18.11.2020 16:27

Good NewsJetzt kommt der Werbeanruffilter für alle

Ab 2021 müssen alle Telecomfirmen ihren Kunden ein Mittel gegen unerwünschte Anrufe anbieten – etwa mit einem Filter. Das hat der Bundesrat entschieden.

von
Barbara Scherer
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Nervige Werbeanrufe gehören ab 2021 der Vergangenheit an.

Nervige Werbeanrufe gehören ab 2021 der Vergangenheit an.

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Dann müssen alle Telecomanbieter ihren Kunden ein Mittel gegen solche Anrufe bieten – etwa einen Filter.

Dann müssen alle Telecomanbieter ihren Kunden ein Mittel gegen solche Anrufe bieten – etwa einen Filter.

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Sunrise bietet diesen Filter seinen Kunden bereits an.

Sunrise bietet diesen Filter seinen Kunden bereits an.

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Darum gehts

  • Bei allen Schweizer Telecomanbietern dürfte es künftig Werbeanruffilter geben.

  • Der Konsumentenschutz freut sich über die neue Regelung.

  • Zudem sollen Konsumenten besser vor hohen Rechnungen beim Roaming geschützt werden.

Alle Schweizer Telecomanbieter müssen ab 2021 etwas gegen Werbeanrufe unternehmen. Das hat der Bundesrat mit den Änderungen der Verordnungen zum Fernmeldegesetz verabschiedet. Der Schutz vor solchen Anrufen geschieht etwa mittels Werbeanruffilter. Ähnlich wie bei einem E-Mail-Spamfilter werden Anrufe, bei denen es sich vermutlich um illegale Werbeanrufe handelt, nicht mehr durchgestellt.

«Wir sind überzeugt, dass Werbeanruffilter die unerwünschten Telefonanrufe deutlich reduzieren, und haben uns deshalb seit Jahren für ihren flächendeckenden Einsatz engagiert», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin beim Konsumentenschutz.

Salt- und UPC-Kunden erhalten Filter

Sunrise bietet diesen Filter seinen Kunden bereits an. Auch bei Swisscom können Kunden mit einem Festnetz-oder Mobilfunkabo einen Werbefilter nutzen. Ausgenommen waren bisher Prepaid-Kunden. Das ändert sich ab 2021. Dann werden alle Telecomkunden von der Blockierung von Werbeanrufen profitieren. Die Konsumentenschützer gehen davon aus, dass jetzt auch Kunden von Salt und UPC einen Werbeanruffilter erhalten.

Im Rahmen der Revision des Fernmeldegesetzes wurde auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb geändert: Bislang machten sich Callcenter nur strafbar, wenn sie Kunden von Telefonnummern mit Sterneintrag mit Werbeanrufen belästigten. Neu wird dieser Schutz auch auf Inhaber von Telefonnummern ausgedehnt, die keinen Eintrag im Telefonbuch haben.

Ausserdem sollen nicht nur Callcenter, die den Sterneintrag missachten, bestraft werden können: Auch Unternehmen, die von solchen Anrufen profitieren, sollen bestraft werden. «Vor allem Versicherungen und Krankenkassen müssen nun genauer hinschauen, mit welchen Callcentern und Maklern sie zusammenarbeiten», sagt Sara Stalder vom Konsumentenschutz.

Kein Rechnungsschock nach Auslandsaufenthalten

Die Änderung der Verordnungen zum Fernmeldegesetz sieht auch einen verbesserten Schutz vor hohen Rechnungen beim Roaming vor. Neu soll sich jeder Kunde selbst ein Limit setzen können, wie viele Roaming-Dienstleistungen er beansprucht, bevor das automatische Roaming deaktiviert wird. Das Limit kann jederzeit geändert werden. «Damit gehören Rechnungsschocks nach Auslandaufenthalten der Vergangenheit an», ist Sara Stalder überzeugt. Zudem müssen Roaming-Pakete neu mindestens 12 Monate gültig sein. Weiter muss die Website, auf der Roaming-Pakete gekauft werden können, auch über WLAN aufrufbar sein. Besonders teure Roaming-Dienstleistungen für Flugzeuge oder auf dem offenen Meer müssen standardmässig ausgeschaltet sein – Kunden müssen sie also selbst aktivieren, bevor Kosten entstehen.

Die geänderte Fernmeldeverordnung sieht vor, dass die Kunden und die Öffentlichkeit von den Telecomanbietern über die tatsächlich erreichte Geschwindigkeit von Internetanschlüssen informiert werden. Denn diese weicht oft stark von den beworbenen Geschwindigkeiten ab. «Die neue Regelung verhindert übertriebene Versprechungen bei der Internetgeschwindigkeit und hilft den Konsumenten, die Angebote besser zu vergleichen», sagt Stalder.

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81 Kommentare
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Sara

19.11.2020, 18:31

Endlich ... dass sich das Geschäft mit dem Telefonterror überhaupt lohnt!?

Telekom

19.11.2020, 13:09

Wenn die Anrufe aus dem Ausland kommen, kann auch die BAKOM, oder die Telekom Anbieter nichts machen. Anrufe werden mit falscher Nummer präsentiert. Meistens mit einer sogenannten Spoofing Nummer. Da nützen auch keine Filter. Da die Nummer einem Schweizer Kunden gehört und dieser danach die Rückrufe von den Schweizer Kunden bekommt. Nur wenn die EU mit der BAKOM zusammenarbeitet, wird es eine brauchbare Lösung geben.

Abgehängter

19.11.2020, 11:24

Habe letzte Wochen den (Swisscom-)Anruffilter ausschalten müssen, weil keine Anrufe aus +49 mehr durchkamen. Das war dann doch zuviel des Guten.