weniger als 60 Sekunden dauerte, muss der Passagier nur noch wenige Meter zur Maschine gehen. Danach kam es allerdings zu einer der typischen Verzögerungen – der Jet nach Luxemburg musste über eine halbe Stunde auf den Start warten. Die privaten Maschinen nutzen keine eigenen Bahnen, sondern teilen sie sich mit den Flugzeugen der grossen Airlines.

• Komfort

Privatjets verbinden viele mit Luxus. Zu hoch dürfen die Erwartungen bei Jetclass diesbezüglich aber nicht sein. Sind alle vier Passagierplätze in der Cessna Citation Mustang besetzt, bleibt kaum mehr Beinfreiheit als beim Linienflug. Dafür sitzt man weniger dicht Seite an Seite, was gegenüber der Economy-Klasse in grossen Passagierflugzeugen ein Vorteil ist.

• Service

Wer hofft, im Privatjet Champagner zu trinken, dürfte enttäuscht sein: Zur im Preis inbegriffenen Verpflegung gehören ein Fläschchen Evian und etwas Nüsse, Chips und M&M's. Das Angebot ist vergleichbar mit dem auf Linienflügen. Ungewöhnlich war allerdings, dass einer der beiden Piloten kurz vor Landeanflug fragte, ob er einem der Passagiere ein Taxi rufen soll.

• Zielgruppe

Jetclass zielt mit seinem Angebot auf Geschäftsreisende. Das merkt man auch am Angebot: Die fünf Destinationen ab Zürich sind derzeit Luxemburg, Brüssel, München, Wien und Mailand. Natürlich kann man aber auch für den privaten Städtetrip einen Flug mit Jetclass buchen.

• Verfügbarkeit

Auffällig ist die stark limitierte Frequenz der Jetclass-Flüge. Von Zürich nach Luxemburg fliegt der Jet jeweils nur am Montag. Das habe damit zu tun, dass Geschäftsleute vor allem an diesem Tag nach Luxemburg reisen wollen, wie eine Sprecherin von Jetclass sagt. Abhängig von der Nachfrage sei es jedoch denkbar, dass in Zukunft auch täglich Flüge angeboten werden. Immerhin lässt sich ein Platz auch noch sehr kurzfristig, bis maximal zwei Stunden vor Abflug, online buchen, sofern noch nicht alle Plätze besetzt sind.

• Marktchancen

Das Angebot von Jetclass klingt gut, ist jedoch noch stark eingeschränkt. Flüge in Metropolen wie London oder Berlin bietet das Unternehmen derzeit nicht. Und sollte Jetclass in diesen Markt drängen wollen, würde das Unternehmen wesentlich härterer Preiskonkurrenz ausgesetzt sein als bei der Destination Luxemburg. Das zeigt sich bereits heute am Beispiel Zürich–München für 450 Franken. Diese Strecke bieten die Swiss und Lufthansa nämlich wesentlich günstiger an. Jetclass punktet hier nicht mit dem Preis, sondern mit den massiven Zeitersparnissen und der Tatsache, dass man nicht draufzahlt, auch wenn man kurz vor Abflug noch bucht, wie das oft bei Linienflügen der Fall ist.

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