Nachfolge von Bundesrat Couchepin: Jetzt kommt die Volkswahl des Bundesrats
Aktualisiert

Nachfolge von Bundesrat CouchepinJetzt kommt die Volkswahl des Bundesrats

Der Kreis möglicher Couchepin-Nachfolger im Bundesrat ist geschrumpft. Fünf Politiker der FDP und zwei der CVP sind offiziell im Rennen. Jetzt bringen sich die Parteien in Stellung, hinter den Kulissen wird um jede Stimme gekämpft. Doch wie würde eigentlich das Volk entscheiden? 20 Minuten Online wills wissen und startet die erste Volkswahl der Schweiz.

von
Lukas Mäder

In einem Monat ist der Nachfolger des abtretenden FDP-Bundesrats Pascal Couchepin gewählt: vom Parlament und nicht vom Volk, wie das die SVP seit Jahren fordert (20 Minuten Online berichtete). Die Wahl der Vereinigten Bundesversammlung findet am 16. September statt. Die erste Volkswahl startet schon heute: 20 Minuten Online lässt die Leser ihren Bundesrat aus den bisherigen sieben Kandidaten wählen (hier geht es zur Wahl.).

Parteichef ist inoffiziell im Rennen

Die FDP als Verteidigerin des Sitzes hat bisher vier offizielle Kandidaten zur Auswahl. Und obwohl nicht offiziell von seiner Kantonalpartei nominiert, gehört zusätzlich auch der Parteipräsident Fulvio Pelli aus dem Tessin zum Kreis der Favoriten. Obwohl er sich nach eigenen Angaben mit 58 Jahren eigentlich zu alt findet und seine Partei bis zu den Eidgenössischen Wahlen in zwei Jahren führen will, stünde er als Bundesratskandidat zur Verfügung — falls dies die FDP-Fraktion wünscht. Bisher hat sich noch kaum ein Politiker gegen die Wahl in die Landesregierung gestellt, wenn diese in Reichweite war.

Genfer Sitz schon vergeben

Neben Pelli, der als Tessiner zwar zur lateinischen Schweiz gehört, deshalb aber nicht unbedingt auf die Sympathien der welschen Parlamentarier zählen kann, treten vier Romands aus der FDP an. Die beiden Genfer Kandidaten, Martine Brunschwig Graf und Christian Lüscher, beide im Nationalrat, haben eine schlechte Ausgangslage. Ihr Kanton ist mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey bereits in der Landesregierung vertreten. Lüscher, der erst seit knapp zwei Jahren in der grossen Kammer sitzt, gilt zudem als Vertreter des rechten Flügels, was ihm zwar Sympathien der SVP einbringt, aber nicht für eine Wahl in das begehrte Amt reicht.

Bereits bevor Pascal Couchepin seinen Rücktritt im Juni ankündigte, war Didier Burkhalter als möglicher Nachfolger in aller Munde. Der Neuenburger FDP-Ständerat gilt als konsensorientierter Sachpolitiker, der dafür auch über die Parteigrenzen hinweg geschätzt wird. Seine guten Deutschkenntnisse und die nationale Bekanntheit sollten ebenfalls eher ein Vorteil sein. Erst in den letzten Wochen national bekannt geworden ist Pascal Broulis, Waadtländer Regierungspräsident und Finanzdirektor. Trotz seines relativ jungen Alters von 44 Jahren hat er bereits zwölf Jahre Erfahrung als Kantonsrat und sieben Jahre als Regierungsrat. Sein grösster Nachteil — wie er gegenüber der «NZZ» selbst sagt — dürften die geringen Deutschkenntnisse sein.

CVP greift mit deutschsprachigem Ständerat an

Bei Urs Schwaller wiederum, der als Topkandidat der CVP seiner Partei einen zweiten Bundesratssitz auf Kosten der FDP bescheren will, ist der Sachverhalt genau umgekehrt: Ihm könnten seine guten Deutschkenntnisse zum Verhängnis werden. Der Ständerat des mehrheitlich französischsprachigen Kantons Freiburg gehört zur Minderheit mit deutscher Muttersprache. Kritiker sprechen ihm deshalb den Status eines Romand ab — vermutlich auch aus Angst vor der breiten Akzeptanz des Politikers. Ebenfalls für die CVP in den Bundesrat will der Freiburger Nationalrat Dominique de Buman. Seine Kandidatur, die er nicht mit der Partei abgesprochen hat, scheint aussichtslos.

Noch unklar ist, ob die SVP einen eigenen Kandidaten für die Wahl am 16. September aufstellen wird. Nach der Rücktrittsankündigung von Couchepin gab sich die Partei zuerst zurückhaltend. Der Sitz stehe grundsätzlich der FDP zu, so der Tenor. Doch in den letzten Tagen werden in der Volkspartei Stimmen laut, die eine eigene Kandidatur fordern. Die FDP-Kandidaten entsprächen nicht den Erwartungen — obwohl diese Kandidaten erwartet werden konnten. Sollte die SVP tatsächlich einen eigenen Kandidaten — beispielsweise den Freiburger Nationalrat Jean-François Rime — stellen, dient dieser wohl eher zur Beruhigung der eigenen Parteibasis. Denn eine reale Wahlchance hat die SVP ohne die FDP als ihren grössten Verbündeten nicht.

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20-Minuten-Online-Leser wählen ihren Bundesrat

Bis zur Bundesratswahl am 16. September stellt 20 Minuten Online seinen Lesern in mehreren Durchgängen die Kandidaten der Parteien zur Wahl. Nach den Vorschlägen der Kantonalparteien stehen bei der FDP fünf Politiker zur Auswahl, bei der CVP haben sich bisher zwei Parlamentarier als Kandidaten bereit erklärt. Noch keine möglichen Kandidaten sind bei der SVP bestimmt. Ende August könnte sich der Kreis der Kandidaten weiter verkleinern.

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