Gewalt im Ausgang: Jetzt kommt die Party-Polizei
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Gewalt im AusgangJetzt kommt die Party-Polizei

Abfall, Lärm, Schlägereien – der Schweizerische Städteverband hat genug von diesen Partybegleitern. Clubs und Beizen sollen in die Pflicht genommen werden. In Zürich reagiert auch die Polizei.

von
rme/kub
Typische Strassenszene in einer Samstagnacht in der Schweiz.

Typische Strassenszene in einer Samstagnacht in der Schweiz.

Es gibt wohl keine grössere Schweizer Stadt mehr, in der am Samstag- und Sonntagmorgen nicht Spuren einer Partynacht zu finden sind: Scherben von Wodkaflaschen hier, umgeworfene Velos dort, abgerissene Plakate und Abfall, der herumliegt. Hinzu kommen die Spuren, die man in den Nachrichten liest oder hört: Wenn schon wieder ein Jugendlicher zusammengeschlagen oder niedergestochen wurde oder wenn bei einer Razzia in einem Club diverse Drogen sichergestellt werden. Von diesen nächtlichen Exzessen hat der Schweizerische Städtverband die Nase voll. Die Gangart wird nun verschärft, wie ein Bericht des Städteverbands zeigt, der mehreren Medien vorliegt. Dabei zeigt sich: Sensibilisierungsaktionen wirken kaum, Repression wirkt hingegen.

Die grösste Wirkung wird im Bericht des Städteverbands repressiven Massnahmen bescheinigt. So wird in Winterthur, St. Gallen und Thun häufiger patrouilliert und festgenommene Betrunkene müssen von den Eltern abgeholt werden. «Die Städte wollen den Leuten das Festen nicht verbieten. Sie sollen auch künftig ihren Spass haben», betont Martin Tschirren, der stellvertretende Direktor des Städteverbands, im «SonntagsBlick». Vielmehr wolle man mit einem gezielten Vorgehen etwas gegen Auswüchse bei Gewalt, Alkoholexzessen und Littering tun. Dazu brauche es gewisse Schranken.

So sollen die Besitzer von Clubs und Restaurants stärker in die Verantwortung genommen werden. Als positives Beispiel wird das «Sicherheitskonzept» der Stadt Bern genannt: Clubs erhalten nur dann eine Überzeitbewilligung, wenn sie gewisse Auflagen erfüllen. Zudem müssen die Betreiber künftig den Abfall um ihren Betrieb möglicherweise selber aufsammeln.

Aufhebung der Polizeistunde kritisiert

In Bezug auf die Bewilligung von verlängerten Öffnungszeiten plädiert der Städteverband dafür, dass die Kompetenzen möglichst bei den Städten selbst und nicht beim Kanton liegen sollten. Der kompletten Aufhebung der Polizeistunde steht der Verband aber kritisch gegenüber.

Erfahrungen aus der Stadt Luzern zeigten, dass zwar «hohe Publikumskonzentrationen» wegfallen würden. Allerdings gebe es nicht weniger Nachtruhestörungen, denn die Ausgängerinnen und Ausgänger bewegten sich über eine längere Zeit im öffentlichen Raum. Lausanne habe gar eine «heure blanche» eingeführt: Um 5 Uhr schliessen alle Clubs während einer Stunde.

Kein Billig-Bier mehr am Bahnhof

Als eine weitere Massnahme wird verlangt, dass der Alkoholverkauf eingeschränkt wird. «Einige Läden wollen vor allem möglichst viel Alkohol verkaufen», kritisiert der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause in der «NZZ am Sonntag». Sein dringender Appell gehe an den Detailhandel in den Bahnhöfen.

In Luzern nahm die Coop-Filiale im Bahnhof auf Druck der SBB das billigste Bier aus dem Sortiment. In Lausanne schliessen sämtliche Lokale morgens um fünf Uhr für eine Stunde. Die einzige Alternative für Nachtschwärmer: nach Hause gehen.

Auch ein Preisaufschlag wird diskutiert. Bei den Alcopops ist die Bilanz aber zwiespältig: Seit der Einführung der Sondersteuer würden hochprozentige Alkoholika und Süssgetränke vermehrt selber mischen.

30 zusätzliche Polizisten in Zürich

Eine «Party-Polizei» hat die Stadt Zürich im Visier. Der abtretende Kommandant der Stadtpolizei, Philipp Hotzenköcherle, kündigt im «Sonntag» ein härteres Vorgehen gegen Gewalt im Ausgang an. «Wir sind daran, sämtliche Möglichkeiten zu prüfen, um die Sicherheit an kritischen Abenden und Nächten zu verbessern.»

Die Polizei erarbeite zurzeit ein Konzept, das an Brennpunkten in den Nächten der zweiten Wochenhälfte 30 zusätzliche Einsatzkräfte vorsehe. Um eine Sondereinheit wird es sich laut Hotzenköcherle aber nicht handeln. Eine solche wäre für die Polizisten zu belastend. «Es braucht einen Turnus, sonst hält man das nicht aus.» (rme/kub/sda)

Jugendgewalt nahm massiv zu

Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Jugendgewalt in der Schweiz verdoppelt. Das zeigt eine neue Studie des Bundesamts für Sozialversicherung, welche der Zeitung «Sonntag» vorliegt. Erklärt wird diese deutliche Zunahme mit der 24-Stunden-Gesellschaft. Das Leben vieler junger Menschen habe sich zwischen Donnerstag und Sonntag in die Nacht verlagert. (rme)

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