Aktualisiert 04.04.2018 06:41

«Sober Sensation»

Jetzt kommt die Party für Nüchterne

Gesundheitsbewusste und Arbeitstiere sollen ohne Alkohol feiern: Eine neue Partyreihe setzt auf «natürliche Highs». Das entspricht offenbar einem Bedürfnis.

von
Stefan Ehrbar
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Im Juni 2018 soll in Zürich die erste «Sober Sensation»-Party steigen. Das Konzept kommt aus Berlin. Die Idee: Statt Alkohol gibt es Smoothies, statt Kater am nächsten Tag ein gutes Gefühl.

Im Juni 2018 soll in Zürich die erste «Sober Sensation»-Party steigen. Das Konzept kommt aus Berlin. Die Idee: Statt Alkohol gibt es Smoothies, statt Kater am nächsten Tag ein gutes Gefühl.

sobersensation.com
«Du magst keine Bars. Du kannst den Zigaretten-Geruch nicht mehr ausstehen. Du magst keinen Alkohol oder musst morgen arbeiten. Wohin gehst du?», fragen die Macher ihr Publikum.

«Du magst keine Bars. Du kannst den Zigaretten-Geruch nicht mehr ausstehen. Du magst keinen Alkohol oder musst morgen arbeiten. Wohin gehst du?», fragen die Macher ihr Publikum.

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Die Antwort soll ihre alkohol- und rauchfreie Partyreihe bieten. In Berlin funktioniert das Konzept bereits, weshalb es nun nach Kopenhagen und Zürich ausgedehnt wird.

Die Antwort soll ihre alkohol- und rauchfreie Partyreihe bieten. In Berlin funktioniert das Konzept bereits, weshalb es nun nach Kopenhagen und Zürich ausgedehnt wird.

Instagram/sobersensation

Ein kaltes Bierchen oder ein Gin Tonic sind an dieser Party tabu: Die Macher der Partyreihe «Sober Sensation» bringen ihr Konzept in die Schweiz. Am 20. Juni soll in Zürich ihre erste Party stattfinden. In Berlin finden die Smoothie-Partys bereits seit längerem statt – mit grossem Erfolg, wie die Veranstalter berichten. Die Macher expandieren nun in die Schweiz, in die Niederlande, nach Schweden und nach Dänemark. Sie wenden sich an das gesundheitsbewusste Partyvolk. «Wir glauben an die Kraft der natürlichen Hochs», schreiben sie auf ihrer Internetseite.

«Du willst am Mittwochabend ausgehen, magst aber keine Bars. Du hast aufgehört zu rauchen. Du bist mitten in einem strengen Workout-Programm, magst Alkohol nicht oder musst morgen arbeiten. Also bleibst du zu Hause. Das ist sehr schade!», heisst es dort. Die Organisatoren schreiben, die Partys mit nüchternen Gästen seien jene, bei denen am meisten miteinander gesprochen und getanzt werde.

Nitro-Kaffee statt Bügel-Bier

Gideon Bellin, der Gründer der Partyreihe, sagt, zunächst soll die Schweizer Party einmalig stattfinden. «Wenn sie gut ankommt, wollen wir sie alle zwei Monate durchführen.» Der erste Anlass soll im Balboa Bar & Gym in der Nähe des Paradeplatzes stattfinden und um 18 Uhr mit einem Dinner an einer Tafel mit veganem und vegetarischem Essen beginnen. Enden wird die Party um Mitternacht.

Wie an anderen Partys gibt es auch an der «Sober Sensation» Clubmusik und einen Dancefloor. Statt Alkohol werden allerdings Smoothies und Getränke wie Nitro-Kaffee oder noch unbekannte Limonadensorten ausgeschenkt. Die Party soll laut Bellin alle Sinne ansprechen. Es gebe Düfte, aufwendige Licht- und Spezialeffekte, Show Acts, Live-Musik und DJs.

Abstinenzler auf dem Vormarsch

Ein ähnliches Konzept verfolgen auch die Macher von «The Sober Disco – Die nüchterne Disko». Sie führen ihre Anlässe jeweils über den Mittag in Zürich durch. Die Idee scheint gefragt: Auf Facebook finden sich bereits über 60 Interessierte.

Die Partyreihen passen zum gesellschaftlichen Trend, auf Alkohol zu verzichten. Eine Million Einwohner ab 15 Jahren trinkt zurzeit keinen Alkohol. Das entspricht 14 Prozent – zwei Prozent mehr als noch 2012, wie das Schweizer Suchtpanorama zeigt (20 Minuten berichtete). Die meisten Abstinenzler verzichten demnach auf Alkohol, weil sie ihn für ungesund halten. Andere mögen den Geschmack oder die Wirkung nicht.

«Alkohol macht locker und gesellig»

Alexander Bücheli, Mediensprecher der Zürcher Bar- und Clubkommission, wünscht der neuen Partyreihe viel Erfolg. «Es gehört zum Nachtleben dazu, dass man etwas Neues ausprobiert», sagt er. Ein breites Angebot sei auch im Interesse des gesamten Nachtlebens.

Ob die Party ein Erfolg werde, müsse der Markt zeigen. Auch die Clubszene registriere das stärker werdende Gesundheitsbewusstsein. Der Alkoholkonsum stagniere oder sinke leicht. «Das Nachtleben ist Teil der Gesellschaft und spürt solche Trends sofort», sagt Bücheli.

Nichtsdestotrotz sei Alkohol immer noch die meist konsumierte Substanz in Bars und Clubs. Zwar ermüde Alkohol den Körper. «Wir kennen alle einen Typen, der nach ein paar Bier einschläft», sagt Bücheli. Andererseits entspreche Alkohol dem Menschen als soziales Wesen. «Er macht locker und gesellig.» Dass die Stimmung an einer substanzfreien Party besser sei, glaube er deshalb nicht. «Einen Versuch ist es aber wert.»

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