Aktualisiert 18.01.2017 15:36

Flatnap

Jetzt kommt die Flatrate für Hotel-Übernachtungen

Eine Hotel-Flatrate für 99 Franken: So will die Firma Flatnap den Tourismus ankurbeln. Das Angebot ist jedoch an Bedingungen geknüpft.

von
P. Michel
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Im Bündner Fünfsternhaus Paradies gibt es neu All-inclusive-Pakete.

Im Bündner Fünfsternhaus Paradies gibt es neu All-inclusive-Pakete.

Hotel Paradies
Bisher waren solche Angebote vor allem vom Massentourismus her bekannt.

Bisher waren solche Angebote vor allem vom Massentourismus her bekannt.

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Der Schweizer Tourismus steht unter Druck. Mit verschiedenen neuen Angeboten wird um Kunden geworben. Die Firma Flatnap etwa setzt auf eine Hotel-Flatrate und bietet für 99 Franken pro Person und Monat unbegrenzte Hotelübernachtungen an.

Der Schweizer Tourismus steht unter Druck. Mit verschiedenen neuen Angeboten wird um Kunden geworben. Die Firma Flatnap etwa setzt auf eine Hotel-Flatrate und bietet für 99 Franken pro Person und Monat unbegrenzte Hotelübernachtungen an.

Flatnap

Die Schweizer Hotellerie steht unter Druck: Der starke Franken drückt die Margen und neue Anbieter wie Airbnb ködern mit Billig-Angeboten. Zum Befreiungsschlag setzt nun das Unternehmen Flatnap an. Mit einer Flatrate für Hotelübernachtungen, die in der Einführungsphase pro Person 99 Franken im Monat kostet, sollen kurzfristige Bergferien in klassischen Hotels wieder an Attraktivität gewinnen.

Das Konzept dahinter: Für 99 Franken kann eine Flatrate für Übernachtungen in momentan sieben Bündner Hotels abgeschlossen werden. Die Mindestlaufzeit beträgt drei Monate, wobei das Angebot einen fixen Reisepartner verlangt. Die Flatrate kostet also für beide in diesem Zeitraum rund 600 Franken.

So viel übernachten wie man will – mit Ausnahmen

Der Haken: Inbegriffen pro Reise ist jeweils eine Nacht im Hotel. Wer länger bleiben will, zahlt für die nächste Übernachtung den regulären Preis. Den Flatrate-Tarif kann der Gast demnach erst am übernächsten Tag wieder nutzen. Und auch gewieften Flatrate-Kunden kommt der Anbieter zuvor: Für die zweite Nacht einfach ein Zimmer in einem anderen Hotel, das beim Flatrate-Angebot dabei ist, zu buchen, ist nur zum Normalpreis möglich.

Trotz der Auflagen ist Geschäftsführer Daniel Stocker vom Konzept überzeugt: «Das Modell, eine Woche in die Skiferien zu gehen, hat an Anziehungskraft verloren. Heute will man auch spontan in die Berge, um abzuschalten oder sich auf dem Berg auszutoben – und das auch mal nur für ein Wochenende.» Stocker betont, dass bereits vom Angebot profitiere, wer es ein bis zweimal pro Monat nutzt. Auch seien weitere Modelle mit einer längeren Aufenthaltsdauer geplant.

Hotels hoffen auf mehr Gäste

Die Innovationsstiftung des Kantons Graubünden, die das Projekt unterstützt, sieht in Flatnap Potential: «Durch die langfristige Bindung erhoffen wir uns zusätzliche Gäste, die regelmässig unsere Hotels besuchen», sagt Projektkoordinatorin Beatrice Koller. Weil die Flatrate für die Übernachtung gelte, bestehe zudem die Möglichkeit, dass die Hotels zusätzliche Leistungen verkaufen könnten – etwa das Frühstück oder das Abendessen.

Christian Laesser, Tourismus-Experte an der Universität St. Gallen, bezeichnet das Flatrate-Modell als innovative Idee, um die Auslastung der Hotels zu verbessern: «Für Hotels, die kurzfristig noch ein Zimmer zu vergeben haben, kann das eine attraktive Lösung sein.» Auch Urs Wagenseil, Leiter des Tourismus-Centers an der Hochschule Luzern, begrüsst die Stossrichtung. «Mut und neue Ideen sind nötig, um bestehende Entwicklungsbremsen zu lösen.»

«System muss einfach zu verstehen sein»

Damit die Flatrate funktioniere, müsse das System nicht nur breit abgestützt und einfach zu verstehen sein, die Abonnenten müssten auch das Gefühl bekommen, dass sie für ihre Gebühr entsprechende Leistungen abholen könnten, sagt Wagenseil.

Ansonsten werde die Idee zum «Rohrkrepierer». «Wenn ich als Gast zwar für die Flatrate zahle, an jenen Tagen, an denen ich in die Berge will, das Hotel meiner Wahl aber gar nicht verfügbar ist, führt das zu Frust», so Wagenseil. Komme das wiederholt vor, werde sich die negative Mundpropaganda rasch ausweiten.

Dies kann laut Wagenseil etwa geschehen, wenn Hoteliers nicht genügend Zimmer für die Flatrate-Kunden bereithalten, weil sie schon gut ausgebucht sind oder noch auf einen regulär zahlenden Gast hoffen. «Die Herausforderung ist, das Flatrate-System so zu gestalten, dass Hoteliers ihre Zimmer nicht zu günstig hergeben müssen und die Gäste sich sicher sein können, dass auch kurzfristig ein Zimmer für sie zur Verfügung steht.»

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